Braune Hetze unter neuem Etikett

Von Horst Freires
10.07.2019 -

Ein Blog unter dem Namen „Ungetrübt Media“ mit Profilen in sozialen Medien ist ein weiterer Versuch, rechtsextremer Propagandaverbreitung eine zusätzliche Plattform zu offerieren. Inhalte haben sich dabei keineswegs verändert, die Drahtzieher haben sich lediglich für einen anderen Namen entschieden.

Neues rechtes Medienprojekt mit alten Bekannten aus der Szene; (Screenshot)

Für die Videoeinspielung einer täglichen Nachrichtensendung ist nach Aussagen der Verantwortlichen ein Verein gegründet worden. Gerne wird für eine Mitgliedschaft oder die Möglichkeit, Fördermitglied zu werden, geworben. Allein eine Vereinssatzung bleibt der Öffentlichkeit von den selbsternannten Kritikern der bestehenden Medienlandschaft und Hütern von Transparenz vorenthalten. Großspurig ist von kreativem und unabhängigem Journalismus die Rede, über den Tellerrand von Organisationen und Parteien hinausreichend. Verbalradikal wird gar von mutigem „Kamikaze-Journalismus“ gesprochen.

Alte Bekannte aus der rechtsextremen Szene

Bei denjenigen, die seit Mitte April ein neues Agitationsbetätigungsfeld gefunden haben, handelt es sich um alte Bekannte aus der rechtsextremen Szene. „Ungetrübt Media“ bekommt durch Alexander Kurth aus Sachsen und Jens Wilke aus Niedersachsen ein Gesicht. Nach rapide abgeebbtem Interesse an der von ihnen betriebenen Gruppierung „Thügida“ samt vom Namen her ähnlicher Zusammenschlüsse wie etwa „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ soll nun ein angebliches Nachrichtenprojekt neue Interessenten ködern. Kurth und Wilke haben dabei diverse politische Heimaten durchlaufen. Allen gemein war stets ein neonazistischer Hintergrund. Das zeigen Engagements für die NPD, „Die Rechte“ oder zuletzt die Republikaner.

Die subtile Nachrichten-Masche ist wahrlich nicht neu. Einer der Pioniere war schon 2006 der hessische NPD-Funktionär Marcel Wöll mit einer Sendung unter dem Titel „Kritische Nachrichten der Woche“ vom Projekt „Volksfront Medien“. Der Deutsche Stimme-Verlag der NPD nahm später das neue Medienformat auf, aber auch „Media Pro Patria“ oder die vornehmlich auf Rechtsrock fokussierten Portale von Patrick Schröders „FSN TV“ oder von „Frontmagazin“ setzen auf diese Propagandaschiene. Auch der verschwörungstheoretisch engagierte Kopp-Verlag versuchte sich bis 2011 mit der ehemaligen „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman eine Zeit lang mit einer eigenen Nachrichtensendung.

André Poggenburg als Redner am 10. August

Mit involviert in den neuerlichen Versuch von „Ungetrübt Media“ ist auch laut Blog-Impressum Jan-Philipp Jaenecke. Dieser demonstrierte beispielsweise schon 2017 in Wetzlar an der Seite von Wilke und Kurth, verteilte ein Jahr zuvor NPD-Flyer und besaß über seine Bekanntschaft zu dem von der AfD im Vormonat geschassten Jungfunktionär Lars Steinke auch Verbindungen in rechtsnationale Burschenschaftskreise.

Schaut man sich bei Facebook um, sind es die alten „Thügida“-Seilschaften, die den neuen Wilke/Kurth-Anlauf liken. „Ungetrübt Media“ will derweil offenbar bei einer weiteren ultrarechten Minipartei Fuß fassen. In den Beiträgen wird jedenfalls eine deutliche Sympathie für den „Aufbruch deutscher Patrioten Mitteldeutschland“ (ADPM) deutlich, dem neuen Rechtsausleger unter der Regie des früheren AfD-Spitzenfunktionärs André Poggenburg. Und der wird wohl auch deshalb als Gastredner für ein Sommerfest des neuen Medienprojekts am 10. August angekündigt.

Presseausweise von „Ungetrübt Media“?

„Ungetrübt Media“ ruft Mitstreiter auf, sich auch inhaltlich an dem Projekt zu beteiligen. Dazu lägen bereits Presseausweise bereit. Der selbst ernannte Mediendienst verschweigt, dass diese Legitimationen seit 2018 einen bundeseinheitlich offiziellen Charakter besitzen und Dokumente von Möchtegern-Journalisten keinerlei bindende Wertigkeit haben. Im Gegenteil: Bei Missbrauch sind sogar strafrechtliche Ermittlungen denkbar, wie aktuell der Fall des rechten Berichterstatters N. aus Berlin zeigt.