Deutsch-schwedische Vernetzungen

Von Horst Freires
20.03.2017 -

Das rechtsextreme schwedische Medienprojekt „Motgift“ lädt von Freitag bis Sonntag an nicht näher bezeichnetem Ort nach Thüringen ein.

Das rechtsextreme schwedischer Medienprojekt „Motgift“ feiert in Thüringen sein fünfjähriges Bestehen; (Screenshot)

Vom 24. bis 26. März will „Motgift“ (Gegengift) aus Schweden sein fünfjähriges Bestehen nicht in heimischen Gefilden, sondern in Thüringen feiern. Der genaue Ort wird nicht öffentlich benannt. Eingeladen wird unter anderem zu einem kulturhistorischen Ausflug, aber auch zu einem Live-Konzert.

Die Anreise der Teilnehmer soll bis Freitag mit dem Flugzeug über Berlin erfolgen. Von einer Hotelunterkunft ist die Rede. Die Tickets werden für 300 Euro beworben. Unter dem „Motgift“-Dach gibt es ein Online-Radioprogramm, Web-TV, Podcast-Sendungen, Auftritte in sozialen Medien, einen Blog, einen Buchverlag und -vertrieb sowie diverse Merchandisingartikel. Anfangs liefen die Online-Radiobeiträge noch unter dem Namen „Radio Framat“.

Briefkastenfirma in Zehlendorf

In der Person von Dan Eriksson gibt es einen „Motgift“-Verbindungsmann, der bestens mit der deutschen Neonazi-Szene vernetzt ist. Der „Motgift“-Chefredakteur verbringt viel Zeit im Berliner Raum. Er steckt auch hinter der seit 2015 im Handelsregister gelisteten Firma „JoMaDa-Medien“, die inzwischen ihre dritte Adresse in der Hauptstadt aufweist und neuerdings ihre Briefkasten-Erreichbarkeit unter einer Anschrift im Berliner Stadtteil Zehlendorf aufführt. Vor dieser warnen Verbraucherschützer und Anwälte zum Teil, weil einige Unternehmen von dort aus zwielichtige Onlinegeschäfte betreiben würden.

Bereits seit 2007 taucht Eriksson bei neonazistischen Veranstaltungen in Deutschland auf. Als Redner trat er am 8. Mai 2012 bei der NPD in Königs Wusterhausen in Brandenburg auf und ging  vor einem Jahr bei einem flüchtlingsfeindlichen „Abendspaziergang“ in Oranienburg nördlich von Berlin ebenfalls ans Mikro. Er gehört zu den Gründern ist Vorsitzender der im Sommer 2015 in Berlin aus der Taufe gehobenen Stiftung „Europa Terra Nostra“ (ETN), die sich als Anhängsel der 2014 aufgestellten europäischen rechtsextremen Parteienallianz „Alliance for Peace and Freedom“ (APF) sieht. Unter anderem gehört auch die NPD der Stiftung ETN an. Aktueller ETN-Schatzmeister ist Rene Bethage aus Berlin.

Thüringer Liedermacher „Barny“ in Stockholm

Möglicherweise diente auch die von Eriksson mit Begrüßungsworten eröffnete Konferenz „Vision Europa“ am 23. März 2013 in Stockholm mit 200 Besuchern, internationalen Rednern, darunter Udo Voigt von der NPD,  als Blaupause für all die zuletzt erfolgten ETN- und APF-Zusammenkünfte. Musikalisch war seinerzeit in Stockholm unter anderem der Thüringer Liedermacher „Barny“ alias Mirko Szydlowski zugegen.

Ob nun der international besuchte und von ETN veranstaltete Freiheitliche Kongress im vergangenen Oktober in Wismar, die so genannten „Manhemsdagen“ im Mai 2016 in Stockholm oder jüngst die „Identitäre Ideen-Konferenz“ vom Arktos-Verlag am 25. Februar in Stockholm (bnr.de berichtete) – überall mischt auch „Motgift“ mit. Neben Eriksson ist dort vor allem Magnus Söderman einer der „Macher“, von dem sich im Internet auch ein Foto mit Hakenkreuz-Tattoo findet. Beide gehörten viele Jahre zu den Führungskräften bei der im Mai 2015 aufgelösten Neonazi-Kleinstpartei „Svenskarnas Parti“. Im November 2010 war eine Delegation der „Svenskarnas Parti“ zu Besuch bei der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag. 2014 berichtete Söderman für „Motgift“ vom Tag der Deutschen Einheit aus Berlin, im September 2015 weilte eine größere Reisegruppe des schwedischen Medienprojekts in der Spree-Metropole.

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