Corona-Proteste: Hogesa will mitmischen

Von Michael Klarmann
26.11.2020 -

Einst waren die „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) eine bundesweite Bewegung und erzielten mediale Reichweite. Nun will diese Szene offenbar an die Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen andocken.

HoGeSa-Anhänger rufen zur Teilnahme an einer Demo in Düsseldorf auf, Foto: Michael Klarmann

Seit einigen Tagen kursieren in Chats der rechtsextremen Szene Grafikflyer, auf denen man unter dem Label HoGeSa dazu aufruft, am 6. Dezember in Düsseldorf vorstellig zu werden. An besagtem Tag kündigt „Querdenken“ eine „Giga-Demo“ in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt an, angeblich angemeldet für erwartete „20.002 Friedensaktivisten“. „Querdenken“ kündigt zudem über zehn Redner an, darunter auch Köpfe und Prominente der Bewegung. Dass HoGeSa auf einem eigenen Flyer indirekt zur Teilnahme aufruft, führte unterdessen dazu, dass sich „Querdenken 211“ distanziert und rechtliche Schritte ankündigt hat.

Im Jahr 2014 entstanden die „Hooligans gegen Salafisten“. Nach einigen kleineren Versammlungen in Nordrhein-Westfalen kam es im Herbst 2014 zu einem großen Aufmarsch in Köln mit bis zu 5.000 Hooligans, Rechtsextremisten, „Wutbürgern“ sowie Personen mit einer Nähe zum Biker- und Rocker-Milieu. Weil es zu Ausschreitungen kam, erzielte HoGeSa medial großes Aufsehen. Nach einigen weiteren Versammlungen und Streitereien zwischen den Protagonisten wurde es ruhig um das bundesweite Netzwerk. In Nordrhein-Westfalen entstand aus jenem Umfeld später die Mischszene aus Hooligans, Rechtsextremen, „Bürgerwehren“, „Bruderschaften“ und Rockern.

Der „Streichelzoo“ sei vorbei

Gerade in NRW gilt Dominik Roeseler aus Mönchengladbach als rechtsextremer Strippenzieher und Vernetzer in diesem Spektrum. Der frühere „pro NRW“-Funktionär war auch einer der Mitbegründer von HoGeSa. Selbst als andere Protagonisten von dem Label oder jenem der Nachfolgeorganisation „Gemeinsam stark Deutschland“ abließen, hielt Roeseler die HoGeSa-Flagge weiter hoch. Ende Oktober tauchte dann in Chats der Szene oder solchen von „Corona Rebellen“ ein Aufruf auf, den Roeseler und dessen Mitstreiter verbreiteten, wonach es nun ein „Corona-Update“ von HoGeSa gebe.

Demnach wollte man sich einer Demonstration der „Corona Rebellen“ am 31. Oktober in Düsseldorf anschließen. „Schluss mit AHA(-Regeln), ab jetzt gibt es wieder AHU!“, hieß es dazu, angelehnt an dem damaligen Schlachtruf der Szene. Mit Blick auf die Demonstrationen von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen hieß es weiter: „Hippies, Nudisten, Esotheriker [sic!]; Meditation, Klangschalen und Räucherstäbchen, das alles hat seine Berechtigung. Reicht aber nicht. Deswegen rufen wir alle Hooligans, Rocker, Kampf- und Kraftsportler auf, sich endlich anzuschließen.“ Der „Streichelzoo“ sei vorbei und „die Wand muss massiv sein“.

Protagonisten mischen sich unter Corona-Demos

Roeseler erschien an besagtem Tag auch in Düsseldorf, begleitet unter anderem von einer Abordnung der „Bruderschaft Deutschland“ und von Hooligans. Das große HoGeSa-Remake blieb jedoch aus. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Das Ordnungsamt kontrollierte penibel die Hygiene-Auflagen und verhängte Bußgeldbescheide. Zeitlich kam es deswegen zu erheblichen Verzögerungen. Ein Demonstrationszug fand nicht mehr statt. Frustriert verließen die rund 100 anwesenden Hooligans, Rocker, Rechtsextremisten und „Bruderschafter“ die Versammlung vorzeitig. Etwaige Ausschreitungen wie seinerzeit in Köln oder Wortgefechte und Gerangel mit Gegendemonstranten fielen für den erlebnisorientierten Roeseler-Anhang aus.

Zur Wiederbelebung des Mythos, dass Hooligans und Rechtsextreme sich ähnlich wie einst im Umfeld von „Querdenken“ mit der Polizei anlegen, sorgten in der Szene die Ausschreitungen am 7. November in Leipzig. Auch die Proteste am 18. November in Berlin gegen die Verabschiedung des neuen Infektionsschutzgesetzes befeuerten den Mythos weiter. Während Roeseler in Leipzig war, nahm der Sänger der aufgelösten, rechtsextremen Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC), Hannes Ostendorf, in Berlin an den Protesten teil. KC hatten schon 2014 den HoGeSa-Soundtrack geschrieben. Ostendorf hatte in Kooperation mit anderen Musikern aus der rechtsextremen Szene im April einen Protestsong in Sachen Corona veröffentlicht.

Eigene Demo oder "Querdenken" anschließen?

Seit Tagen kursieren nun zwei Grafikflyer in der rechtsextremen Szene zwecks Neuauflage von HoGeSa im Schatten der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. „Hooligans, Patrioten, Rocker“ werden aufgerufen, nach Düsseldorf zu kommen. Weitere Infos würden noch folgen, zugleich wurde in einem Flyer angedeutet, dass man sich „Querdenken“ anschließen werde. Ein zweiter Aufruf, verbreitet nach der Distanzierung von „Querdenken“, enthält diesen Hinweis nicht mehr. Beide Einladungen werden auch über Kanäle von KC oder Ostendorf verbreitet, erhalten so eine offizielle Weihe, anders als etwa die Aufrufe für den 31. Oktober von Roeseler und dessen Umfeld.

Bislang ist nicht klar, ob sich die angesprochene „Mischszene“ Anfang Dezember in Düsseldorf wirklich „Querdenken“ anschließen will oder eine eigene Demonstration plant. Ostendorf hatte vor einigen Tagen schon in einem Interview mit dem Medienaktivisten und „Volkslehrer“ aus der rechtsextremen Szene, Nikolai Nerling, angekündigt, dass er am 6. Dezember in Düsseldorf sein werde. Daraufhin machten Gerüchte die Runde, er oder KC würden dort auftreten, zumal der unterdessen als Solist „Hannes“ firmierende Sänger kürzlich erst einen „Widerstand“-Song angesichts der Corona-Proteste veröffentlichte.

Zugleich teilten KC via Telegram-Kanal mit, Ostendorf werde in der NRW-Landeshauptstadt als Nikolaus aktiv sein. Auf einer Facebook-Seite, die einem früherem Mitarbeiter von KC zugerechnet wird, erschien am 23. November zudem ein Posting, das ebenso nach Düsseldorf mobilisiert. Auch hier heißt es, Hannes Ostendorf und besagter Mitarbeiter, Patrick „Keule“ G. aus dem Kreis Düren, seien „mit Anhang dabei und werden vor Ort den Nikolaus spielen“. Kinder sollte man indes an dem Tag besser zu Hause lassen. Nachdem „Rentner und Frauen“ von Polizisten und Antifaschisten bei „Querdenken“-Demonstrationen „Schläge“ abbekommen hätten, sei es an der Zeit, in Düsseldorf wieder robuster aufzutreten.