Berliner Neonazi Tilo P. erneut in U-Haft

Von Theo Schneider
16.11.2021 -

Nach zwei rassistischen Attacken in Berlin ist einer der Angeklagten im Neukölln-Komplex erneut in Untersuchungshaft. Der zweite Angriff hätte verhindert werden können, aber die Polizei weigerte sich offenbar, Anzeige aufzunehmen.

P. soll auf einen Taxifahrer mit Migrationshintergrund eingeschlagen haben, Foto: Fabian Börner, CC-by-sa 3.0

Tilo P., einer der beiden Hauptbeschuldigten in der Neonazi-Anschlagsserie mit Schwerpunkt in Neukölln ist seit Anfang des Monats wieder in Haft. Am 3. November kam es in Berlin-Steglitz zu zwei rassistischen Attacken durch ihn auf einen Taxifahrer mit Migrationshintergrund. Gegen 19.30 Uhr hatte der Neuköllner Neonazi mit seinem Auto in der Göttinger Straße die Fahrbahn blockiert. Als er deswegen von dem Fahrer eines Taxis angesprochen wurde, schlug P. ihn mit einen Teleskopschlagstock auf den Oberschenkel.

Daraufhin wollte der Geschädigte Anzeige erstatten und ging zum Polizeirevier des Abschnitts 42. Dort wurde er aber offenbar weggeschickt. Als der Taxifahrer nun erneut zum Tatort fuhr, waren P. und ein bislang unbekannter Mittäter noch vor Ort. Der Fahrer nahm die Verfolgung auf und alarmierte erneut die Polizei, diesmal über die 110. Bevor allerdings Beamte eintrafen, stoppte der Wagen des Neonazis abrupt in der Berlinickestraße. Die beiden Männer sprangen aus dem Auto und versuchten nun, den Taxifahrer aus dem Wagen zu zerren, schlugen dabei mehrfach auf dessen Kopf ein. Kurz darauf flüchteten die beiden.

Mehrfach Schläge auf den Kopf

Da noch keine Polizei erschienen war, wären die Angreifer fast entkommen. Allerdings konnte sich der Geschädigte das Kennzeichen von P.s Auto merken. Zwei Tage später wurde der Neuköllner Neonazi verhaftet und seine Wohnung durchsucht, dabei sein Handy beschlagnahmt. Damit kommt P. kein Jahr später zum zweiten Mal in Haft. Erst Mitte Dezember 2020 war er wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung als einer der Haupttäter in der Neuköllner Anschlagsserie in Untersuchungshaft gekommen. Damals wurde der Haftbefehl noch über Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt. Darauf wird er nun nicht mehr hoffen können.

P. war bis 2019 im Vorstand der Neuköllner AfD, dort zuständig für Veranstaltungen und Obmann des "Flügels". Zusammen mit dem Neonazi Sebastian T. ist er seit September angeklagt, am 1. Februar 2018 die Fahrzeuge von einem Buchhändler und einem Linken-Politiker angezündet zu haben. Auch ein Prozess über Rudolf-Heß-Schmierereien, die von Observationsteams des LKA beobachtet wurden, steht noch aus. P. hat eine lange Liste von Vorstrafen, schon 2003 fiel er im Zusammenhang mit rassistischen Attacken beim Britzer Baumblütenfest auf.

Erst vor wenigen Monaten kam ein weiterer Neuköllner Neonazi nach einer rassistischen Attacke in Untersuchungshaft. Maurice P. hatte Anfang Juli einen Jamaikaner in Rudow erst rassistisch beschimpft und dann mit einem Messer attackiert. P. wurde bei der Polizei als Gefährder geführt. Er trat regelmäßig für die "Schutzzonen"-Kampagne der NPD in Erscheinung.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen