Feier von völkischem Heidentum

Von Horst Freires
13.09.2018 -

Am Samstag findet in Nebra im Burgenland ein „Ernte unterm Bronze Mond“ genanntes Herbstfest des „Orphischen Kreises“ statt.

Esoterisch-heidnische Feier mit Rechtsdrall im Burgenlandkreis; (Screenshot)

Das Erntefest am 15. September ließe sich rasch als sektiererische esoterische Heidenfeier abhaken, wenn nicht daran Beteiligte bereits in der rechten Szene ihre Spuren hinterlassen hätten. Somit gerät die für den kleinen Ort Nebra (Unstrut) in Sachsen-Anhalt angekündigte Zusammenkunft mit dem Titel „Ernte unterm Bronze Mond“ unter besondere Aufmerksamkeit.

Der „Orphische Kreis“ wird vor allem durch Baal Müller, eigentlich Carsten Müller verkörpert. Der Schriftsteller, Verleger und Publizist ist seit mehreren Jahren durch seine Kontakte in neurechte Zirkel aufgefallen. So war er unter anderem Referent beim Institut für Staatspolitik, das als Kaderschmiede Rechtsintellektueller angesehen wird. 2015 sprach er bei der Pegida-Abspaltung Dügida in Düsseldorf, im Vorjahr auch beim Pegida-Original in Dresden. 2015 veräußerte Baal den rechtslastigen Telesma-Verlag an Uwe Lammla vom Arnshaugk-Verlag (Neustadt/Orla). Auch dieser hat in seinem Sortiment diverse Werke aus dem rechten Lager. Dazu zählt etwa der 2013 veröffentlichte Justizroman „Pascal Ormunait“ von Björn Clemens, Rechtsanwalt aus dem rechten Spektrum, der schon lange dem Vorstand der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) angehört.

GfP unter den Facebook-Favoriten

Lammla, der als Facebook-Favoriten neben der aus NPD-Kreisen kommenden Gazette „Werk Kodex“ auch die GfP angibt, gehört zu den maßgeblichen Köpfen des Thüringer Literaturnetzwerkes vom Freien Deutschen Autorenverband (FDA). Die Jahresschrift für schöne Literatur „Das Lindenblatt“ widmet sich nach Auskunft der eigenen Homepage dem Orphischen Kreis. „Lindenblatt“-Herausgeber ist Sebastian Hennig, der ebenfalls dem FDA angehört. Er veröffentlichte bereits Bücher bei Arnshaugk, die auch weitere Titel von ihm vertreiben, wie etwa sein gerade als Buch erschienenes Gespräch mit dem Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke unter dem Titel „Nie zweimal in denselben Fluss“ aus der Manuscriptum-Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG aus Lüdinghausen.

Zu Müllers treibenden Mitstreitern beim „Orphischen Kreis“ zählen der Neofolk-Sänger Rudolf „Sonnenkind“ Seitner aus Berlin sowie der Musiker, Grafiker, Lyriker und Verleger Uwe N. Letzterer ist vor allem in der Neofolk-Szene bekannt. Für die mittlerweile bereits zweite Auflage von „Ernte unterm Bronze Mond“ kündigt er das multimediale deutsch-russische Konzert „Brudervölker“ an. Nicht nur, weil seine Veröffentlichungen auch beim Arnshaugk-Verlag auftauchen, wird seine Nähe zur rechten Szene deutlich, auch wenn er sich selbst als völlig unpolitischen Menschen bezeichnet und sich stets auf seine künstlerische Freiheit beruft. Seitner hat gerade ein neues Album herausgebracht, was auch in Jürgen Elsässers „Compact“-Magazin besprochen wurde. 

Musikalischer Auftritt von Melanie Schmitz

Zwei weitere musikalische Gäste lassen am Samstag besonders aufhorchen: Zum einen soll Melanie Schmitz von der örtlichen Gruppierung „Kontrakultur Halle“ aus den Reihen der „Identitären Bewegung“ auftreten. Sie war im Vormonat noch bei der „Europa Nostra“-Open-Air-Messe der „Identitären“ in Dresden anzutreffen. Dazu soll in Nebra auch Swantje Swanhwit, bürgerlich Iris Katrin Fischer, als Bardin einen musikalischen Beitrag leisten. Die Hamburgerin, die nach eigenen Angaben weiterhin aus Prinzip der alten Rechtschreibung folgt, bemerkt auf ihrer Homepage: „Von Einladungen zu Veranstaltungen mit politischem Hintergrund bitte ich abzusehen.“ Laut einem Bericht der Wochenzeitung „Jungle World“ besuchte sie 1996 die Sonnenwendfeier im Rahmen der vom damaligen Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger organisierten „6. Hetendorfer Tagungswoche“. 2011 war sie Bestandteil des Sommerfests der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.  Ferner wird für die Begegnung in Nebra „El Vagabundo“ mit bündischen Liedern am Lagerfeuer angekündigt. Er war auch schon im Vorjahr bei der Premiere von „Ernte unterm Bronzemond“ mit dabei.           

Die ausgesuchte Örtlichkeit für die Veranstaltung dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass der in Nebra von Archäologen als besonders bedeutsam bewertete Raubgräber-Fund aus dem Jahr 1999 einer vergrabenen astronomischen Himmelsscheibe Schlagzeilen gemacht hatte. Das Himmelsbildnis unterliegt seither auch in völkischen und heidnischen Kreisen einer religiösen Interpretation.

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