Haftstrafe für Thüringer Neonazi

Von Horst Freires
10.07.2020 -

Das Amtsgericht Rudolstadt hat den in der rechten Szene Thüringens weit verzweigt vernetzten Neonazi Felix R. wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte unter anderem gegen Fußballfans des FC Carl Zeiss Jena und weiterer Straftaten zu drei Jahren und vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Gewalttätiger Neonazi verurteilt; Photo (Symbol): Thorben Wengert / pixelio

In sechs Verhandlungstagen sah das Amtsgericht Rudolstadt vier Gewalthandlungen des angeklagten Neonazis Felix R. als eine erwiesene gefährliche Körperverletzung an. Dazu erfolgte die Verurteilung wegen einer weiteren vorsätzlichen Körperverletzung, wegen Nötigung und Sachbeschädigung. Der 23-Jährige befindet sich seit Ende Oktober 2019 in U-Haft. Das Gericht ordnete einen weiteren Haftverbleib an.

Die Staatsanwaltschaft hatte für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten plädiert. In der Urteilsbegründung wurde laut Medienberichten darauf verwiesen, dass Felix R. tief in der rechten Szene vernetzt sei. Die Bestätigung dafür konnte man an allen Prozesstagen wahrnehmen, als Freunde und Gesinnungsgenossen das Amtsgericht aufsuchten, wegen Corona aber nur in kleiner Anzahl Einlass fanden. Dabei waren Personen aus dem Rechtsrock-Milieu genauso anzutreffen wie Angehörige aus der rechten Kampfsport-Szene. Zusätzlich fielen auch Mitglieder der „Turonen – Garde 20“ auf.

Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung

Felix R. wird dem gewaltbereiten Hooligan-Umfeld von „Jungsturm“ aus dem Raum Erfurt zugerechnet. Gegen mehrere Vertreter der seit 2014 existierenden und sich zunehmend radikalisierten Gruppierung hatte es erst Ende April Hausdurchsuchungen im Zuge von weiterhin laufenden Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegeben. Die aufgesuchten Objekte der Strafverfolger befanden sich im Raum Saalfeld/Rudolstadt, Erfurt, Sondershausen, Kirchheim sowie in Halle/Saale.

Zielort der Razzia in Kirchheim war der Hotelkomplex mit Veranstaltungszentrum „Erfurter Kreuz“, früher „Erlebnisscheune“. Dort gab es in der Vergangenheit regelmäßig Rechtsrock-Events. Die Reichweite der „Jungsturm“-Aktivisten erfasste sogar Kontakte bis nach Sofia. Dorthin begab man sich beispielsweise Ende 2018 zu einem Freundschaftsbesuch.