Burgos von Buchonia und Mitstreiter vor Gericht

Von Michael Klarmann
02.01.2022 -

Am Freitag beginnt am Landgericht Mannheim ein Prozess gegen vier Angeklagte, gegen die einst wegen Terrorverdachts ermittelt wurde. Angeklagt ist auch der als „Druide“ auftretende Rechtsextremist, Antisemit und Islamhasser Karl Burghard B. alias „Burgos von Buchonia“.

Karl Burghard B., selbsternannter Druide, soll auch auf sozialen Netzwerken hetzerische Inhalte verbreitet haben, Foto: Screenshot

Anfang 2017 war es in sechs Bundesländern zu einer Razzia wegen des Verdachts auf terroristische Aktivitäten gekommen. Unter den sieben Hauptverdächtigen war die zentrale Figur ein Mann aus Baden-Württemberg, der sich als „Druide“ bezeichnet und der Szene rechtsesoterischer, antisemitischer Verschwörungsideologen angehört.

Seinerzeit lebte Karl Burghard B. zeitweise auch im brandenburgischen Rietz-Neuendorf. Die Gruppe stand im Verdacht, Anschläge auf Juden, Asylbewerber und Polizisten geplant zu haben. Ungeachtet der Aufrufe in sozialen Medien zu Gewalt und zum Mord hieß es später dann, dass die Männer zwar Waffen und Munition gehortet hätten, allerdings angeblich nur zur Verteidigung einer autarken ländlichen Wohngemeinschaft im Falle von innerstaatlichen Unruhen.

Burgos von Buchonia

Die Anklage thematisiert in dem am Freitag beginnenden Prozess daher auch überwiegend den Besitz von Waffen und Munition oder deren Weitergabe. Der Reichsbürger Karl Burghard B. muss sich ferner verantworten wegen Postings in den sozialen Medien. Als selbsternannter Druide namens „Burgos von Buchonia“ hatte B. bundesweit Schlagzeilen wegen seines Erscheinungsbilds gemacht.

Zwar bewegte sich B. seinerzeit in der Neonazi-, NPD-, Holocaust-Leugner- und Antisemiten-Szene und besuchte auch einen Prozess gegen die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Angesichts einer rechtsesoterischen Querfront, der „Mahnwachen-“ und „Friedensbewegung“ hatte er sich zuvor aber auch in der Nähe von politischen Aktivisten bewegt, die Schnittmengen zur linksalternative Szene hatten.

Von der Querfront in den Rechtsextremismus

„Burgos von Buchonia“ nahm etwa 2016 an Protesten gegen das Bilderberger-Treffen in Dresden teil. Selbsternannte Friedensaktivisten hatten dabei die Proteste abgehalten. Der „Druide“ hatte sich 2012 auch im Umfeld von linksalternativen Tierschützern bewegt und etwa an einer kleinen Aktion von Aktivisten im Kreis Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) teilgenommen. Durch sein skurriles und hippieskes Äußere schöpfte seinerzeit niemand Verdacht, in welche politische Kreise „Burgos von Buchonia“ alsbald abdriften sollte.

Die vier nun Angeklagten B. (Jhrg. 1950), Thiemo B. (Jhrg. 1965, Raum Karlsruhe),  Klaus D. (Jhrg. 1956, Raum Bad Kreuznach) und Frank E. (Jhrg. 1964, Raum Heidelberg) sollen laut Anklage von 2015 bis 2017 eine „staatskritische Einstellung“ verbunden haben. Sie seien überzeugt gewesen, sich zum Selbstschutz gegen den drohenden Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bewaffnen zu müssen. Ihre Rhetorik in den sozialen Netzwerken indes wirkte wie der Aufruf zum bewaffneten Umsturz – und weniger wie eine Gemeinschaft von „Preppern“, die sich nur verteidigen will.

Waffenbau und das Horten von Munition

Die Anklage wirft den Männern unterschiedliche Taten vor. Der handwerklich begabte Frank E. soll Waffen respektive Waffenteile hergestellt und diese an Karl B. weitergeben haben. Klaus D. hingegen soll als Sportschütze die Erlaubnis zum Erwerb von Munition gehabt haben. Er soll zwischen Sommer 2016 und Januar 2017 in mehreren Fällen jeweils eine drei- bis vierstellige Zahl von Patronen legal erworben und an den „Druiden“ weitergegeben haben. Dieser, Karl B., soll hingegen Waffen, Waffenteile und Munition zum Teil in seiner damals im Rhein-Neckar-Kreis gelegenen Wohnung und den Wohnungen zweier Freundinnen aufbewahrt oder an andere Personen abgegeben haben.

