Balladen statt internationaler Rechtsrock

Von Horst Freires
12.09.2019 -

Das für Freitag und Samstag ankündigte Rechtsrock-Event im thüringischen Themar wurde gecancelt – stattfinden soll am Samstag auf dem Gelände von Tommy Frenck in Kloster Veßra lediglich ein Liederabend mit Rednern.

Angekündigtes Rechtsrock-Event schrumpft zum rechten Liederabend; (Screenshot)

Eigentlich sollte es am Freitag und Samstag im thüringischen Themar ein internationales Rechtsrock-Konzert mit mehreren Bands geben. Diese Pläne sind nun geplatzt. Geblieben ist die Ankündigung, dass am Samstag ein rechter Liederabend bei Tommy Frenck im benachbarten Kloster Veßra stattfindet.

Das angedachte Großkonzert war eine erste Reaktion auf konsequentes polizeiliches Einschreiten bei dem braunen Spektakel „Tage der nationalen Bewegung“ am 5./6. Juli in Themar, als ein Alkoholausschank verboten wurde, zudem Alkoholbestände kurzfristig beschlagnahmt und massive Personenkontrollen vollzogen wurden. Zudem gingen die Ordnungshüter gegen die Bands „Sturmwehr“ und „Unbeliebte Jungs“ vor, weil nicht genehmigte Lieder gespielt wurden. Veranstalter Sebastian Schmidtke, Bundesorganisationsleiter der NPD aus Berlin, streute daraufhin die Parole „Wann Rechtsrock gespielt wird, bestimmen wir und nicht der Innenminister!“ und meldete für den 13./14. September auf der von Frenck verwalteten „Konzertwiese“ im zwei Kilometer entfernten Themar ein abermaliges Konzert an.

Einreiseverbot für russische Combo

Neuerliche strikte Auflagen, aber auch diverse Absagen aus den eigenen Reihen für das geplante Programm ließen Schmidtke und Frenck nun einen kleinlauten Rückzieher machen und die Themar-Pläne canceln. Bereits Anfang des Monats musste Schmidtke einräumen, dass eine russische Rechtsrock-Combo mit einem Einreiseverbot belegt wurde. Zudem gab es krankheitsbedingte Absagen von „Mistreat“ aus Finnland und von „Sturmwehr“. Ersatz war offenbar aus verschiedenen Gründen nicht zur Stelle. Von anfangs angekündigten Acts wie etwa „Kraftschlag“, „Unbeliebte Jungs“ oder „Burning Hate“ war dann in der Folge auch gar nicht mehr die Rede.

Nun mündet alles in einem beschaulichen Balladenabend, angemeldet als Kundgebung, auf dem Areal der Frenck-Gaststätte „Zum Goldenen Löwen“ mit „Flak“/Philipp Neumann und Axel Schlimper. Vor wenigen Tagen hieß es noch, „Der Bienenmann“ (Tobias Winter) solle aufspielen – der ist auf dem jüngsten verbreiteten Flyer nun aber auch nicht mehr erwähnt.

„Wann Heimatlieder gespielt werden, bestimmen wir“

Dick aufgetragen, großspurig geworben, zum Beispiel auch auf der internationalen „Blood&Honour“-Homepage, und nun kommt am Ende ein unspektakuläres Mini-Event heraus. Das sorgt in der rechten Szene natürlich für reichlich Gesprächsstoff. Und die neue Parole der Organisatoren lautet in geringer Abwandlung nunmehr „Wann Heimatlieder gespielt werden, bestimmen wir und nicht der Innenminister!“ Dazu soll neben Schmidtke und Frenck auch der NPD-Bundesvize Thorsten Heise das Wort ergreifen, der seit Jahren bekanntlich selbst immer wieder als Konzertveranstalter im angemeldeten „Parteikleid“ auftritt.

Gerade in eigenen Kreisen wenden sich rechtsextremen Aktivisten am Samstag aber auch anderen Vorhaben zu. Bei Sonneberg lädt Angela Schaller beispielsweise zum monatlichen „Thing-Kreis“ ein, der stets zum Vollmond-Tag zusammenkommt. Die „Kameradschaft Einbeck“, die auch Unterstützung von der NPD bekommt, will in ihrer Heimatstadt demonstrieren.