Brauner Spuk mit Alkoholverbot

Von Susanne Müller
07.04.2017 -

Köln – Am Ostersamstag soll unter dem Motto „Linker Intoleranz entgegentreten“ ein Neonazi-Aufmarsch am Südbahnhof in Köln stattfinden.

Neonazi Fartas (m.) bei der Kölner Demonstration im Januar; Photo: S.M.

Am 14. Januar hatte der Köln-Zollstocker Neonazi Jan Fartas gemeinsam mit dem langjährigen Kölner Paul Breuer – ehemals „Kampfbund deutscher Sozialisten“ sowie der „Kameradschaft Walter Spangenberg“ – eine braune Kundgebung in Köln durchgeführt. Anfangs waren es 110 Personen, beim teils militärisch anmutenden Marsch war die Teilnehmerzahl jedoch rasch auf die Hälfte zusammengeschmolzen, da einige von ihnen Kneipen aufsuchten. Bei der Abschlusskundgebung hatten sich mehrere Redner offen als Nationalsozialisten bezeichnet. (bnr.de berichtete) Anschließend kündigten Fartas & Breuer an, nun regelmäßig in Köln öffentlich aufzutreten, jedoch ohne Beteiligung der rechten Spaß- und Trinkerleute.

Für Ostersamstag – also bewusst eine Woche vor dem AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel, gegen den es sehr massive Gegenproteste von geschätzt 50 000 Menschen geben wird – hat Fartas nun eine erneute Kundgebung angemeldet, diesmal in der Luxemburger Straße/Südbahnhof in Köln. Motto des sprachlich und inhaltlich  wirren Aufrufes ist „Aufmarsch: Linker Intoleranz entgegen treten“.

„Alkoholisierte Anreisende“ werden „ausgeschlossen“

Fartas hat die Genehmigung erhalten, an dem in der Luxemburger Straße gelegenen Autonomen Zentrum vorbei zu marschieren. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch dienahe gelegene, traditionsreiche Einrichtung SSK (Sozialistische Selbsthilfe Köln) attackiert werden soll. Hintergrund ist, dass der 28-jährige einschlägig verurteilte Fartas bis 2011 in der Kölner Punk- und Oi-Szene sowie auch im Kölner AZ verkehrte. Wegen seiner antisemitischen und rassistischen Äußerungen sowie seines gewaltsuchenden Auftretens hatte er dort jedoch keinen Anschluss gefunden.

In dem Aufruf wird „das Mitbringen von Brd-, Stauffenberg- sowie Israel- Fahnen“ ausdrücklich „untersagt“. „Alkoholisierte Anreisende“ würden „konsequent von der Versammlung ausgeschlossen.“, heißt es.

In der Gellertstraße am Bahnhof Süd sowie vor dem AZ haben die Initiative „Köln gegen Rechts“ und andere linke Gruppen ab 12.00 Uhr Gegenkundgebungen unter dem Motto: „Naziaufmarsch gegen das Autonome Zentrum läuft nicht“ angemeldet.

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