Fanatischer Rassist und Holocaust-Leugner

Von Anton Maegerle / Hans Stutz
12.09.2018 -

Vor wenigen Tagen ist der langjährige Westschweizer Altnazi Gaston-Armand Amaudruz im Alter von 97 Jahren verstorben.

Gaston-Armand Amaudruz war Nazi von Beginn an; Photo (Symbol): bnr.de

Der fanatische Rassist, der Zeit seines Lebens für die weiße Rasse und ein nationalsozialistisches Europa kämpfte, gehörte nach 1945 zu den ersten Schweizer Rechtsextremisten, die sich wieder öffentlich betätigten. Jahrzehntelang spielte Amaudruz eine wichtige Rolle in der rechtsextremen Szene Europas.

Die Nachricht vom Tod Amaudruz‘, geboren im Dezember 1920, vermeldete zuerst Philippe Brennenstuhl, Präsident der Westschweizer Sektion der „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS) und ehemaliger Weggefährte.

Der Lausanner Amaudruz hatte bereits in den Kriegsjahren die ersten politischen Projekte vorangetrieben und war von der Schweizer Bundespolizei als „Nationalsozialist“ eingeschätzt worden. Auch unterhielt er, gemäß Beobachtungen der Bundespolizei, 1944 Kontakte mit einem Mitarbeiter der deutschen Gesandtschaft in Bern.

Rolle als Nachkriegsnazi

Schon kurz nach 1945 beteiligte sich Amaudruz an rechtsextremen Neugründungen. Er gehörte zu den ersten Männern, die öffentlich in die Rolle eines Nachkriegsnazis schlüpfte. Ab 1946 war er Mitarbeiter des damals in Genf erscheinenden Heftes „Courrier du continent“ („Bulletin du Nouvel Ordre Europeen“); 1951 wurde er Alleinredakteur und Herausgeber des Blättchens. 1949 veröffentlichte er „Ubu justicier“, ein Buch über die Nürnberger Prozesse. „Amaudruz lobt darin die Nationalsozialisten und verurteilt die Prozesse von Nürnberg“, kommentierte damals die Bundespolizei. Zwei Jahre später beklagte Amaudruz in einer Szene-Publikation den Sieg der Alliierten über NS-Deutschland: „Sie haben Europa verraten, während Adolf Hitler sein Möglichstes tat, um es zu retten“.

In den Folgejahren war Amaudruz an zahlreichen rechtsextremen Projekten beteiligt, sowohl national wie international. So beteiligte er sich an zwei neonazistischen Neugründungen: der „Volkssozialistischen Partei der Schweiz“ (VPS) und der „Europäischen Neu-Ordnung“ (ENO), einem Zusammenschluss von Rassisten und Nationalsozialisten aus mehreren europäischen Ländern. Die VPS ging bald wieder ein, die ENO existierte als Kleingrüppchen bis in die erste Hälfte der 90er-Jahre. Auf ihrer 15. Versammlung im April 1981 im spanischen Barcelona forderte die ENO die „Solidarität der arischen Kräfte innerhalb und außerhalb Europas“ ein und rief zum Kampf gegen „den Imperialismus Israels“ auf.

Politische Kontakte auch zur NPD

In den 80er-Jahren wurde Amaudruz zum zentralen Kopf der „Nationalen Koordination“ (NK), in der sich Vertreter von neonazistischen Gruppierungen sowie Skinheads wie auch Vertreter der „Nationalen Aktion“ zu strategischen Diskussionen trafen. Umgeben von Skinheads sprach er 1989 in Luzern an der ersten Rechtsextremisten-Kundgebung nach dem Zweiten Weltkrieg. Amaudruz vertrieb Holocaust-leugnende Literatur, bis die Rassismus-Strafnorm in der Schweiz in Kraft trat. Er publizierte mehrere Bücher, zur Verteidigung des Rassegedankens, darunter die in der Bundesrepublik indizierte Schrift „Ist Rassebewusstsein verwerflich?“.

Politische Kontakte pflegte Amaudruz auch zur NPD. Im NPD-Jubelband „Alles Große steht im Sturm. Tradition und Zukunft einer nationalen Partei“ (1999) schrieb Amaudruz: „Besonders schätze ich die Ausdauer, mit der die NPD ihre politischen Ziele über Jahrzehnte nunmehr verfolgt, denn nur dadurch können die Voraussetzungen für eine Wiedergeburt Europas geschaffen werden. Vordringlich sind die Wiederherstellung der Meinungsfreiheit, die Befreiung von der amerikanischen Vormundschaft und der rigorose Einwanderungsstopp.“

Mehrfach wegen Holocaust-Leugnung verurteilt

Privat und politisch sehr verbunden war Amaudruz mit dem 1997 verstorbenen norddeutschen Holocaust-Leugner Thies Christophersen. Christophersen, vormals SS-Sonderführer in Auschwitz, war Autor der berüchtigten Schrift „Die Auschwitz-Lüge“. Amaudruz sorgte auch für den Vertrieb der „Auschwitz-Lüge“ und wurde deswegen 1980 im Verfassungsschutzbericht des Bundes namentlich erwähnt. Im September 1991 nahm Amaudruz an einem konspirativen Treffen des „Freundeskreises“ von Thies Christophersen im elsässischen Hagenau im Hotel National teil.

Mehrmals wurde Amaudruz wegen Holcaust-Leugnung verurteilt und musste auch einige Monate im Knast verbringen. Erst Ende 2013 gab er die Redaktion des Blättchens „Courrier du Continent“ auf, seither wird es von dem Holocaust-Leugner René-Louis Berclaz produziert.

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