Geldstrafe für Beleidigungen

Von Horst Freires
23.12.2021 -

Der 66-jährige Henning von S., ausgestattet mit Berührungspunkten ins politisch rechtslastige Spektrum, muss wegen übler Nachrede und Verleumdung eine Geldstrafe von 6.000 Euro zahlen. Bei einer früheren Razzia waren bei dem Mann über 100 Waffen gefunden worden.

Auf Flugblättern soll von S. den ehemaligen Landrat mehrfach beleidigt haben.

Wegen übler Nachrede und Verleumdung des ehemaligen Landrats des Kreises Pinneberg, Oliver Stolz, kassierte Henning von S. vor dem Landgericht Itzehoe in zweiter Instanz eine Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro. Das teilte eine Gerichtssprecherin auf Nachfrage mit. Die 7. Strafkammer hat dabei die Strafbemessung gegenüber dem Urteil des Amtsgerichts Pinneberg aus dem vergangenen Jahr beibehalten.

Das Landgericht sah in sieben Fällen von Beleidigung die Schuld des Angeklagten als erwiesen an. Die ihm vorgehaltenen Taten tangierten einen Zeitraum von knapp drei Monaten, beginnend im April 2019. Die Beschimpfungen fanden sich auf Flugblättern, die nach Ansicht des Gerichts dem Pinneberger Henning von S. zuzurechnen sind, was dieser auch einräumte. Die Verteilung fand nicht nur in Pinneberg, sondern beispielsweise auch in den Nachbarstädten Elmshorn und Rellingen statt. Unter anderem wurde in dem Papier der frühere Landrat in die Nähe von Kindesmissbrauchstätern gestellt.

Rechte Szene-Anwältin als Verteidigerin

Wie sehr beim leicht verwahrlost wirkenden von S. von einer Nähe zur rechten Szene auszugehen ist, zeigt auch, dass er sich in diesem Rechtsstreit von der Hamburger Anwältin Gisa Pahl vertreten lässt, die seit vielen Jahren Alt- und Neonazis als Verteidigerin zur Seite steht. So gab es NDR-Recherchen zufolge unter anderem auch Kontakte zu den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Ralf Wohlleben. Der Itzehoer Prozess fand wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nur in kleinem Rahmen statt, worüber sich von S. bereits im Vorfeld aufregte. Noch vor dem Ende der Urteilsbegründung verließ der Angeklagte wutschnaubend den Verhandlungssaal. Bereits in der Vorinstanz polterte der Verurteilte los, dass er in der Angelegenheit bereit sei, bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen.

Auf seiner Internetseite finden sich reichlich krude Aussagen, die in Teilen der Einlassungen des Angeklagten auch Eingang in die Verhandlung fanden. Sie gehen in eine verschwörungsideologische Richtung, angereichert mit Verweisen auf rechte sektiererische Esoteriker oder deren Verbreitungswege wie etwa Ivo Saseks „Organische Christus-Organisation“ und das Online-Portal „Klagemauer.TV“. Und der Pinneberger von S. macht im Übrigen keinen Hehl daraus, dass er sich zu den Corona-Leugnern zählt.

2017 gewaltiges Waffenarsenal beschlagnahmt

Spätestens 2017 entpuppte sich von S. in der Öffentlichkeit als Waffennarr, als in seinem Haus über 110 Schusswaffen sowie 71.000 Schuss Munition gefunden wurden. Dazu wurden bei ihm diverse Hieb- und Stichwaffen entdeckt und Chemikalien beschlagnahmt. Daher wurde der Polizeieinsatz auch vom Kampfmittelräumdienst begleitet. Das gesamte Arsenal hatte der Waffensammler zuvor legal erworben. Der Pinneberger war früher verantwortlich im Sprengstoffreferat beim Hamburger Amt für Arbeitsschutz. Die Razzia erfolgte, weil dem sich auch als Prepper präsentierenden Mann vom Ordnungsamt des Kreises Pinneberg die nötige Zuverlässigkeit zum Waffenbesitz aberkannt wurde.

Als Reaktion auf persönlich empfundenes Unrecht folgte durch von S. ein langatmiger Rachefeldzug gegen den damaligen Landrat Oliver Stolz als oberster Chef der Kreisbehörde. Dieser und Mitarbeiter sahen sich Beschimpfungen und Stalking-Besuchen im Kreishaus ausgesetzt, weshalb Stolz entschied, dem passionierten Jäger und Sportschützen von S. sogar ein Hausverbot zu erteilen und dies eigens durch einen Wachdienst auch zu kontrollieren.

Für das bei ihm beschlagnahmte Waffenarsenal kassierte von S. bereits im April 2020 vor dem Landgericht Itzehoe eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten. In das noch nicht rechtskräftige Urteil flossen auch die Vorwürfe von fahrlässiger Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein. Auch das jetzt erfolgte Urteil wegen Beleidigung ist noch nicht rechtskräftig.   

Erschienen in: Aktuelle Meldungen