Brauner Treffpunkt mit Anziehungskraft

Von Horst Freires
29.03.2017 -

Der Neonazi Tommy Frenck kündigt zum zweijährigen Bestehen seines Gasthofs „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra für Samstag erneut einen Tattoo-Aktionstag an.

Regelmäßiges Programm für die braune Kundschaft im Gasthof „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra; (Screenshot)

Die winzige Gemeinde Kloster Veßra im Landkreis Hildburghausen zählt gerade einmal rund 330 Einwohner. Der Ort ist in der rechten Szene jedoch in aller Munde, und dafür ist der Neonazi Tommy Frenck verantwortlich. Dieser ist dort Betreiber des Gasthofs „Goldener Löwe“, der seit nunmehr zwei Jahren Treffpunkt diverser Aktivitäten der braunen Szene ist und weit über Südthüringen hinaus überregionale Strahlkraft entwickelt hat.

Für den 1. April kündigt Frenck zum zweiten Mal in seinen Räumlichkeiten einen Tattoo-Aktionstag mit einem befreundeten Tätowierer aus Suhl an und vermeldet zugleich „2 Jahre Goldener Löwe“. Er hatte den Gasthof im Dezember 2014 für 80 000 Euro erworben und musste bis zur Eröffnung zunächst einige Monate renovieren. Das Lokal ist seitdem Anlaufpunkt für Events des 30-Jährigen, der auch für das NPD-nahe „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ ein Kreistagsmandat bekleidet. Ob nun Konzerte, Vorträge, Wettbewerbe, Spieleabende, Motto-Partys oder andere Angebote: Der selbstverliebte gelernte Koch bietet regelmäßig Programm für die braune Klientel.

Thorsten Heise zu Gast am Freitag

Als einen der ersten musikalischen Gäste begrüßte Tommy Frenck 2015 den Sänger Michael Regener zu einem Liederabend, der Kopf der ehemaligen verbotenen Band „Landser“ aus Berlin war und sich „Lunikoff“ nennt. In der Folge zeigten sich bei Frenck viele Rechtsrock-Größen, aber auch etliche Neonazis mit Bekanntheitsgrad. Der Geschichtsrevisionist und frühere NPD-Chef Günter Deckert war beispielsweise darunter, ebenso die umtriebige Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel. Für diesen Freitag hat sich der Thüringer NPD-Landeschef Thorsten Heise angekündigt, jüngst in Saarbrücken beim Bundesparteitag gewählter Bundes-Vize der NPD und wie Frenck geschäftlich Versandhändler für die rechte Szene.

Wer dann den Weg in das Gasthaus findet, der sieht dort das langjährige rechtsextreme Pamphlet „Unabhängige Nachrichten“ aus Oberhausen, das von Helmut Dieterle verantwortet wird, ausliegen. Zudem provozierte der Hausherr Frenck bereits einmal mit einem Schnitzel, das er mit dem symbolischen Preis von 8,88 Euro an seine Kundschaft gebracht hat, wohl wissend, dass die Zahlenkombination „88“ szenebekannt einen Hitlergruß vermitteln soll. Spirituosen mit etikettierten Wehrmachtserinnerungen wie der aktuell beworbene 1942 gefallene Jagdflieger Hans-Joachim Marseille gehören zum Getränkeangebot, ebenso andere Panzeroffiziere aus dem Dritten Reich. All das kann aber auch bei Frencks Online-Handel geordert werden. Ebenfalls bei Frenck erhältlich ist Wein mit dem Werbeslogan „Der Leibstandarte liebster Tropfen“.

„Politische Kundgebung“ mit sechs Bands und Rednern

Mit der Ordnungsbehörde gibt es Absprachen und Auflagen, die Frenck penibel einhält. Veranstaltungen werden polizeilich begleitet. Ab und an erfolgen Kfz-Kontrollen, doch in den Einsatzberichten gibt es kaum registrierte Beanstandungen. Damit nicht so viele Autos der anreisenden Gäste das Dorf wild zuparken, stellt der dem Gasthaus gegenüberliegende Autohändler sogar seinen Firmenparkplatz zur Verfügung.

Und auch Patrick Schröder schaut immer mal wieder bei Frenck vorbei. Der NPD-Mann aus der Oberpfalz betätigt sich ebenfalls als Versandhändler und verdient mit dem Modelabel „Ansgar Aryan“ sein Geld. Das Duo veranstaltet die Rechtsrock-Open Air-Reihe „Rock für Identität“. Im Vorjahr pilgerten 3500 Neonazis zu dem Musik-Event nach Hildburghausen. Geht in Kloster Veßra bei Veranstaltungen alles vergleichsweise gesittet zu, wurde Hildburghausen im vergangenen Jahr in einen regelrechten Belagerungszustand versetzt. Gewaltige Müllberge als Hinterlassenschaft und jede Menge Beschwerden aus der Bevölkerung waren die Folge. Auch für dieses Jahr wird eine Neuauflage des Festivals unter dem Duktus „Politische Kundgebung“ mit sechs Bands und etlichen Rednern bereits beworben: Am 29. Juli soll sie steigen. Da es offenbar noch kein endgültiges behördliches grünes Licht betreffend Hildburghausen gibt, wird als Ort dafür bisher lediglich Thüringen lokalisiert.

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