Braunes Event auf dem Nahtz-Hof

Von Katrin Katjuscha/Theo Schneider
26.06.2017 -

Neonazis aus Norddeutschland pilgern zur „Sonnenwendfeier“ mit anschließendem Rechtsrock-Konzert in Eschede.

 

Ordner von den JN Braunschweig am Samstag in Eschede; Photo: Th.S.

Am Samstag veranstalteten Neonazis aus Niedersachsen erneut eine traditionelle „Sonnenwendfeier“ mit Kinderfest und anschließendem Rechtsrock-Konzert in Eschede. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „25 Jahre Widerstand im Heide(n)land“ und wurde organisations- und parteiübergreifend beworben. (bnr.de berichtete)

Auf einem Flyer im Internet wurden die Bands „Gassenraudi“ (um Sören Högel, dem früheren Chef der Braunschweiger Kameradschaft „Burschenschaft Thormania“), „Flak“ (aus dem Rheinland um Philipp Neumann), sowie Liedermacher „Barny“ (Mirko Szydlowski) und „Rommel“ angekündigt. Dennoch sprachen die Organisatoren von einer „privaten Veranstaltung“.

Private Veranstaltung öffentlich beworben

„Die Nazis bezeichnen ihr Konzert zwar als eine private Veranstaltung, bewerben es aber öffentlich im Internet. Wenn die örtlichen Behörden und der Landkreis ernsthaft etwas gegen die Nazitreffen machen wollten, hätten sie doch spätestens jetzt die Möglichkeit gehabt, indem sie dieses Treffen als ein öffentliches betrachtet hätten, was es unserer Meinung auch war, und mal die Veranstaltung auf Verstöße kontrollieren können“, erklärt Kirsten Dieckmann vom Celler Forum gegen Rechts. So wie bei einem Rechtsrock-Konzert auf dem Nahtz-Hof vor sieben Jahren, als die
angebliche „private Verlobungsfeier“ von Nazikader Marcus Winter von den Behörden damals zu Recht als öffentliches Konzert eingestuft wurde. Die dadurch ermöglichten Vorkontrollen brachten Verstöße gegen das Waffengesetz und Ermittlungsverfahren wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ins Rollen.

Trotz der Mobilisierung zu der Veranstaltung seitens von NPD,  den Neonazi-Parteien „Der III. Weg“ und „Die Rechte“ sowie den „Düütschen Deerns“ und dem „Gefangenenhilfe Freundeskreis“ blieb die Resonanz in diesem Jahr überschaubar. Die überwiegende Mehrheit der Besucher/innen kam aus Niedersachsen und den angrenzenden Bundesländern, darunter der Vorsitzende der NPD-Hamburg, Lennart Schwarzbach. Später erschien auch eine kleine Gruppe „Autonomer Nationalisten“ vom „Kollektiv Nordharz“, die zuvor erfolglos versucht hatte, im niedersächsischen Nienburg eine Antifa-Demo zu stören. Bis zum Abend waren nach Polizeiangaben bereits rund 100 extrem Rechte zur Sonnenwendfeier eingetroffen.

JN Braunschweig provozieren Gegendemonstranten

Ordnerfunktionen übernahmen bei der Veranstaltung unter anderem die Jungen Nationaldemokraten Braunschweig um Sebastian Weigler, der mit drei weiteren Anhängern am Nachmittag versuchte, Teilnehmer/innen der Gegendemonstration abzufotografieren und zu provozieren. Diese hatten sich an der Zufahrt zum Hof mit zahlreichen Transparenten positioniert und empfingen die anreisenden Besucher/innen des Nazitreffens mit Pfiffen und Parolen. Zuvor fand eine Demonstration vom Bahnhof bis in die Nähe des abgelegen Gehöfts statt. Sie konnte ebenfalls knapp 100 Menschen mobilisieren, gefordert wurde dabei unter anderem auf einem Banner: „Weg mit dem Nahtzischeiß“.

Der abgeschiedene Hof des NPD-Anhängers Joachim Nahtz ist seit Jahren regelmäßiger Anlaufpunkt und Veranstaltungsort für die Neonazi-Szene, immer wieder kommt es hier zu rechten Treffen, Konzerten und Sonnenwendfeiern. (bnr.de berichtete) Der 81-jährige Rentner selbst hat seit langen Jahren Kontakt zur rechtsextremen Szene, er kandidierte mehrfach für die NPD. In einem Video schwärmt er davon, das verbotene Neonazi-Gruppen wie „Wiking Jugend“ und „Heimattreue Deutsche Jugend“ ihre Lager auf dem Hof durchgeführt hätten. 2012 kam es zu einer Razzia auf Nahtz-Anwesen  wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz. (bnr.de berichtete)

In einem Redebeitrag forderten die Nazigegner am Samstag, „den maroden Hof abzureißen und dort schöne Grünflächen anzulegen“, um dem nun bereits jahrzehntelangen braunen Treiben in Eschede endlich ein Ende zu setzen.

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