Blaupause für rechten Terror

Von Anton Maegerle
16.05.2017 -

Der weltweit in rechtsextremen Kreisen populäre Terroristen-Roman „The Turner Diaries“ ist erstmalig in Buchform in deutscher Sprache erhältlich.

„Globaler Untergrund“-Verkaufsschlager konspirativ auf deutsch erhältlich; (Screenshot)

Unter konspirativen Umständen wird das Machwerk, das auch den Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) als Blaupause gedient haben soll, seit Montag von der Buchhändlerin Anke Herrmann aus dem Landkreis Forchheim (Bayern) zum Kauf angeboten.

In einer Mail an einen ausgesuchten Kundenkreis gibt Herrmann (Franken-Bücher) am 15. Mai bekannt, dass das 1978 als Taschenbuch unter dem Pseudonym Andrew MacDonald erschienene Machwerk „The Turner Diaries. A novel“ erstmalig in Buchform in deutscher Sprache erhältlich ist. Das Buch inspirierte die rassistische „White Power“-Bewegung weltweit.

„Standardwerk der weißen Bewegung“

Angeboten wird das 362 Seiten umfassende Machwerk „The Turner Diaries“ zum Preis von 29,95 Euro. Aus „verständlichen Gründen“, so teilt Herrmann in ihrem Schreiben mit, seien die „Turner Diaries“ über den online shop nicht erhältlich. Stattdessen  muss der von ihr als „globaler Untergrund-Verkaufsschlager“ und „Standardwerk der weißen Bewegung in den USA“ angepriesene Roman bei ihr „direkt“ bestellt werden.

Autor der „Turner Diaries“ ist der 2002 verstorbene US-Amerikaner William Pierce, ein notorischer Antisemit und militanter Rassist. Der Hitler-Verehrer war einst Anführer der zeitweilig in den USA mitgliederstärksten Neonazi-Gruppierung „National Alliance“ (NA). Die NA galt als eine der am besten organisierten und gefährlichsten Neonazi-Gruppen in den USA. Ihre Mitglieder forderten die Ausrottung der Juden sowie anderer „Rassen“ mit  dem Ziel eines rein weißen Heimatlandes. Zeitweilig unterhielt die NA enge Kontakte zur NPD und deren Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN).

Parallelen zum Vorgehen des NSU

Der rechtsterroristische Roman „The Turner Diaries“ fand sich in digitalisierter Form auf den Computern bei den beiden beim NSU-Prozess in München mitangeklagten mutmaßlichen NSU-Unterstützern André Eminger und Ralf Wohlleben und soll den NSU-Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos als mögliche Blaupause gedient haben. So sieht das Bundeskriminalamt (BKA) etwa Parallelen zwischen den im Buch beschriebenen Taten und dem Vorgehen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, dem eine Mordserie und mehrere Anschläge in ganz Deutschland vorgeworfen werden.

Dem US-amerikanischen Rechtsterroristen Timothy McVeigh, einem „White Supremacist“-Anhänger, dienten die „Turner Diaries“ als Inspirationsquelle für das Bombenattentat von Oklahoma City. Bei dem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City am 19. April 1995 kamen 168 Menschen ums Leben.

Kriminelle Neonazi-Gang

Pflichtlektüre waren die „Turner Diaries“ bei der rechtsterroristischen US-amerikanischen Untergrundbande „The Order“ (Der Orden). Die 1985 vom FBI zerschlagene Neonazi-Gang hatte unter anderem einen jüdischen Talkshow-Moderator erschossen, einen Bombenanschlag auf eine Synagoge in Idaho und Banküberfälle verübt – darunter den größten und erfolgreichsten Raubüberfall auf einen gepanzerten Geldtransporter in der Geschichte der USA mit einer Beute von 3,8 Millionen US Dollar.

Die Inhaberin des Buchversands mit Sitz im fränkischen Eckental-Ebach Anke Herrmann wurde im Februar 2007 vom Landgericht Nürnberg in zweiter Instanz wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Die rechte Buchhändlerin hatte im Jahr 2006 das antisemitische Machwerk „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“ von „Jan van Helsing“ (= Udo Holey) im Internet zugänglich gemacht. Im Mai 2016 wurden bei Herrmann bei einer Hausdurchsuchung Bestelllisten und Computerfestplatten sichergestellt. Die Durchsuchung stand im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem unkommentierten Nachdruck von Adolf Hitlers „Mein Kampf“.

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