„Die Rechte“-Chef sucht die Öffentlichkeit

Von Horst Freires
13.03.2017 -

Christian Worch, Chef der 2012 gegründeten neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ hat für den 18. März eine Demonstration in Leipzig angemeldet. Am 26. März bewirbt er sich als einer von fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der 3300-Seelen-Gemeinde Au am Rhein (Kreis Rastatt).

Der Neonazi Christian Worch will wieder in Leipzig demonstrieren; Photo (Archiv): J.F.

Fünf Jahre vor der Altersgrenze hat der 60-jährige Worch Anfang des Monats seinen Hut in den Ring geworfen und angekündigt, dass er sich am Mittwoch bei der öffentlichen Kandidatenvorstellung in dem kleinen badischen Ort Au am Rhein persönlich präsentieren möchte. Sein Vorteil als Kandidat: Anders als in Kommunen mit großer Einwohnerzahl benötigt er keine Unterstützerunterschriften. Hunderte Kilometer entfernt von seinem Heimatort Parchim in Mecklenburg-Vorpommern sorgt der bekannte Neonazi, für gesteigertes mediales Interesse, nachdem es um ihn zuletzt doch über einen längeren Zeitraum verhältnismäßig ruhig war.

Einer der ersten Gesinnungsfreunde, der Worchs Wahlantritt begrüßt, ist Axel Heinzmann, der in der Vergangenheit selbst immer wieder auf eigene Faust versucht hat, bei anstehenden Bürgermeisterwahlen auf dem Kandidatenzettel zu stehen, aber stets kläglich scheiterte. Der baden-württembergische „Die Rechte“-Landesverband zählt laut Verfassungsschutz weniger als 100 Mitglieder. Unterdessen hat es in der Vorwoche eine erste Flugblattverteilaktion der Neonazi-Partei in Au am Rhein gegeben.

Noch kleiner als der Landesverband in Baden-Württemberg ist der sächsische Landesverband unter Vorsitz von Alexander Kurth. Dem liegen derzeit aber augenscheinlich überparteiliche und organisationsübergreifende Aktionen der von ihm maßgeblich gesteuerten rechtsextremen „Thügida“-Bewegung mehr am Herzen. Trotzdem wagen Worch & Co. für den kommenden Samstag die als Provokation zu verstehende Anmeldung einer Demonstration im Süden der Stadt Leipzig, ausgerechnet dort, wo die linksalternative Szene zu Hause ist und viele Projekte und Treffpunkte betreibt. Die Ordnungsbehörde hat aus Gründen der Gefahrenabwehr und allgemeinen Sicherheit zwar eine Änderung der Demonstrationsroute verfügt. Beobachter rechnen allerdings damit, dass Worch kurzfristig noch verwaltungsrechtlich dagegen vorgehen wird.

Eroberung der „Frontstadt“ Leipzig

Für den Auftritt in Leipzig unter dem eher hausbacken als radikal klingenden Motto „Heimat erhalten – Familien fördern – Zukunft gestalten“ wird augenscheinlich bundesweit mobilisiert. Das zeigt gerade auch ein Blick auf die Rednerliste, auf der sich bisher die Namen von drei „Die Rechte“-Landesvorsitzenden wiederfinden: Holger Niemann (Niedersachsen), Philipp Hasselbach (Bayern) und Sascha Krolzig (Nordrhein-Westfalen). Letzterer ist gerade in diesen Tagen mit dem von ihm verantworteten neuen Neonazi-Magazin „N.S. Heute“ unterwegs.

Worch und Leipzig, das ist bereits geschichtsträchtig. 2001 und 2002 hatte der Neonazi es mit Aufzügen und dem Zielort Völkerschlachtdenkmal versucht, musste sein Vorhaben aber stets abbrechen. In den Folgejahren suchte Worch immer wieder Leipzig als seine „Schaubühne“ auf der Straße. Entschlossene Gegendemonstrationen und polizeiliches Einschreiten sowie zuletzt weniger als 50 eigene Teilnehmer im Juli 2007 stoppten dann aber die bis dahin insgesamt 17 Termine umfassende Leipziger Demo-Serie, über die Worch selbst stets von der Eroberung der „Frontstadt“ gesprochen hatte. Er hatte ursprünglich sogar bis zum Jahr 2014 Aufmärsche zum 1. Mai und 3. Oktober in der Stadt angemeldet, zog diese nach dem Juli-Desaster 2007 aber allesamt zurück.

Der letzte Versuch von Neonazis, im Leipziger Süden durch die Straßen zu ziehen, datiert von Dezember 2015. Gerade einmal 160 Teilnehmer wurden bei dem unter anderem von Silvio Rösler („Offensive für Deutschland“), „Thügida“ und „Die Rechte“ angemeldeten Event  gezählt, der nach weniger als 1000 Metern Demoroute angesichts linksautonomer Krawalle mit der Polizei in der Bedeutungslosigkeit versank. Für den bevorstehenden Samstag wird unter anderem vom DGB zu Protestaktionen aufgerufen.

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