„Öffentlichkeitsarbeit“ mit der NPD

Von Horst Freires
08.02.2019 -

Bereits seit Wochen wird die Werbetrommel für eine Vortragsveranstaltung am 22. Februar im „Nationalen Begegnungszentrum“ in Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) gerührt. Dort residiert der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Vortragsveranstaltung im NPD-nahen „Haus JugendStil“; (Screenshot)

Angekündigt wird für die Veranstaltung im „Nationalen Begegnungszentrum“ (NBZ) am 22. Februar Frank Kraemer, bekannt als Mitglied der Rechtsrock-Band „Stahlgewitter“, in den vergangenen Jahren aber als umtriebiger Video-Blogger in Neonazi-Kreisen unterwegs. Der 41-Jährige soll im selbst ernannten „Haus JugendStil“ zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit als Schlüssel der Metapolitik“ referieren. Überschrieben ist der Werbehinweis mit „Werde unsterblich“. Das war das Leitmotto der 2011 aufgekommenen so genannten „Volkstod-Kampagne“.

Das NBZ gelangte 2007 über eine Zwangsversteigerung in die Hände der rechtsextremen Szene. Mittlerweile ist in dem von Enrico Hamisch und Alexander Wendt seinerzeit für läppische 17 000 Euro erworbenen Möbelhaus eine regionale Anlaufstelle für Versammlungen und ähnliche Veranstaltungen geworden. In den Räumlichkeiten mit einem bis zu 200 Besucher fassenden Saal befindet sich auch der von Hamisch betriebene „Pommersche Buchdienst“, dazu eine „Pommersche Volksbücherei“, die beworben wird mit dem Satz „Wir bevorzugen hauptsächlich Titel deutschfreundlicher Verlage und Autoren!“

Online-Versand und Rechtsrock-Label

Außerdem ist Platz für die Anwaltskanzlei des früheren NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski, der neben Jens Grunewald noch eines von zwei Stadtvertretungsmandaten für die NPD in Anklam ausübt. Ebenfalls werden die Online-Versandgeschäfte von „Glaube Wille Tat“ (GWT) und des Rechtsrock-Labels „Leveler Records“ von Frank Haack über diese Anschrift abgewickelt. Letzterer ist bei diversen braunen Musikprojekten als Sänger aktiv, unter anderem bei „Übermensch“.

In den vergangenen Jahren fanden im NBZ neben Parteitreffen vor allem Vortragsveranstaltungen mit gesinnungsfreundlichen ehemaligen Wehrmachtszeitzeugen statt.

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