Haftstrafe für Neonazi

Von Michael Klarmann
25.02.2021 -

Das Landgericht Zweibrücken hat einen 35-Jährigen, der zuvor in einer Neonazi-Gruppe aktiv war, wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Anhänger der Kameradschaft Zweibrücken, Foto (Archiv): Michael Klarmann

Der Mann hatte im August 2020 in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt einen 40-jährigen Familienvater im Zuge eines Streites erstochen. Zuvor hatte der damals 34-Jährige lautstark mit seiner eigenen Mutter gestritten, woraufhin diese die Wohnung verließ. Nachbarn und das spätere Opfer hatten daraufhin den Mann zur Rede stellen wollen und auch die Wohnungstür eingetreten.

Der heute 35-Jährige wollte daher im August in Notwehr zugestochen haben. Kurz nach der Tat war bekannt geworden, dass der zuvor schon strafrechtlich aufgefallen Mittdreißiger sich bis 2016 im „Nationalen Widerstand Zweibrücken“ (NWZ) engagiert und noch 2019 an entsprechenden Versammlungen teilgenommen hatte.

Wutanfall im Gerichtssaal

Bei der Verkündung des Urteils am Dienstag musste die Begründung unterbrochen werden, weil der 35-Jährige einen Wutanfall hatte, Beleidigungen ausließ und randalierte. Mehrere Justizbeamte mussten ihn überwältigen und in Handschellen abführen. Laut Gericht sei bei dem Täter unter anderem eine geminderte Intelligenz festgestellt worden. Außerdem sei er laut Gutachten sozial unbeholfen, nicht in der Lage sich auszudrücken und schnell überfordert.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Montag laut „Pfälzischer Merkur“ betont, es gebe „nicht den Hauch eines Anhaltspunktes“ darauf, dass die Tat mit der früheren Mitgliedschaft des Mannes in der rechtsextremistischen Kameradschaft NWZ im Zusammenhang stehe. Laut SWR hieß es dazu in der Urteilsbegründung des Landgerichtes am Dienstag: „Seine Zugehörigkeit zur rechten Szene sei hingegen für die Tat nicht relevant gewesen – auch wenn bei den Wortgefechten vor der Tat teils auch rassistische Äußerungen gefallen sein sollen.“