Braune Hass-Botschaften im Kölner Westen

Von Susanne Müller
09.08.2018 -

In einigen Stadtteilen Kölns ist es in den vergangenen Wochen zu einer massiven Überflutung mit rassistischen, fremdenfeindlichen Neonazi-Aufklebern gekommen.

Gehäuftes Auftauchen von rechtsextremen Stickern in Köln; © S.M.

Insbesondere im „randständigen“ Kölner Westen – in den Stadtteilen westliches Ehrenfeld, Ossendorf, Bickendorf, Mengenich und Bocklemünd – werden seit Monaten Hunderte von ausländerfeindlichen und rassistischen Stickern verklebt. Viele dieser primitiven Aufkleber richten sich direkt gegen „Afrikaner“ beziehungsweise gegen „Nafris“. Ihnen werden projektiv, in sprachlich primitivster Weise, sexualisierte Wünsche zugeschrieben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vielfach unter Bezugnahme auf „Kandel“ attackiert, ferner in eigenhändig verfassten schmähenden Äußerungen in geschichtsrevisionistischer, antidemokratischer Weise einerseits mit Hitler und andererseits mit der Stasi verglichen. Laternenpfahle, U-Bahn-Stationen, Papierkörbe und Altglascontainer werden in diesen eher „unterprivilegierten“, multikulturellen, teils ländlichen Kölner Stadtteilen sehr regelmäßig mit diesen Hass-Botschaften vollgeklebt.

Es erscheint als offenkundig, dass die Straftäter dort auch wohnen. Einzelne Mitglieder von „Kein Veedel für Rassismus Köln Nord“ haben diese Aufkleber dokumentiert und immer wieder entfernt. Insbesondere nach entsprechenden extrem rechten und ausländerfeindlichen Demonstrationen, etwa in Kandel, hat die Flut dieser braunen Hass-Sticker stark zugenommen. Sie können im Internet bei einem sehr rechten Versandhandel bestellt werden.

Ganze Straßenzüge mit Hass-Aufklebern verschandelt

Weiterhin sind in der Kölner Innenstadt mehrfach Sprühparolen entdeckt und dokumentiert worden, die sich unmittelbar gegen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker richten. Reker war am Vorabend der Kölner Oberbürgerwahl, im Oktober 2015, von einem Mann mit einem langen extrem rechten Hintergrund mit einem Messer schwer verletzt worden und überlebte nur mit großem Glück. (bnr.de berichtete)

Auch im Kölner Stadtteil Zollstock werden seit mehr als fünf Jahren ganze Straßenzüge regelmäßig mit Hass-Aufklebern der örtlichen, auch im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht 2017 aufgeführten aktivistischen Neonazi-Gruppierung „Köln für deutschen Sozialismus“ verschandelt. Diese Gruppe jüngerer Neonazis hatte 2017 in Köln zwei braune Aufmärsche durchgeführt. (bnr.de berichtete) Ein größerer Teil dieser Aufkleber tragen den Namen dieser Gruppierung. In Köln-Zollstock ist dadurch ein Klima der Einschüchterung entstanden.

Rechte Sticker auch in Bremen

Auffällig ist: Im Norden von Bremen, sozioökonomisch vergleichbar zu besagten Stadtteilen im Kölner Westen, sind im Sommer dieses Jahres gleichfalls rund 400 rechtsextreme und fremdenfeindliche Sticker verklebt worden. Nach einem Bericht einer örtlichen Zeitung werden Rechtsextreme dafür verantwortlich gemacht.

Ein Vertreter des örtlichen Vereins „Pro aktiv gegen rechts" interpretiert dies so, dass sich Bremen-Nord eher nicht zu einer neuen rechtsextremen Hochburg entwickelt: „Die Häufung von Vorfällen könnte damit zusammenhängen, dass die Rechten in Bremen-Nord nicht so schnell gestört werden wie in der Innenstadt oder im Viertel.“ Vieles spricht dafür, dass sich diese Erklärung bruchlos auch auf die Kölner Situation übertragen lässt.

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