Braune „Böhse Onkelz“-Cover-Band

Von Rike Schröder
21.08.2018 -

Die Onkelz-Cover-Band „Gehasst.Verdammt.Vergöttert.“ spielte am vergangenen Wochenende auf dem Metal-Festival „Megalith“ in  Grevesmühlen. Die Musiker sind bekannt aus einschlägigen Rechtsrock-Combos wie „Oidoxie“, „Faust“ oder „Vidar“ und haben teilweise Verbindung zum „Combat 18“-Netzwerk.

Onkelz-Coverband mit Mitgliedern aus Neonazi-Bands beim Metal-Open-Air „Megalith“; Photo: Ronny Wolff

Am vergangenen Wochenende fand zum zweiten Mal das Metal-Open-Air „Megalith“ in Grevesmühlen statt. Im Vorfeld wurde in diesem Jahr die „Böhse Onkelz“-Cover-Band „Gehasst.Verdammt.Vergöttert.“ beworben. In ihrem öffentlichen Auftritt versucht sich die Band unpolitisch zu geben. Allerdings weisen die einzelnen Mitglieder von „Gehasst.Verdammt.Vergöttert.“ allesamt Verbindungen in die braune Szene auf. Falk P. (Schlagzeug) spielte bei den Rechtsrock-Combos „Oidoxie“ und „Strafmaß“ mit. „Oidoxie“ steht in enger Verbindung zu „Combat 18“. Marco E. (Gitarre) ist ebenfalls bei „Oidoxie“ dabei und wirkte bei den Bands „Sturmwehr“ und „Words of Anger“ mit. Mit „Oidoxie“ trat er am 10. Februar bei einem Liederabend in der Landesgeschäftsstelle der NPD in Eisenach auf. Die Veranstaltung sollte ein Solidaritätsabend für den NSU-Unterstützer André Eminger sein.  

Im Juni 2016 marschierte E. gemeinsam mit einer Gruppe um den Briten William Browning, einem der führenden „Combat 18“-Köpfe, beim „Tag der deutschen Zukunft“ 2016 in Dortmund. Patrick J., Frontmann der Onkelz-Cover-Band, ist bei der Neonazi-Combo „Faust“ dabei. Er musizierte auch bei der inzwischen aufgelösten Band „Kraftschlag“, die eine große Nähe zum „Blood&Honour“-Netzwerk aufwies. Der Wismarer Dirk M., der den Part am Bass übernommen hat, war Mitglied bei der Neonazi-Band „Vidar“. Es lässt sich also durchaus behaupten, dass es sich bei „Gehasst.Verdammt.Vergöttert.“ um einen Zusammenschluss aus einschlägigen Rechtsrock-Bandmitgliedern mit teilweiser Verbindung zum „Combat 18“-Netzwerk handelt.

„Megalith“-Veranstalter bei „Thinghaus“-Feier

Der Veranstalter des „Megalith“ Ronald Riehl hat ebenfalls einen rechten Hintergrund aufzuweisen. In Vergangenheit war er Gast bei einigen Veranstaltungen der rechtsextremen Szene in Nordwestmecklenburg. So besuchte Riehl die Feier zum fünfjährigen jährigen Bestehen des „Thinghauses“. Gemeinsam mit einschlägig bekannten Neonazis wie David Petereit und dem ehemaligen HDJ-Aktivisten Alf Börm feierten die rund 150 Gäste bis spät in die Nacht. Auch bei der rassistischen Kundgebung von „Unser Grevesmühlen“ war Riehl unter den Teilnehmern. Dort trat die vom Verfassungsschutz Brandenburg als rechtsextrem eingestufte Band „A3stus“ auf.

Gemeinsam mit dem Neonazi Sven Krüger marschierte Ronald Riehl bei einem Aufzug der NPD-dominierten MVgida am 27. April 2015 in Schwerin mit. Bekannt wurde ebenfalls, dass Riehl an einem konspirativen Treffen der „Hammerskins“ 2011 in Jamel teilnahm. Auch in den sozialen Medien ist Riehl mit zahlreichen Neonazis gut vernetzt. So posierte er auf einer Facebook-Seite in einem Pullover des Unternehmens „Abriss Krüger“.

Stadt mit öffentlicher Kritik konfrontiert

Die Stadt Grevesmühlen verpachtete Riehl nun schon zum zweiten Mal das Gelände neben der Solaranlage in Grevesmühlen. Schon im vergangenen Jahr gab es scharfe, öffentliche Kritik wegen des rechten Hintergrunds des „Megalith“ Veranstalters, mit der die Stadt konfrontiert wurde. Gegenüber der „taz“ versicherte der Bürgermeister von Grevesmühlen Lars Prahler im vergangenen Jahr, man hätte sich über den Veranstalter informiert. In der Lokalpresse wurde, wie im Jahr zuvor, über das „Megalith“ berichtet. Mehrfach betonte Riehl dabei den angeblich unpolitischen Charakter seines Open-Airs, er sei kein Rassist und wolle sich nicht instrumentalisieren lassen. Dennoch spielte auf dem „Megalith“ am Wochenende eine Band, die aus einschlägig bekannten Neonazis besteht.

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