Braune Live-Musik auf dem Vormarsch

Von Kai Budler
07.12.2017 -

Für die rechtsextreme Szene haben Musikveranstaltungen nach wie vor große Bedeutung. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist deren Anzahl deutlich angestiegen.

Live-Musik hat Konjunktur in der braunen Szene; Photo: K.B.

Im dritten Quartal des laufenden Jahres gab es bundesweit an jedem zweiten Tag mindestens ein Rechtsrock-Konzert beziehungsweise eine Veranstaltung von Neonazis mit Live-Musik. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor. Demnach fanden im Bundesgebiet zwölf Rechtsrock-Konzerte und 22 neonazistische Liederabende statt sowie 23 sonstige Veranstaltungen wie Kundgebungen und Aufmärsche mit Live-Musik von rechtsextremen Bands und Liedermachern. Wegen der noch nicht eingearbeiteten Nachmeldungen dürfte die Gesamtzahl derartiger Veranstaltungen noch steigen.

Neben nicht veröffentlichten „vertraulichen Informationen“ der Verfassungsschutzbehörden hat die Bundesregierung zu mehr als der Hälfte der gesamten Veranstaltungen offene Informationen vorgelegt. Danach fanden die meisten Rechtsrock-Konzerte, Liederabende und Veranstaltungen mit brauner Live-Musik in Thüringen statt, am zweithäufigsten wurden sie in Sachsen durchgeführt.

Neonazi-Konzerte bundesweit an jedem zweiten Tag

Außerdem organisierten deutsche Neonazis am 9 Juli dieses Jahres ein Konzert mit drei deutschen Rechtsrock-Bands im französischen Combres-sous-le-Cotes. Bei zwei weiteren Konzerten im Ausland traten nach Angaben der Bundesregierung im dritten Quartal 2017 ebenfalls deutsche Neonazi-Bands auf.  Im Vorfeld verboten oder durch polizeiliches Einschreiten verhindert wurden in diesem Zeitraum drei Rechtsrock-Konzerte und zwei neonazistische Liederabende in Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der Rechtsrock-Konzerte, Liederabende und sonstigen Veranstaltungen von Neonazis mit Live-Musik schon ohne die zu erwartenden Nachmeldungen nahezu verdoppelt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres registrierten die Behörden bundesweit insgesamt 198 derartige Veranstaltungen. Damit fand zwischen Januar und September 2017 bundesweit an jedem zweiten Tag mindestens eine derartige Veranstaltung statt. Deren Zahl ist damit deutlich angestiegen: Nach Angaben der Bundesregierung wurden in den ersten neun Monaten 2016 insgesamt 136 Rechtsrock-Konzerte, Liederabende und sonstige Veranstaltungen von Neonazis mit Live-Musik registriert.

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