Einschlägige Teilnehmer auf Demo in Rotenburg

Von Andrea Röpke
30.11.2021 -

500 AnhängerInnen beteiligten sich in Rotenburg an einem „Spaziergang“ gegen Corona-Maßnahmen. Mit dabei: ein Landtagsabgeordneter der AfD, eine Frau aus dem Parteivorstand - sowie ein ehemaliger Pastor mit Kontakten in die extreme Rechte als geladener Redner.

Teilnehmer der Demo mit SHAEF-Symbolik, Foto: isso.media

Seit Monaten spazieren sie in Oldenburg, Cuxhaven und Rotenburg an der Wümme. AnhängerInnen von Reichsbürger-Ideologie, Verschwörungstheoretiker, Esoteriker, Ökos, Impfgegner und weitere Gegner staatlicher Corona-Maßnahmen. Alle paar Wochen schließen sich die Organisationsteams kurz und rufen zu einem gemeinsamen größeren Marsch.

Am letzten Samstag waren es mindestens 500 Menschen ohne Masken, die sich auf dem Pferdemarkt im niedersächsichen Rotenburg trafen und anschließend durch die Wohngebiete zogen.  Kleine Kinder in Flecktarn sprangen zwischen Kindergarten-Muttis in bunten Filzmänteln umher. Veteranen der Bundeswehr mit Barett und allerlei militärischen Abzeichen herzten sich zur Begrüßung. „Deutschland steht unter Kriegsrecht“ verkündeten Männer und Frauen mit „SHAEF“-Schildern. Die Basis-Plaketten waren zu sehen. In Frakturschrift stand auf einem selbstgebastelten Schild: „Ich bin aus der Volksgemeinschaft ausgestoßen“. Die dunkelhaarige Frau, die es sich um den Hals gehängt hatte, kommentierte antifaschistische Proteste am Neuen Markt mit dem Spruch: „Wie bekloppt die sind.“

Die selbsternannten „Freiheitboten Rotenburg/Verden“ möchten bürgerlich erscheinen, um weitere Akzeptanz in der Region zwischen Heide und Wesermarsch zu erringen. Doch 200 AntifaschistInnen stellten sich ihnen Samstag lautstark entgegen. Sie klärten darüber auf, wer sich hinter den vermeintlich harmlosen Spaziergängern verbirgt. Zu denen, die sich seit Monaten um Prävention bemühen, gehören die „Omas gegen rechts“. Zehn wetterfest gekleidete Damen trotzten am Samstag dem Regen, um mit ihrer Teilnahme an den Gegenprotesten  auf den rechtspolitischen Hintergrund hinzuweisen.

AfD-Funktionäre vor Ort

Unauffällig bleiben wollte einer, der sich das weiße Basecap ins Gesicht gezogen hatte: Christopher Emden, Richter von Beruf und Landtagsabgeordneter der AfD in Niedersachsen. Emden ist Maskengegner, eine gemeinsame Klage mit Stephan Bothe gegen das Tragen in Landtagsgebäuden scheiterte. Aus dem Landesvorstand der AfD erschienen war auch Marie-Therese Kaiser. „Heute geht’s wieder auf die Straße für „Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung“ und gegen eine allgemeine #Impfpflicht“, twitterte die Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Rotenburg (Wümme) und reihte sich ein.

Zu Beginn der Spaziergänge gab es in Rotenburg offene Bezüge zur russischen „Nationalen Befreiungsbewegung“. Nach kritischen Medienberichten werden Sympathien für die rechtsextreme Pro-Putin-Struktur besser versteckt. Immer ist das sogenannte Georgskreuz auf selbstgestrickten Mützen oder Mobiltelefonen von Demonstranten zu finden.

Pastor mit einschlägigen Verbindungen

Sie seien keine Rechten, betonten die Veranstalter Peter Flöter und Peter Spehling gegenüber der regionalen „Kreiszeitung“ und gaben an, mittels eines „großen Spaziergangs für Frieden und Selbstbestimmung“ gegen die Corona-Maßnahmen protestieren zu wollen. In den Wochen zuvor reagierte Flöter bereits ungehalten, als er mit „Querdenken“ in Verbindung gebracht wurde, musste aber kleinlaut zugeben, an deren Großveranstaltung schon teilgenommen zu haben. In der Rotenburger Telegramgruppe „Cafe Zuversicht“ um Marcus von der Wehl freute man sich darüber, dass die Rotenburger Veranstaltung unter „Demos gegen die NWO, die Welt Diktatur“ aufgelistet wurde und weite Online-Verbreitung fand.

Das klarste Zeichen für den Hintergrund der Veranstaltung setzten die Rotenburger Veranstalter aber mit einem der letzten Redner des Abends: Friedrich Bode aus Visselhövede. Bode ist bei der NPD aufgetreten und Autor bei „Volk in Bewegung – Der Reichsbote“, Jahrgang 2020. Vorher schrieb der Pastor im Ruhestand der Bremischen Evangelischen Kirche für „Stimme des Reiches“. Diese Pamphlete gehören zur Holocaustleugner-Szene um Ursula Haverbeck und sind immer wieder Gegenstand von Ermittlungsverfahren der Verdener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

Nächste Demo geplant

Früher einmal war Bode Mitbegründer der Partei Die Grünen und Brokdorf-Gegner. 2016 tauchte sein Name im Mailverteiler von Holocaustleugner Horst Mahler auf. 2018 gab er „Nordland-TV“ des niedersächsischen NPD-Vorsitzenden Manfred Dammann ein umfangreiches Interview, zuvor ließ er sich von dessen Partei einladen. In Rotenburg spricht Bode im Dunkeln. Der rechte Demonstrationszug ist wieder am Pferdemarkt angelangt. Er ruft: „Eines Tages werden wir durch die Straßen ziehen, dann singen wir klassische Lieder. Dann werden unsere Herzen wach, das ist unsere Freiheit, das ist Kultur und die will man zerstören. Das kommt überhaupt nicht in Frage!“ Buh-Rufe aus der aufgebrachten Menge sind zu hören. Der ehemalige Pastor bringt die Querdenker noch einmal in Stimmung. Am 6.12. soll es dann mit Corona-Leugnung und Verschwörungsmythen weitergehen.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen