Ermittlungen gegen brutale „Freunde“

Von Kai Budler
30.01.2017 -

Nachdem sie mehrere Gegendemonstranten angegriffen und zwei davon teils schwer verletzt hatten, ermittelt die Staatsanwaltschaft Göttingen nun gegen drei Neonazis aus dem „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“. Die Strafverfolgungsbehörde wirft den Männern schwere Körperverletzung vor.

Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung; Photo: K.B.

Ursprünglich sollte am 12. November 2016 eine Kundgebung des rechtsextremen „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ an der Göttinger Stadthalle stattfinden. Etwa 500 Personen blockierten die Zufahrtswege zu dem Kundgebungsort, die Neonazi-Gruppierung sagte ihre Veranstaltung ab – stattdessen marschierten 16 teils vermummte Anhänger im etwa 30 Kilometer entfernten Duderstadt auf.

Knapp drei Stunden später bedrohten in Göttingen fünf der Aufmarschteilnehmer, die in  dem Auto von Jens W. saßen, einen Kommunalpolitiker und dessen Familie vor ihrem Haus. Es fielen Sprüche, wie „Wir kriegen euch alle“ und „Der Kampf ist eröffnet“. Dass es nicht bei verbalen Drohungen blieb, zeigte sich, als eine Polizeistreife wenig später das Auto der Neonazis an der Stadthalle stoppte. Mehrere Personen machten dann die Beamten darauf aufmerksam, dass die Autoinsassen ihre Nachbarn bedroht hätten. Einer Zusammenstellung des „Bündnisses gegen Rechts“ in Göttingen zufolge  stürmten daraufhin die Neonazis aus dem Auto mit Waffen auf diese Personen zu. Sie rissen drei Menschen zu Boden und schlugen und traten auf sie ein. Dabei benutzten die rechten Schläger unter anderem eine Eisenkette und einen Schlagstock, eines der Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden. Selbst als die Polizei die Angreifer abdrängte, sollen die militanten Neonazis die Personen weiterhin bedroht haben. Dabei soll der bereits wegen Körperverletzung verurteilte Neonazi Pascal Z. mehrfach den Hitlergruß gezeigt haben.

Erneuter Aufmarschversuch am 1. April

Unterdessen hat der „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ einen Aufmarsch in Göttingen für den 1. April dieses Jahres angekündigt. Angemeldet sind etwa 50 Teilnehmer/innen, auch die ersten Redner/innen wurden bereits genannt. Dabei handelt es sich um Melanie Dittmer, den langjährig aktiven Neonazi und NPD-Politiker Thorsten Heise sowie Uta Nürnberger, David Köckert und Alexander Kurth vom rechtsextremen Netzwerk „Thügida“. Aus der Szene der „Freien Aktivisten“ kommt Michael Zeise aus Thüringen, der Mitglied in der im März 2016 verbotenen Neonazi-Gruppierung „Weisse Wölfe/Terrorcrew“ war. Benjamin Krüger aus dem Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür zählte lange Jahre zu der Neonazi-Gruppierung „Besseres Hannover“, die 2012 verboten worden war. Inzwischen ist Krüger Mitglied der Neonazi-Partei „Die Rechte“ und bei Aufmärschen als „Anti-Antifa“-Fotograf aktiv. Das Göttinger „Bündnis gegen Rechts“ kündigte bereits Proteste gegen den Aufmarsch am 1. April an. Der erste Versuch des „Freundeskreises“, im September in der Universitätsstadt aufzumarschieren, wurde von den Gerichten nur als Kundgebung vor dem Bahnhof genehmigt. Dort standen 93 Neonazis mehr als 1000 Gegendemonstranten gegenüber.

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