„Gelbwesten“-Marschierer von rechts

Von Michael Klarmann
04.02.2019 -

Düsseldorf/Maastricht/Aachen – Am Wochenende haben Vertreter aus der rechten Szene unterschiedliche Aktionen im Rheinland abgehalten beziehungsweise sich im benachbarten Ausland solchen angeschlossen.

Düsseldorfer Aufmarsch mit blutigem Messer als Symbol; (Screenshot)

So folgten rund 80 bis 100 Personen einem Aufruf der „Patrioten NRW“ nach Düsseldorf, erwartet worden waren mehrere hundert Teilnehmer. Knapp die Hälfte der Anwesenden hatte sich am Samstag gelbe Warnwesten angezogen. In einem internen Terminkalender-Chat der bundesweiten „Gelbwesten“-Bewegung war der Termin nach bnr.de-Recherchen als „GelbWesten Demo Düsseldorf“ angekündigt worden. Vertreter aus den verschiedenen rechten Spektren versuchen seit geraumer Zeit, den Medienhype um die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich zu nutzen und daran anzuknüpfen. (bnr.de berichtete) Aufgerufen zu der Versammlung hatte neben den „Patrioten NRW“ ein Bündnis von rund zehn rechtsaffinen bis offen rechtsextremen Initiativen.

Als Redner fungierten Personen aus dem rechtsradikalen, verschwörungsgläubigen, fremden- und islamfeindlichen Spektrum, die seit längerem regelmäßig bei ähnliche Aufmärschen NRW- und bundesweit auftreten. Eine Frau „und Mutter“ dankte in ihrer aggressiv vorgetragenen Rede dabei auch allen „die vor 80 Jahren ihr Leben ließen für unsere Freiheit und für unsere Sicherheit.“ 1938 regierten die Nationalsozialisten, In jenem Jahr hatten im November die judenfeindlichen Pogrome begonnen, bevor im September 1939 der Zweite Weltkrieg begann.

Konkurrenzveranstaltungen im Nahbereich

Das Motto des Aufmarsches in Düsseldorf lautete „Keine Gewalt mehr auf unseren Straßen!“ Auf einer entsprechenden Werbegrafik für den Aufmarsch war neben der Losung auch ein blutiges Messer als Symbol für die laut „Patrioten NRW“ ausufernde Gewalt auf Deutschlands Straßen abgebildet. Mit Selbstkritik hatte diese Symbolik allerdings nichts zu tun. Als im November 2018 eine ähnliche Versammlung in Düsseldorf von einem teils identischen Veranstalter- und Teilnehmerkreis abgehalten worden war mit mehreren hundert Rechtsextremen, Hooligans und Rockern, vereinzelten AfD-Anhängern und „Wutbürgern“, wollten Teilnehmer auch Gegendemonstranten angreifen. In einem Fall soll aus Reihen der Rechten sogar ein Messer auf diese geworfen worden sein. (bnr.de berichtete)

Dass der Aufmarsch am ersten Februar-Samstag in Düsseldorf kleiner als zuvor ausfiel, dürfte nicht nur am Wetter, sondern ebenso an Konkurrenzveranstaltungen im Nahbereich gelegen haben. In dem internen Terminkalender-Chat der „Gelbwesten“-Bewegung hatte es zudem eine Ankündigung gegeben, dass an besagtem Samstag auch in Bonn eine kleinere „Gelbwesten“-Demonstration „gegen Dieselfahrverbote“ stattfinden sollte. Im niederländischen Maastricht, südwestlich und rund 80 Kilometer Autofahrt von Düsseldorf beziehungsweise Mönchengladbach entfernt gelegen, fand am 2. Februar ebenso eine – euregionale – „Gelbwesten“-Demonstration statt. An dieser sollen rund 800 bis 1.200 Menschen teilgenommen haben.

Dominik Roeseler im niederländischen TV

Auch wenn der „Gelbwesten“-Protest in Maastricht formal mit der rechten Szene nichts zu tun hatte, hatte der frühere „pro NRW“-Funktionär und Mitgründer der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), Dominik Roeseler, dennoch mit seinem rechtsextremen Verein „Mönchengladbach steht auf“ dazu aufgerufen, deutsche Mitstreiter sollten sich in Maastricht an den Protesten beteiligen. Seine Reisegruppe bestand dessen ungeachtet nur aus zirka 15 Personen.

Der extrem rechte und fremdenfeindliche Social-Media-Aktivist Henry Stöckl aus Süddeutschland war mit zwei Aktivistinnen angereist und streamte live aus Maastricht. Roeseler selbst war später, ohne seinen politischen Hintergrund zu erwähnen, in einem niederländischen TV-Beitrag als Vertreter einer deutschen Abordnung zu sehen. Der zur Selbstdarstellung neigende Mönchengladbacher forderte in der kurzen Interview-Passage „ein Europa der Vaterländer“.

„GelbWesten Demo Aachen“ mit Hund

Nach Angaben niederländischer Medien hatten die Organisatoren die Stadt an der Maas für ihren als international deklarierten „Gelbwesten“-Marsch ausgewählt, weil dort 1992 der Vertrag zur Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion unterzeichnet worden war. Kritisiert wurde damit also die Grundlage für die spätere Einführung des Euro, überdies soll der Austritt Hollands aus der EU gefordert worden sein.

Am Sonntag kam es dann in Aachen zu einer sehr kleinen, unangemeldeten Versammlung von „Gelbwesten“. Dabei traf sich gut ein Dutzend „Gelbwesten“ – inklusive eines Hundes mit gelbem Umhang – und spazierte gut sichtbar durch die Innenstadt. Man verteilte Werbeflyer und war bemüht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. In dem internen Terminkalender-Chat der „Gelbwesten“-Bewegung für „Patrioten“ und Gleichgesinnte war das Treffen zuvor als „GelbWesten Demo Aachen“ angekündigt worden.

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