Der nette NPD-Mann von nebenan

Von Peter Nowak
10.09.2019 -

In einer hessischen Gemeinde ist jetzt ein NPD-Vertreter zum Ortsvorstand gewählt worden. Aber auch in früheren Jahren war die NPD in mehreren Kommunalparlamenten in Hessen durchaus nicht isoliert.

Die NPD hat in Hessen noch einige kommunale Hochburgen; (Screenshot)

„Soeben wurde ich einstimmig von den Vertretern des Ortsbeirates Altenstadt-Waldsiedlung zum Ortsvorsteher gewählt. … Aus dem Volk – für das Volk!“  So machte Stefan Jagsch am 5. September über Facebook eine Personalentscheidung bekannt, die bald parteiübergreifend für Empörung sorgte und wohl wieder rückgängig gemacht wird.

Schließlich ist Stefan Jagsch seit Jahren eine zentrale Figur in der hessischen NPD. Vor seinem Aufstieg zum stellvertretenden Landesvorsitzenden war der gelernte Automobilkaufmann Mitglied im Wetterauer Kreistag, Fraktionschef in der Gemeindevertretung von Altenstadt und Vorsitzender des Bezirksverbands Wetterau-Kinzig. In den hessischen Verfassungsschutzberichten 2013 und 2014 wird Jagsch namentlich genannt. Der NPDler war Teilnehmer von überregionalen Neonazi-Aufmärschen und Besucher von Rechtsrock-Konzerten.

2014 hatte er erfolgreich gegen seine Kündigung als Angestellter des Jobcenter Frankfurt-Höchst geklagt. Als einfacher Angestellter sei keine besondere Verfassungstreue nötig, lautete die Begründung. Im Wetteraukreis, in dem Jagsch politisch aktiv ist, gibt es noch immer einige NPD-Hochburgen. Bei hessischen Kommunalwahl vor drei Jahren landete die NPD in dem 21.000-Einwohner-Städtchen Büdingen bei 10,2 Prozent, in Altenstadt waren es 10 Prozent. 

CDU-Bürgermeister mit Unterstützung der NPD

Bei der verständlichen Empörung über die Wahl von Jagsch sollte daran erinnert werden, dass auch in anderen hessischen Gemeinden in der Vergangenheit die NPD durchaus nicht isoliert war. In Ehringhausen saßen für die NPD Alfred und Doris Zutt viele Jahre im dortigen Gemeinderat. Sie wählten in den 1990er Jahren den CDU-Kandidaten gemeinsam mit den Freien-Wählern zum Bürgermeister, dafür bekam Doris Zutt den Vorsitz im Umweltausschuss des Gemeinderats.

Während diese Kooperation mit der NPD wenig Beachtung fand, sorgte 1989 die Wahl des CDU- Bürgermeisters Hartmut Böhmer mit Stimmen der NPD in der hessischen Festspielstadt Bad Hersfeld bundesweit für Schlagzeilen. Er sei von hessischen CDU-Funktionären zu diesem schwarz-braunen Bündnis gedrängt worden, rechtfertigte dieser sich. Die CDU ließ ihn schließlich fallen, bei der Abstimmung blieben Böhmer nur die drei NPD-Stimmen.

Später wurde der aus der CDU ausgetretene Böhmer durch Direktwahl als Parteiloser erneut zum Bürgermeister gekürt. Böhmer hatte sich in seiner langen Amtszeit die NPD-Unterstützung durchaus erworben, wie das von Kathi Seewald und Timo Schadt herausgegebene Buch „Deutschlands Mitte – rechts daneben“ nachwies. So wollte Böhmer 1983 in einem generellen Zutrittsverbot für Sinti und Roma in Bad Hersfeld keine Diskriminierung sehen. Bei einem Treffen der ehemaligen Waffen-SS in Hersfeld im gleichen Jahr war er Ehrengast.  „Als Privatperson kann ich Ehrengast sein. Selbst wenn ihnen das nicht gefällt. Ich nehme mir auch in Zukunft die Freiheit, in meiner Freizeit zu tun und zu lassen, was ich will,“ erklärte Böhmer nach Protesten.