Der „Kulturkampf von rechts“ der Neuen Rechten

Von Armin Pfahl-Traughber
06.12.2021 -

Der Antaios-Verlag aus dem „Institut für Staatspolitik“-Komplex veröffentlichte drei neue Monographien, die zur „kaplaken“-Reihe gehören. Dabei handelt es sich eher um Essays, die „Feindschaft“, Anti-Weiss“ und „Riß“ thematisieren. An klaren Aussagen fehlt es häufig, gleichwohl sollen etwa „Eurozentrismus“ wie „Feindschaft“ jeweils Orientierungswerte sein.

Götz Kubtschek steht dem „Verlag Antaios“ vor, der jetzt drei neue Bände veröffentlicht hat. Foto: Thomas Witzgall

Dem Komplex um das „Institut für Staatspolitik“ lässt sich nicht nur das Publikationsorgan „Sezession“, sondern auch der „Verlag Antaios“ zurechnen. In ihm erscheinen kontinuierlich Bücher von Repräsentanten der Neuen Rechten oder ideologisch verwandten Richtungen. Dazu gehören auch Nachdrucke literarischer Werke, sofern sie in den Diskursrahmen des Instituts passen. Eine Besonderheit stellt die Schriftenreihe „kaplaken“ dar, wo mittlerweile über siebzig Bände erschienen sind.

Es handelt sich jeweils um gebundene Bücher mit einem Umfang von knapp unter 100 Seiten. Der Preis liegt aktuell bei 10 Euro. Damit hat das Institut ein Publikationsforum gefunden, worin in knapper Form einige Grundpositionen zum politischen Selbstverständnis vorgetragen werden können. In den letzten Jahren veröffentlichte man meist gleich drei Bände zusammen und bot sie als „Staffel“ für 25 Euro an. Die letzten Bände, die als „25. Staffel“ mit den Nummern 76, 77 und 78 herauskamen, sollen hier dargestellt und kommentiert werden.

Bejahung der Feindschaft gegen die „Droge des Moralismus“

Als „kaplaken“-Band 76 erschien „Feindschaft. Eine Klärung“ von Konstatin Fechter, der als Berater für Sicherheitsunternehmen arbeitet. Er deutet darin Feindschaft als eine der „anthropologischen Konstanten“, gebe es sie doch seit der Frühgeschichte der Menschheit. Indessen habe man nach 1945 explizite Feindvorstellungen aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Demgegenüber erinnert Fechter ausführlich an die Feindkonzeption von Carl Schmitt, der als zentraler Klassiker der Neuen Rechten anzusehen ist.

Feindschaft wurde von dem Staatsrechtler mit der zentralen politischen Unterscheidung verbunden, eben in Differenz zum Freund und damit als Identitätsmerkmal. Entlang dieser Argumentationslinie plädiert Fechter für Feindschaftsvorstellungen, wobei auch Ernst Jünger und Friedrich Nietzsche als Referenzquellen vorkommen. Erklärtermaßen gilt Feindschaft als zeitlos: „Weder der Aberglaube des Optimismus noch die Droge des Moralismus werden daran etwas ändern“. Liberale Demokratien täuschten sich mit idealisierten Gegenbildern.

Einforderung des „Eurozentrismus“ und „sehende Parteilichkeit“

Als „kaplaken“-Band 77 erschien „Antiweiss. Ein Kulturkampf“ von Sophie Lebnitz, angeblich eine habilitierte Kulturwissenschaftlerin, die aber unter Pseudonym schreibe. Die Autorin greift darin die Diskurse mit dem Stereotyp des rassistischen Weißen auf. Sie beklagt angesichts derartiger Auffassungen, dass es für die europäische Kultur kaum noch politische Verteidiger gebe. Deren Errungenschaften würden zunehmend aus dem Geschichtsbewusstsein gestrichen.

Als Erklärung dafür verweist Lebnitz darauf, dass es dafür vier Erkenntnishindernisse gebe: ein negatives Bild vom Christentum, die Einstellungen eines ausgeprägten Gnostizismus, eine dem Fremden gegenüber bestehende Vorliebe und die Neigung zu  Selbstbezichtigungen. Demgegenüber beschwört die Autorin „einen konsequenten Eurozentrismus“ und „eine ‚sehende Parteilichkeit‘“. Was genau als Gegenmodell gesehen werden soll, bleibt im Vagen. Die Autorin denkt dabei aber an ethnisch-kulturelle Kollektive und nicht an humanistisch-rationale Wertvorstellungen.

„Coronalüge“ als „Druckmittel der Widersachermächte“

Und als „kaplaken“-Band 78 erschien „Versuch über den Riß“ von Caroline Sommerfeld, eine promovierte Philosophin und Stammautorin von „Sezession“. Gemeint ist mit dem „Riß“ eine Spaltung, die auf die Gesellschaft bezogen ist. Die Autorin nennt außerdem noch den ontologischen und romantischen „Riß“. Indessen gibt es keine genaue Ausführung dazu, was als gesellschaftliches Phänomen genau gemeint sein soll. Sommerfeld spielt stattdessen ein Szenario durch, wonach es eine „Kriegsführung der Eliten gegen die westlichen Völker“ gebe.

Irgendwie, so meint sie später, sei dem auch so. Der Riß gilt als ein „präzedenzloses Symptom des geistigen Prinzips divide et impera“, denn die Aufgehetzten seien „Spielbälle der Eliten“. Genauere Belege und Erläuterungen fehlen. Dafür werden Denker der abendländischen Philosophie zitiert. Auffällig häufig kommt auch der Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner vor. Und dann ist von der „Coronalüge“ die Rede, das „allerdeutlichste Droh- und Druckmittel der Widersachermächte“.

Essays mit Inkonsequenzen und Unklarheiten

Bilanzierend fällt auf, dass die erwähnten Bände nur eingeschränkt Beiträge zur klaren Ideologiebildung für die Neue Rechte liefern. Bei Fechter kann man so etwas mit einer „Feindschaft“-Theorie am ehesten ausmachen, wenngleich er Carl Schmitts Vorstellungen nur in die heutige Zeit überträgt. Gleichwohl weisen die Ausführungen von ihm noch inhaltliche Konturen auf, die man bei Liebnitz und Sommerfeld allenfalls in diffuser Weise findet.

In „Antiweiss“ gibt es eine Auseinandersetzung, die kritisch auf absonderliche Antirassismus-Formen bezogen ist. Indessen leitet die Autorin aus ihren Einwänden einen „Eurozentrismus“ ab, der weder die einzige noch die logische Konsequenz wäre. Man kann mit einem universellen Menschenrechtsverständnis dazu ebenso kritisch Position beziehen. Der „Riß“ wird bei Sommerfeld beklagt wie eingefordert, ohne genauere Belege und Kriterien dafür zu liefern. Es sollte sich aber auch nur einen „Versuch“ handeln. Die den Bänden eigene Essayform erlaubt denn auch, Inkonsequenzen und Unklarheiten aneinander zu reihen.