Ernst Zündel gestorben

Von Julian Feldmann
07.08.2017 -

Der deutsch-kanadische Holocaust-Leugner Ernst Zündel ist am Wochenende im Schwarzwald verstorben.

Ernst Zündel zählte zur alten Garde der Holocaust-Leugner; Photo (Symbol): bnr.de

Er zählte zu den bekanntesten Leugnern des Judenmords: Der deutsche Rechtsextremist Zündel (Jg. 1939) ist am vergangenen Samstag im baden-württembergischen Bad Wildbad (Kreis Calw) gestorben. Zündel, der mit 19 Jahren nach Kanada auswanderte, wandte sich schnell der nationalsozialistischen Ideologie zu. Der fanatische Judenhasser versuchte vor allem mit der Leugnung von NS-Verbrechen das „Dritte Reich“ reinzuwaschen. Im Fokus stand dabei das deutsche Vernichtungslager Auschwitz – das Symbolbild des Holocaust.

In Kanada und Deutschland musste sich Zündel mehrfach vor Gericht wegen seiner antisemitischen Hetze verantworten. In einem Prozess gegen den Hitler-Verehrer 1988 in Toronto trat unter anderem Fred Leuchter als Zeuge auf. Der US-Amerikaner Leuchter reiste als vermeintlicher „Gutachter“ nach Auschwitz und Majdanek, um die Gaskammern zu untersuchen. Es habe nach diesem „Gutachten“ keine Vergasungen durch die Nazis gegeben. Leuchter musste vor dem Gericht in Toronto jedoch einräumen, kein Ingenieur zu sein und nicht über die nötigen Fachkenntnisse für eine solche Untersuchung zu verfügen. Der „Leuchter-Report“ gilt trotz seines umgehenden als falsch entlarvten Inhalts bis heute Holocaust-Leugnern als Beweis für die „Auschwitz-Lüge“.

Huldigung in Neonazi-Kreisen

Nachdem Zündel im März 2005 aus Kanada nach Deutschland abgeschoben und an die deutschen Behörden überstellt wurde, verurteilte ihn das Landgericht Mannheim 2007 zu fünf Jahren Haft wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Nach seiner Haftentlassung 2010 (bnr.de berichtete) verkehrte Zündel weiter in rechtsextremen Kreisen in Deutschland. So trat er 2014 vor Neonazis in Hamm auf. Der Volksverhetzer unterhielt auch Kontakte zum rechten Verleger Dietmar Munier in Schleswig-Holstein.

Nicht nur der NPD-Politiker Patrick Wieschke aus Thüringen verbreitete am Sonntag die Nachricht des Todes von Zündel. Der Vorsitzende der Neonazi-Partei „Der III. Weg“, Klaus Armstroff, verkündete, dass „einer der größten Kämpfer unseres Volkes für die geschichtliche (sic!) Wahrheit“ verstorben sei. Die rechtsextreme Partei veröffentlichte Fotos von Zündel an der Seite von Armstroff. „Wir verneigen uns vor Deinem Mut, vor Deiner Standfestigkeit und Opferbereitschaft!“, schreibt der „III. Weg“-Chef.

Seine in den USA lebende Ehefrau Ingrid Zündel berichtete in einer E-Mail an Vertraute, die bnr.de vorliegt, dass der Rechtsextremist am Samstag in seinem Haus im Schwarzwald verstorben sei. Todesursache sei ein Herzinfarkt gewesen. Sie kündigte für die nächsten Tage eine offizielle Pressemitteilung an.Gemeinsam mit Ursula Haverbeck-Wetzel, Udo Walendy und anderen unverbesserlichen Nationalsozialisten gehörte Zündel zur alten Garde der Revisionisten, die in der Neonazi-Szene als Vorbilder gelten.

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