Buchmesse als Öffentlichkeitsbühne

Von Horst Freires
28.09.2017 -

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse lockt auch rechte und rechtsextreme Verlage an.

Rechtslastiges Gedankengut auf der Frankfurter Buchmesse; Photo (Symbol): Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Traditionell heißt Herbst jedes Jahr auch Frankfurter Buchmesse. Sie startet am 11. Oktober und ist natürlich auch für Verlage aus dem rechten Spektrum interessant. Ein Blick ins Ausstellerverzeichnis gibt Aufschluss, wer sich angemeldet hat.

Bereits im Vorwege hat es Aufregung gegeben, weil die europaweit aufgestellte rechtsextreme und mit maßgeblicher NPD-Beteiligung agierende Stiftung „Europa Terra Nostra“ (ETN) angekündigt hat, nicht nur zwei ihrer Buchveröffentlichungen präsentieren zu wollen, sondern begleitend auch schillernde langjährige Führungskräfte aus dem rechtsextremen  Lager wie den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt, den früheren Vorsitzenden der „British National Party“ Nick Griffin sowie Roberto Fiore, dem Chef der italienischen Splitterpartei „Forza Nuova“, der auch Vorsitzender des rechten europäischen Parteienverbundes „Alliance for Peace and Freedom“ (APF) im Rahmen der Messe auftreten zu lassen.

Empfang für „Defend Europe“ geplant?

Die Messeleitung widersprach bereits letzterem Vorhaben, betonte allerdings, dass man besagten Rechtsaußen-Politikern nicht generell den Zutritt verbieten könne. Die Messe als Öffentlichkeitsbühne nutzen will mit Sicherheit auch der der Neuen Rechten zuzuordnende Verlag Antaios von Götz Kubitschek, der selbst die Nähe zur „Identitären Bewegung,“ die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, nicht scheut. So passt es auch ins Bild, dass aus dem Kubitschek-Umfeld offenbar geplant wird, Teilnehmern der gescheiterten Mittelmeer-Aktion „Defend Europe“, die Flüchtlingsboote aufhalten wollten, einen Empfang zu bereiten.

Dauergast der vergangenen Jahre in Frankfurt ist die „Junge Freiheit“, Wochenzeitung und Verlag am rechten politischen Rand. Auch das gerade neu eingeführte, zweimonatlich erscheinende „Cato-Magazin“ aus dem CATO-Verlag, „eine Art Ableger“ der JF („Süddeutsche Zeitung“), will sich auf der Messe vorstellen.

Landt-Verlag-Autor Alexander Gauland

Die zwischen erzkonservativ und ultranational-populistisch changierende Manuscriptum Verlagsbuchhandlung und die ihr angeschlossenen Verlage Manuscriptum, Edition Sonderwege und Landt-Verlag wittern mit dem Aufwind der AfD Morgenluft für ihre Inhalte. Unter dem Verlagsdach publiziert beispielsweise der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland.

Auch der in Graz beheimatete Leopold Stocker-Verlag aus dem österreichischen Graz findet sich unter den Ausstellern. Dort gibt es Titel zu Landwirtschaft, Jagd, Kochen, Handarbeit und Wandern, allerdings auch eindeutig rechtslastige Publikationen.

Die Verantwortlichen der Buchmesse wollen wie bereits im Vorjahr mit der Einladung an die seit Jahren gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagierte Amadeu-Antonio-Stiftung ein bewusstes Gegensignal setzen. Die Stiftung darf sich in unmittelbarer Nähe zum neurechten Antaios-Verlag aufbauen.

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