Bremer „Frauenmarsch“ im Abseits

Von Andrea Röpke
11.04.2018 -

Lediglich 30 Personen fanden sich zum 3. „BremerFrauenmarsch“ ein – umringt von rund 220 Gegendemonstranten.

Klägliches Trüppchen beim 3. „BremerFrauenmarsch“, Anmelderin de Buer (m.); Photo:

Nicht mal ein Drittel der wenigen Teilnehmer des 3. „BremerFrauenmarsches“ war weiblich. Unter dem Motto „Kandel ist überall“ versammelten sich am frühen Dienstagabend rund 30 Teilnehmer/innen auf dem Marktplatz der Hansestadt, darunter der Bürgerschaftsabgeordnete der AfD, Alexander Tassis. Begonnen hatte die Anmelderin Sibyll Constance de Buer mit acht Anhängern.

„Merkel muss weg“ oder „Merkel schürt Krieg und fördert Kapitalismus“ sowie „Meinungsfreiheit“ stand auf selbst gemachten Schildern. Das Grüppchen stellte sich im Kreis auf und sang begeistert wippend die Deutschland-Hymne, ansonsten wurden auf der Kundgebung der Rechten keine Aktivitäten entfaltet. Tassis' Megaphon blieb ungenutzt, allein der Gesang ging schon im lauten Protest der rund 220 Gegendemonstranten unter, die sich in unmittelbarer Nähe ringsherum aufgestellt hatten. Die Polizei schirmte den „FrauenMarsch“, der sich nicht von der Stelle bewegte, ab und beförderte die kleine Gruppe anschließend zu Taxen, die zur Abfahrt bereitstanden.

Minderheit innerhalb der AfD

Viel Zuspruch erfahren de Buer und Tassis indes aus den eigenen Reihen nicht. Der umtriebige Lokalpolitiker scheint weder vom AfD-Landesvorsitzenden, dem Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz, noch von der „Jungen Alternative“ (JA) oder der „Identitären Bewegung“ Bremen unterstützt zu werden. Das mag vor allem daran liegen, dass beide Veranstalter zu einer Minderheit innerhalb der „Alternative für Deutschland“ zählen, über die sich offiziell in der Partei gern ausgeschwiegen wird. De Buer hieß früher Gernot-Peter und stammt aus Winterbach im Saarland. Der Kampf um die förmliche Anerkennung als Transgender-Person brachte sie in die Öffentlichkeit, schreibt AfD-Watch Bremen. Die Behörden verweigern ihr demnach die Anerkennung als Frau. Alexander Tassis verbannt seine Homosexualität – anders als Fraktionschefin Weidel und andere Parteikolleginnen und -kollegen – nicht ins Private, sondern betreibt unter anderem eine Homepage namens „Alternative Homosexuelle“. Damit eckt er in seiner Partei an.

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch machte sich Medienberichten zufolge über Transsexuelle lustig, bezeichnete Bemühungen um Gleichberechtigung in der Vergangenheit als „plemplem“.  Das Internetportal „Queer.de“ zitiert, sie habe die LGBT*-Bewegung an sich als „Dummquatsch“ bezeichnet. Die Anerkennung von Regenbogenfamilien wird von großen Teilen der AfD abgelehnt. Im Wahlprogramm fordert die AfD, am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festzuhalten. In Bremen gab es nicht mal Likes vonseiten der Parteihardliner für den „Frauenmarsch“.

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