Braune Polit-Show in Zweitauflage

Von Horst Freires
31.10.2018 -

Für den 2. und 3. November steht erneut das martialische „Schild & Schwert-Festival“ im sächsischen Ostritz an.

Martialisches Spektakel in zweiter Auflage; (Screenshot)

Verantwortlich für die neonazistische Polit-Show am Freitag und am Samstag zeichnet Thorsten Heise. Dem Bundes-Vize der NPD kommt seine langjährige Kontaktpflege weit über seine Parteigrenzen hinweg hin zu anderen rechtsextremen Parteien, zu Führungsfiguren der „Freien Kräfte“ und hinein in die braune Musikszene zugute. Das selbst erklärte Motto der zweitägigen Veranstaltung lautet „Für Frieden und Freiheit“.

Für das Festival hat der Betreiber des „Hotels Neißeblick“ genau wie bereits zur Premiere des „Schild & Schwert-Festivals“ am 20. und 21. April wieder sein Gelände und diverse nutzbare Veranstaltungshallen zur Verfügung gestellt.  Bei der Festival-Premiere auf dem Areal unmittelbar an der polnischen Grenze fanden sich knapp 1200 Besucher aus dem In- und Ausland ein. Erneut wird jetzt wieder ein Mischprogramm aus Rechtsrock, Kampfsport, Tattoo-Messe und rechtsextremen Politbeiträgen angekündigt.

Vier Acts am ersten Tag auf der Bühne

Auf der Zielgeraden der Veranstaltungsvorbereitung hat Heise noch weitere Bands mobilisiert. Zum Event gehören somit insgesamt 15 verschiedene Musikbeiträge: Vom neunfachen Vater und parteitreuen Liedermacher Frank Rennicke bis zum NS-Hardcore der Combo „Painful Life“, vom kanadischen, inzwischen in Brandenburg beheimateten Tätowierer „Griffin“, ehemals Frontmann bei der Band „Stonehammer“, bis zur „Lunikoff Verschwörung“ mit Michael Regener. Vier Acts sollen am ersten Tag die Bühne betreten, darunter „Feher Törveny“ aus Ungarn sowie die seit 2004 bestehende österreichische Kampfsport-Hausband „Terrorsphära“, deren Mitglieder sich inzwischen aber hauptsächlich in Deutschland aufhalten.

Am zweiten Tag sind die seit 1999 aktiven „P.W.A.“ aus Estland am Start, die Abkürzung der rassistischen Losung „Preserve White Aryans“. Zum Line-up gehören außerdem „Nahkampf“, die neonazistische Combo von Sänger Hannes Ostendorf neben seinem bekannteren Hooligan-Projekt „Kategorie C – Hungrige Wölfe“. Außerdem beworben werden für die zweite Auflage des Festivals noch weitere deutsche Acts: „Burning Hate“, „Flak“, „Sleipnir“, „Uwocaust“, „Sturmwehr“, „Act of Violence“ und Liedermacher Axel Schlimper.

Martialische „Mann gegen Mann“-Duelle

Wie bereits testweise beim April-Event, der wohl nicht ganz zufällig auf „Führers Geburtstag“ angesetzt wurde, soll auch die neonazistische Kampfsport-Szene sich wieder ein Stelldichein geben. Kurz nach der jährlich stattfindenden Herbstveranstaltung unter der Bezeichnung „Kampf der Nibelungen“ (KdN), (bnr.de berichtete) die am 13. Oktober zum ersten Mal ebenfalls Logistik und Infrastruktur vom „Hotel Neißeblick“ nutzte und ungefähr 700 Besucher anlockte, sollen die martialischen „Mann gegen Mann“-Duelle unter KdN-Verantwortung am Freitag erneut in Ostritz einen Schauplatz finden. Erstmals werden dazu Teamfights (Drei gegen Drei) angekündigt. Die Organisatoren verbreiteten dazu den Appell: „Meldet Euch an, wenn ihr die Ehre eurer Stadt verteidigen möchtet.“

Beobachter sehen diesen Trend dahingehend, dass brutalen Hooligan-Straßenkämpfen eine weitgehend unkontrollierte rechte Bühne eingeräumt werden soll.  Viele der Teilnehmer träumen ohnehin vom Rassenkrieg, auch wenn sie von körperlicher Ertüchtigung oder Selbstverteidigung reden. Auf jeden Fall hat sich die Mischszene zwischen gewaltbereiten Hooligans aus dem Fußball-Umfeld, fanatischen Kampfsport-Aktivisten und Rechtsrock-Milieu deutlich ausgeweitet. Immer häufiger sind personelle Schnittmengen festzustellen, von denen es dann noch einmal wieder Überschneidungen mit Aktivisten von NPD, Die Rechte, „Der III. Weg“ und „Identitären“ gibt. Und das beschriebene Netzwerk agiert mittlerweile international über Ländergrenzen hinweg.

Politische Redner von NPD und „Die Rechte“

Was bereits bei Organisationen wie „Blood&Honour“ und „Hammerskins“ funktionierte und funktioniert, findet nun weitere strukturelle Plattformen. Aus kommerziellen Gesichtspunkten schießen dazu immer mehr rechtsextreme Modelabels aus dem Boden. Und selbst aus dem aktuell gesellschaftlichen Modehype für Tätowierungen macht die rechte Szene noch ein eigenes Geschäftsmodell, sodass der eigenständige Programmpunkt dafür am Samstag auf dem Festival nicht von ungefähr kommt.

Als politische Redner sind unter anderem der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt und Sascha Krolzig, Bundeschef der Partei „Die Rechte“, angekündigt. Für weitere Talkformate werden neben anderen der NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke sowie der Justitiar der Partei Peter Richter benannt. Als ein namentlich angekündigter Vertreter der parteiungebundenen „Freien Kräfte“ bekommt Sven Skoda aus Düsseldorf Redezeit, der auf der Kandidatenliste von „Die Rechte“ für die Europawahlen im nächsten Jahr steht. Als Moderator soll der langjährige NPD-Kader Peter Schreiber aus dem Landesverband Sachsen fungieren. Einen Programmpunkt bildet eine nicht näher beschriebene „Syrien-Ausstellung“. Wahrscheinlich handelt es sich um die Dokumentation von Damaskus-Besuchen Voigts und anderen rechtsextremen Europaparlamentariern. Immer wieder hat die NPD betont, dass sie im syrischen Bürgerkrieg an der Seite von Machthaber Baschar al Assad steht.

Technisch hat Heise für das Festival am Wochenende aufgerüstet. So sollen die Hallen-Events auch auf weiteren großen Monitoren als zusätzliche Übertragung auf dem Gelände verbreitet werden. Nach dem Reinfall rund um die diesjährige Großveranstaltung „Rock gegen Überfremdung“ im thüringischen Apolda soll offenbar alles getan werden, um eine neonazistische Komfortzone anzubieten.

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