Bekenntnis zur „Arischen Bruderschaft“

Von Andrea Röpke
09.05.2017 -

„Blood&Honour“ und „Combat 18“ scheinen beim „Eichsfeldtag“ in Leinefelde allgegenwärtig. Auch in diesem Jahr. Mit dabei der Dortmunder Brieffreund von Beate Zschäpe.

Zschäpe-Brieffreund outet sich mit „Blood&Honour“-Schriftzug; Photo: Otto Belina

Stolz präsentierte sich Robin Schmiemann den Kameraden in Leinefelde mit Baby im Arm. Doch der Dortmunder Neonazi, der 2013 durch einen sehr intimen Briefwechsel mit der NSU-Hauptangeklagten Beate Zschäpe bekannt wurde, präsentierte bei genauerer Betrachtung  noch mehr: Ein Bekenntnis zu „Blood&Honour“ sowie zur „Arischen Bruderschaft“. Denn anders sind das  Shirt  mit dem „Blod & Ära Sverige“-Schriftzug  („Blood&Honour“ Schweden) sowie Schmiemanns neues Tattoo mit den gekreuzten Handgranaten, dem Logo der Bruderschaft, nicht zu verstehen.

Die „Arische Bruderschaft“ um den heutigen Thüringer NPD-Chef Thorsten Heise agierte lange Zeit im Dunklen, bis sie sich bei der Organisation der Veranstaltung in Leinefelde offen als Security zeigte. Die Besucher des braunen Musik-Events im „Eichsfeld“ zählen ohnehin eher zum radikalen Teil der Neonazi-Szene. Auch Robin Schmiemann bewegte sich bis  2006 im unmittelbaren Umfeld der „Oidoxie Streetfighting Crew“, die als Bindeglied  zwischen den militanten Szenen an den NSU-Tatorten in Dortmund und Kassel galt. Kontakte gab es schon damals auch zu Heise.

Mit britischem „Combat 18“-Anführer bei Aufmarsch in Dortmund

Berichten des Verfassungsschutzspitzels Sebastian Seemann zufolge rüstete sich ein kleiner Kern der Dortmunder Szene – darunter auch Schmiemann – bereits zum Kampf. Pflichtlektüre waren die „Turner Diaries“ von William Pierce. Kurz vor den beiden Morden in Nordrhein-Westfalen und Hessen will sich die Gruppe dann aufgelöst haben. Nur ein Jahr später, 2007, machte Schmiemann dann von der Waffe Gebrauch und schoss bei einem Überfall in Dortmund-Brechten auf einen Tunesier. Noch in der Haft wurde er 2013 als Brieffreund von Beate Zschäpe bekannt.

In einer Vernehmung durch den nordrhein-westfälischen NSU-Untersuchungsausschuss stritt Schmiemann die Zugehörigkeit zur Terror-nahen „Oidoxie Streetfighting Crew“  ab. Er verweigerte auch Fragen zur Zugehörigkeit zum bewaffneten „Blood&Honour“-Arm „Combat 18“.  Kurz nach seiner Haftentlassung aber, am 4. Juni 2016, wurde Robin Schmiemann bei einem Aufmarsch in Dortmund mit dem britischen „Combat 18“-Anführer Will Browning,  dem „Oidoxie“-Sänger sowie dem NPD-Funktionär Thorsten Heise abgelichtet.

Der Neonazi mit der  geheimnisvollen Beziehung zur NSU-Angeklagten, hatte für sein selbstgewähltes Outing in Leinefelde wohl bewusst den schwedischen Ableger von „Blood&Honour“ ausgewählt. Immerhin ist die deutsche Division seit 2000 verboten.

Kokettieren mit dem militanten Untergrund

Auch Rechtsrock-Produzent Heise wird seit Jahren immer wieder mit „Combat 18“ in Verbindung gebracht. Der  von ihm veranstaltete „Eichsfeldtag“ lockte äußerst militante Neonazis nach Leinefelde. So kam der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese ebenso zum Konzert-Event mit Verkaufsständen wie Meinolf Schönborn oder Peter Naumann.  In diesem Jahr sang die berüchtigte Schweizer Band „Amok“ ein Lied von „Blood&Honour“-Gründer Ian Stuart Donaldson. Ein Musiker von „Amok“ ist mutmaßlich Mitglied der rechtsextremen Band „Erschiessungskommando“, die im vergangenen Jahr zur Ermordung einer Thüringer Landtagsabgeordneten aufrief. 

In Leinefelde konnte ein Gast offen seine Sympathie für „Erschießungskommando“ zeigen, obwohl der Thüringer Polizei bekannt sein müsste, dass wegen der Bedrohung Ermittlungen laufen. Auch die ebenfalls auftretende Bremer Band „Nahkampf“ um Sänger Hannes Ostendorf  kokettierte in der Vergangenheit immer wieder mit dem militanten Untergrund.

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