Brauner Luther-Event

17.03.2017 -

Neonazis wollen das Luther-Jahr für ihre Zwecke instrumentalisieren. Vom 31. März bis 2. April laden sie zu einem „Knüll-Forum“ ein. Titel der Veranstaltung: „Martin Luther ein deutscher Revolutionär!?“

Luther als nutzbarer „Revolutionär“ für die Neonazi-Szene; (Screenshot)

Meinolf Schönborn, Chef der Neonazi-Zeitschrift „Recht & Wahrheit“, verbreitet über diverse Kanäle seit Wochen die Einladung für das Treffen von Freitag bis Sonntag im osthessischen Knüllwald. Glaubt man seinem Aufruf, hat er gleich mehrere Unterstützer aus unterschiedlichen Lagern des neonazistischen Spektrums gefunden. Zu ihnen zählen unter anderem Rigolf Hennig, der „Kopf“ der „Europäischen Aktion“ (EA), Sascha Krolzig, der NRW-Landesvorsitzende der Partei „Die Rechte“, sowie Sascha Wagner, den Schönborn mit dem Zusatz „NPD Saarland“ präsentiert, obwohl Wagner im Landesvorstand an der Saar keine Funktion inne hat.

Präsentiert werden soll Luther als ein von der Neonazi-Szene nutzbarer „Revolutionär“, der den Grundstein für ein deutsches Nationalbewusstsein gelegt und einen Umsturz in Gang gesetzt habe, der so tiefgreifend gewesen sei wie kein anderer zuvor. Mit ihrem Luther-Event folgen die Organisatoren den Spuren ihrer politischen Ahnen: Seine antijüdischen Veröffentlichungen luden die Nationalsozialisten zu einer ideologischen Vereinnahmung des Reformators geradezu ein. Gleich im ersten Jahr ihrer Herrschaft ließen sie 1933 seinen Geburtstag am 10. November als „Deutschen Luthertag“ feiern.

Evangelischer Pfarrer im Ruhestand angekündigt

Fünf Referenten sollen bei Schönborns dreitägiger Veranstaltung auftreten. Alfred Schäfer spricht über das Thema „Psychologische Kriegsführung“. Roland Wuttke, Herausgeber des Neonazi-Blatts „Volk in Bewegung/Der Reichsbote“, beschäftigt sich mit Luthers „revolutionärem Element“. Achim Ezer, dem früheren Funktionär der Jungen Nationaldemokraten, geht es um „Die Lehre Mohammeds und die Botschaft der Bibel zum Islam“ und speziell um „Luthers Ansichten zum Islam“. Und ehe Rigolf Hennig unter dem Titel „Was tun?“ zum Fazit ansetzt, tritt noch ein geheimnisumwitterter Gastredner auf: Ein als „Michael S.“ angekündigter evangelischer Pfarrer im Ruhestand, der „aus politischen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt“ worden sei. Er soll über „Die Abkehr der Kirchen vom Vaterland und deren Auswirkung“ referieren. (ts)

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