Überlappungen nach rechts

Von Andrea Röpke, Anna Rosga
21.07.2021 -

Ein anerkannter Nutztierzoo in Schleswig-Holstein verschafft einem neu-rechtem Unternehmer durch Zusammenarbeit mehr als nur Akzeptanz. 

Überlappung nach rechts durch einen Nutztierzoo - Symbolbild: marimadesign@123rf.com

In einer ursprünglichen Landschaft seltenen Tierarten ungewöhnlich nah kommen- die „Arche Warder“ im holsteinischen Warder bei Kiel begeistert seine Besucher*innen seit 2003 für Arten- und Naturschutz. In Europas größtem Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen können mehr als 1.200 Tiere aus 80 Arten beobachtet werden. Der Park stellt ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern dar, denn in rustikalen Holzhütten und Ferienwohnungen kann die Tierwelt auch über Nacht erlebt werden, ergänzt wird das Programm durch Natur- und Erlebnispädagogische Angebote.

Die Arche Warder ist aber auch eine wissenschaftliche Institution, die mit nationalen und internationalen Kooperationspartner*innen zusammenarbeitet: Zahlreiche Universitäten, der deutsche Tierschutzbund und Greenpeace, deren Umweltstiftung das Projekt mit jährlich mehr als 70.000 Euro unterstützt. 2018 wurde der Park als offizielles Projekt der UN-Dekade für biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Arche Warder ist zweifellos ein Vorzeigeprojekt, Kontakte nach rechts scheinen hier eher ungewöhnlich. Doch seit Anfang 2019 pachtet die Arche rund 50 ha Grünland vom benachbarten Gut Manhagen – einem Ensemble denkmalgeschützter Wohnhäuser, Wind- und Wassermühlen und landwirtschaftlicher Gebäude am Ufer des Manhagener Sees.

Verpächter schreibt für Kubitscheks »Sezession«

Besitzer und Verpächter ist Thomas Hoof, der das Gut 2007 erwarb und sanieren ließ. Hoof, einst Landesgeschäftsführer der nordrhein-westfälischen Grünen, gründete die Manuscriptum Verlagsbuchhandlung. Schwerpunkt des Verlags sind Werke rechtskonservativer und neurechter Autoren*innen wie Jürgen Elsässer, Björn Höcke und Alexander Gauland.

Im Sortiment des Verlages lässt sich u.a. das Buch „Die Große Verschwulung. Wenn aus Männern Frauen werden und aus Frauen keine Männer“ von Akif Pirinçci finden, der gegen „Gleichmacher-Ideologie“ und „Gender-Mainstreaming“ hetzt oder „Hitler in uns? Vom richtigen Umgang mit unserer Vergangenheit“, in dem der Autor Konrad Löw die Überwindung des deutschen „Schuldkomplexes“ fordert. Titel von Manuscriptum finden sich im Kopp-Verlags sowie Verlag Antaios wieder. Thomas Hoof betätigt sich nicht nur als Verleger, er veröffentlicht auch eigene Beiträge in der neu-rechten »Sezession«, der Zeitschrift des »Instituts für Staatspolitik« (IfS).

Nutztierzoo begründet Pacht mit Lage der Flächen

Laut Website der Arche Warder wurden die Flächen des Guts Manhagen bewusst gepachtet, da die Erhaltung und Nutzung alter Nutztierrassen ein gemeinsames Anliegen sei. Doch auch von Kooperation ist die Rede – eine politische Distanzierung zum Gutsherrn findet nicht statt. Auf Medienanfrage antwortet eine Mitarbeiterin der Arche Werder: Man habe dringend für die Schweinehaltung weitere Flächen benötigt, worauf sei es zur Pacht gekommen ist. Die Sprecherin betont: „Die Kooperation mit der Familie Hoof ist vor allem dadurch bedingt, dass das Gut Manhagen an den Tierpark unmittelbar angrenzt, und es uns so möglich ist, mit minimalem Kostenaufwand und maximaler Betreuung unserer Tiere einen großen Schritt in der Erhaltungszucht alter Nutztierrassen weiterzukommen“. Hervorgehoben werden „sinnvolle, inhaltliche Überlappungen“. 

Grundsätzlich aber verhalte sich die Arche Warder „politisch neutral, verwehrt sich gegen Rassismus und steht für eine naturnahe Landwirtschaft sowie für soziale Gerechtigkeit.“ Wenn es um den Schutz von Natur und Tieren gehe, werde nur mit „demokratischen Parteien (Die Grünen, CDU, SPD, FDP)“ zusammengearbeitet.

Thema mit Tradition in der extremen Rechten

Dass sich die extreme Rechte für ökologische Themen einsetzt und auch der Erhalt alter, deutscher Nutztierrassen dabei eine Rolle spielt, ist kein neues Phänomen.  Tier- Natur-, und Heimatschutz laufen unter dem Dach des „Volkschutz“. Die Verknüpfung von Volk, Raum und Identität stehen in der Tradition des „Blut und Boden“-Prinzips des Nationalsozialismus. Die NPD-nahe Öko-Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ widmete sich 2007 dem Thema Nutztierrassen und bewarb die Arbeit der Arche Warder im hohen Norden. Auf Medienanfrage des Online-Portals www.nordische-esskultur.de betont die Sprecherin noch einmal die Distanz nach rechts.

Doch es geht anscheinend um mehr als ein Pachtverhältnis. Hoofs Projekt „Essbare Landschaften“ bewirbt unter anderem Weidefleisch von Rindern und Schweinen der Arche. Ein Blick ins Impressum zeigt, dass sich „Essbare Landschaften“ und die „Manuscriptum Verlagsbuchhandlung“ im selben Gebäude im nordrhein-westfälischen Lüdinghausen befinden. Der Direktor des Tierparks, Prof. Dr. Kai Frölich, bestätigte während einer Landtagssitzung, dass es „Einnahmen aus dem Projekt Essbare Landschaften“ gebe. Ein eigenes Label kennzeichnet „Arche Warder auf Gut Manhagen“ und wird im Netz und auf Flyern beworben. Hoofs Land-Projekt jedenfalls profitiert von der seit Januar 2019 bestehenden „fruchtbringenden Nachbarschaft“.

Richtigstellung:

In einer früheren Version des Artikel wurde über noch aktuelle Geschäftsbeziehungen von Thomas Hoof zu dem von ihm gegründeten und später verkauften Unternehmen Manufactum berichtet. Dazu erreichte uns eine Richtigstellung: Manufactum verkauft keinerlei Schriften aus dem Manuscriptum Verlag. Ebenso hat Manuscriptum keinerlei Einfluss auf die Produktentwicklung von Manufactum. Thomas Hoff hat seit dem Verkauf 2007 an die Otto-Gruppe keinerlei Einfluss mehr auf Manufactum. Manufactum distanziert sich mit aller Klarheit von den verlegerischen Aktivitäten von Manuscriptum.

Wir bitten um Beachtung dieser Richtigstellung.