Frank E. soll am Tag der Razzia seines im Rhein-Neckar-Kreis gelegenen Anwesens eine große Menge an Munition, mehrere selbst hergestellte Waffen und Waffenteile – unter anderem Schusswaffen, einen Flammenwerfer sowie mehrere selbstgebaute „Slam Guns“ – und Schwarzpulver aufbewahrt haben.

Bewaffnung nur aus Notwehr gegen den Staat?

Thiemo B. hingegen soll bei seiner Festnahme im Januar 2017 in seinem PKW griffbereit eine geladene halbautomatische Pistole, einen mit Signalgeschossen geladenen Signalgeber sowie einen Schlagring aufbewahrt haben. In seinem im Rhein-Neckar-Kreis gelegenen Anwesen soll er zum Zeitpunkt der Razzia Anfang 2017 mehrere im Eigenbau gefertigte sowie teilweise mit Munition geladene „Slam-Guns“ und einen Schießkugelschreiber, explosive Stoffe und Patronen unterschiedlichen Kalibers aufbewahrt haben. Von seinen Mitstreitern soll wiederum Karl B. 2016 Munition angenommen, diese zum Teil behalten oder an andere Mistreiter weitergegeben respektive an Unbekannte verkauft haben.

Im zeitlichen Umfeld der Razzia stand laut Anklage zudem ein Deal aus, bei dem B. zwei verdeckten Ermittlern 1.000 Patronen des Kalibers 9 mm Luger verkaufen wollte. Zwischen Dezember 2015 und Januar 2016 soll der Angeklagte Karl B. zudem „Slam-Guns“, die bei Thiemo B. sichergestellt wurden, mit diesem zusammen gebaut haben. Neben weiteren Vorwürfen in Sachen Waffen- und Munitionsbesitz werden dem „Druiden“ auch unterschiedliche Äußerungen in sozialen Netzwerken zwischen Dezember 2015 und April 2016 vorgeworfen. Laut Anklage habe er dabei den Holocaust geleugnet, zum Mord an Juden aufgerufen und gegen Flüchtlinge gehetzt.

Immer wieder Aufrufe zu Taten statt Worten

„Burgos von Buchonia“ war 2019 erneut in die Schlagzeilen geraten, nachdem er Gewaltaufrufe publiziert und den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke begrüßt haben soll. Medienberichten zufolge hatte er seinerzeit in dem Kontext zu Angriffen auf Kommunalpolitiker, deren Familien sowie Journalisten aufgerufen. Am 15. September 2019 wies dann ein offenbar nicht mit angeklagter Mitstreiter B.s im russischen Netzwerk VK.com darauf hin, dass die „Bullerei“ B.s Zugang zu dessen Profil gesperrt hätten. Im neu angelegten Profil „Druide Burgos“ teilte mutmaßlich B. am 1. Juni 2021 mit: „Stelle Dir mal vor, ab sofort würden alle Juden, Christen und Moslems in allen Parteien und Ämtern versterben. Die Menschen könnten frei atmen und noch freier leben.“ Am 1. Juni 2021 war auf diesem Profil zu lesen, Juden, Muslime und Christen seien in Wahrheit „Satanisten“.

Bisher sind für den Prozess in Mannheim zehn Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil wird im April 2022 erwartet. Der Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung konnte durch die Ermittler hingegen nicht belegt werden. Das NDR-Magazin „Panorama“ berichtete im Januar 2017, die Gruppe sei seinerzeit laut Ermittlern auf zwölf bis 18 Personen geschätzt worden. Der Braunschweiger Markus J. sagte dem TV-Magazin, eigentlich seien die Leute aus der Gruppe aber „friedliche Menschen“ und man habe bei einem Treffen in Mannheim Mitte 2016 nur über „Pepper“-Themen gesprochen. Terrorpläne bestritt der nun nicht mit angeklagte Braunschweiger, der seinerzeit regelmäßig rechtsextreme Versammlungen besuchte.

Der zuerst unbekannte Stellvertreter

Gleichwohl kam es im Zuge der Ermittlungen an anderer Stelle zu einer Panne. Der NDR berichtete im August 2017, laut der Ermittlungsakte sei auch nach einem Stellvertreter des „Druiden“ gefahndet worden, den die Ermittler jedoch nicht identifizieren konnten. Laut NDR handelte es sich dabei um Curd S. alias „Curd Ben Nemsi“, ein seinerzeit in Nordrhein-Westfalen hinlänglich bekannter rechter Aktivist aus Brühl bei Köln.

S. trat regelmäßig bei Pegida-Versammlungen als Redner auf und war noch bis 2021 in den sozialen Netzwerken aktiv, wo er weiterhin verschwörungsideologische Inhalte verbreitete. S. gab seinerzeit zwar zu, B. zu kennen und sich mit diesem „über das Internet ausgetauscht“ zu haben. Von terroristischen Aktivitäten wisse er aber nichts, so S. im August 2017.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen