Berlin Monitor 2021: Rechte Einstellungen nehmen zu

Von Theo Schneider
27.11.2021 -

Die Ergebnisse der Befragung zu antidemokratischen Einstellungen in der Hauptstadt "Berlin Monitor" wurden präsentiert. Neben Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien sind auch antischwarzer Rassismus Schwerpunkte der Studie.

Auszug aus der Präsentation: "Verschwörungsnarrative sind in Berlin existent, aber seltener als im bundesweiten Vergleich."

Die ersten Ergebnisse des diesjährigen "Berlin Monitor" zu antidemokratischen Einstellungen in der Hauptstadt wirken zunächst positiv. Demnach sind die Zustimmungswerte zu rechtsextremen und Verschwörungsideologischen Einstellungen fast durchgängig geringer als im Bundesdurchschnitt. Dennoch weisen rund 25 Prozent der befragten Berliner*innen eine Verschwörungsmentalität auf. Auch wünschen sich demnach 23 Prozent "eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert", sechs Prozent mehr als bei der bundesweiten Befragung aus dem letzten Jahr.

Alle anderen Werte aus dem Bereich Rechtsextremismus sind jedoch niedriger als im Bundesschnitt. Doch Grund zu Entwarnung können diese Zahlen nicht geben, denn im Vergleich mit den Zahlen aus dem "Berlin Monitor" vor zwei Jahren, ist bei den Einstellungswerten, die damals schon abgefragt wurden, durchgehend eine Zunahme festzustellen. So stiegen die Zahlen der vollen und latenten Zustimmung bei der Aussage, Deutschland sei "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet" von 32 auf 40, bei der Aussage "Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen" von 36 auf 49 Prozent, also auf fast die Hälfte der Befragten.

Rechtsextreme Einstellungen nehmen zu

Das betont auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR): "Bei diesen Zustimmungswerten lässt sich bei rassistischen Aussagen zumindest nicht mehr gänzlich von einem Minderheitenphänomen sprechen, wie es der Berlin-Monitor 2019 noch tat", sagt MBR-Projektleiterin Bianca Klose. Darauf würde auch eine hohe Frequenz von Beratungsanfragen in der Einrichtung deuten. "Minderheitenfeindliche und rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen finden höheren Anklang und stellen demokratische Akteur*innen immer wieder vor Herausforderungen", so Klose. Laut Präsentation der Studie finden sich vor allem unter den Wählern der AfD rechtsextreme Einstellungen.

Vergleichswerte für verschwörungsideologische Einstellungen gibt es für Berlin aus dem früheren "Berlin Monitor" nicht. Der Sozialpsychologe und Mitautor der Studie Oliver Decker sagte dazu, dass eine Verschwörungsmentalität "in der Bevölkerung konstant vorhanden" sei und jetzt nur offener auftrete. Die Corona-Pandemie habe lediglich zur Sichtbarwerdung beigetragen und würde auch nicht so einfach verschwinden. Dies wird sich auch bei zukünftigen Krisen, wie beim Thema Klima wieder eine Rolle spielen. „Ich fürchte, dass es durch die Radikalisierung zu mehr Bedrohungslagen kommen wird“, so Decker.

Konkret glauben 21 Prozent der Befragten, dass Politiker "nur Marionetten der dahinterstehenden Mächte" seien, 19 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Corona groß geredet wurde, "damit einige wenige davon profitieren können." Die größte Zustimmung in diesem Kontext bekam die Aussage " Die Hintergründe der Corona-Pandemie werden nie ans Licht der Öffentlichkeit kommen" mit 32 Prozent.

Ambivalente Ergebnisse zu antischwarzem Rassismus

Einen weiteren Schwerpunkt legte die Untersuchung auf antischwarzem Rassismus. Der offen rassistischen Aussagen, es gäbe " eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Menschen" stimmten immerhin 12 Prozent zu und 21 Prozent hätten ein Problem damit, wenn ihre Kinder "einen Schwarzen heiraten würden." Auch gehen 30 Prozent davon aus, es gäbe " biologische Unterschiede zwischen weißen und schwarzen Menschen", gleichzeitig sagten 89 Prozent der Befragten, es mache keinen Unterschied, "ob Schwarz oder Weiß". Dieser Aspekt ist jedoch so offen formuliert, dass letztlich unklar bleibt, ob es für die Befragten im eigenen Umgang keinen Unterschied mache oder die gesellschaftlichen Realität, wie konkrete Diskriminierungen damit gemeint sind.

Abgefragt wurden auch eigene Diskriminierungserfahrungen. Insgesamt 42 Prozent der Befragten gaben an, bereits diskriminiert worden zu sein. 16 Prozent wegen ihres Geschlechts, 11 Prozent wegen ihrer Herkunft und 10 Prozent wegen ihrer ökonomischen Lage. Am häufigsten erfahren Muslime (82 Prozent), gefolgt von Menschen mit Migrationshintergrund (62 Prozent) und einkommensschwache Berliner*innen (60 Prozent) Diskriminierung.

Der "Berlin Monitor" ist eine repräsentative Befragung von rund 2000 Berliner*innen, die im Zeitraum zwischen September und November telefonisch und online erhoben wurde. Sie wurde von der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung und dem Senat erstellt.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen
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