Braune Hassmusik im Fokus

Von Horst Freires
02.01.2019 -

Brandenburg hat im vergangenen Jahr rund 60 Prüfanregungen zur Indizierung von rechtsextremer Musik an die BPjM gemeldet. Seit 2004 erfolgten bereits 738 solche Anregungen.

Das Potsdamer Landeskriminalamt hat die rechtsextreme Musikszene fest im Blick; Photo (Archiv): bnr.de

Das Brandenburger Landeskriminalamt (LKA) hat mit einer Intensität wie wohl keine andere Landespolizei zu Zwecken der Strafverfolgung aber auch aus präventiven Gründen die rechte Musikszene und deren in den Umlauf gebrachten Aufnahmen genau im Blickwinkel. Das äußert sich kontinuierlich anhand von Meldungen an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Seit 2004 erfolgten diesbezüglich insgesamt 738 Anregungen für eine Prüfung im Hinblick auf eine Indizierung. Das teilte das Innenministerium in Potsdam jetzt am 28. Dezember mit.

Demnach kamen allein im Jahr 2018 rund 60 neue Prüfanregungen hinzu. Darunter befanden sich auch Hinweise auf Tonträger, die bislang noch auf keiner Indizierungsliste standen, allerdings bereits vor etlichen Jahren veröffentlicht wurden, aber auch Wiederveröffentlichungen. Brandenburger Rechtsrock-Musiker, entsprechende Bands oder Liedermacher haben sich im Jahr 2018 nicht unter den Prüfaufträgen befunden. Unter den Kandidaten tauchen hingegen neben deutschen Bands auch welche aus anderen europäischen Ländern oder aus den USA auf. Einige der Combos sind aber auch schon längst nicht mehr aktiv. Auf deren Tonträger ist die Polizei allerdings erst jetzt gestoßen beziehungsweise diese werden immer noch angeboten und gehandelt.

„Brutal Attack“ unter den Neu-Indizierungen

Insgesamt 16 von Brandenburg angeschobene Prüfverfahren zu rechtsextremer Musik mündeten für das verstrichene Jahr bereits in Indizierungen. Darunter befinden sich Tonträger von Bands wie „Sniper“ (Finnland), „Brutal Attack“ (Großbritannien), „Blue Eyed Devils“, „Bound For Glory“ oder „Youngland“, aber auch ein Sampler der „Blood&Honour“-Bewegung.

Bei Indizierungen landen Alben wegen bestimmter Titel entweder auf der Liste A oder B. Die Kategorie A bedeutet, es liegt eine Jugendgefährdung vor. Solche Trägermedien dürfen daher Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden. Die Kategorie B ist umfassender. Hierbei sind auch strafrechtlich relevante Inhalte Grund für die Bewertung und Einstufung, sodass ein allgemeines Verbreitungsverbot besteht. Bei den vorgenommenen Neu-Indizierungen 2018 taucht auf Drängen des Brandenburger LKAs unter der Liste B unter anderem „Brutal Attack“ mit seinem bereits 2004 veröffentlichten „Greatest Hits Vol. 2-Album“ auf. Die Band um Sänger Ken McLellan trat unter anderem bei der Erstauflage des NPD-nahen Events „Tage der nationalen Bewegung“ im vergangenen Juni im thüringischen Themar auf. Das Konzert musste sie nach Intervention der Polizei aber abbrechen, nachdem indizierte Lieder gespielt wurden. Auf Antrag Brandenburgs taucht 2018 erstmals auch der Tonträger „Jesus Saves … his Pennies“ aus dem Jahr 1992 von der bis 2011 aktiven US-Band „Vaginal Jesus“ auf der Liste B auf.

„Villain051“ als A-Indizierung eingestuft

 Zu den jüngsten Entscheidungen der BPjM gehört die im Dezember bekannt gemachte B-Indizierung der rassistischen US-Band „Grom“ und ihres 2004 veröffentlichten Tonträgers „By Oak, Ash And Thorna“. Als A-Indizierung eingestuft wurde zudem der rechte Rapper „Villain051“, bürgerlich Patrick Killat, und sein Album „Deutsche Zensur“.

Doch bei Indizierungen geht es nicht nur um Musik. Unter anderem möchte Brandenburgs LKA auch ein über YouTube verbreitetes Video mit dem Titel „Babelsberg Jagen“ verbieten lassen, dass zum Hass gegen Anhänger des Potsdamer Klubs SV Babelsberg 03 aufruft. Der Verein sticht besonders durch sein Engagement für Flüchtlinge heraus und wird daher aus dem rechten Lager angefeindet. Eine Entscheidung seitens der BPjM zu besagtem Video ist noch nicht gefallen.

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