Bücherzerstörung mit rechtem Hintergrund

Von Peter Nowak
20.08.2021 -

In der Berliner Bezirkszentralbibliothek „Eva-Maria-Buch-Haus“ wurden gezielt Bücher über Rechtsextreismus beschädigt und zerstört.

Symbolfoto: Joe Crawford aus Moorpark, California, USA, Lizenz: CC BY 2.0

In der vergangenen Woche machte der Leiter der Stadtbibliotheken des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Boryano Rickum, öffentlich, dass es in der nach der 1943 als Widerstandskämpferin gegen den NS, Eva-Maria Buch, benannten Zentralbibliothek des Bezirks zu Zerstörungen mehrerer Bücher von antifaschistischen Autorinnen und Autoren gekommen war. Sie waren zerschnitten in einem Gefäß auf der Toilette der Bibliothek aufgefunden worden. Betroffen von der Zerstörungswut war u.a. das Buch „Denken statt denkmalen: Gegen den Denkmalwahn der Deutschen“ von dem Historiker Wolfgang Wippermann und die von Lou Zucker verfasste Biographie „Clara Zetkin – eine rote Feministin“.

Ebenfalls zerstört wurden mit „Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ von Andrea Röpke und Andreas Speit sowie „Die rechte Mobilmachung: Wie radikale Netzaktivisten die Demokratie angreifen“ von Patrick Stegemann und Sören Musyal zwei Bücher, die sich aus antifaschistischer Perspektive mit der aktuellen rechten Bewegung befassen. Der materielle Schaden, der von Boryano Rickum auf rund 120 Euro beziffert wurde, hielt sich in Grenzen. Doch die politische Wirkung war groß. In einer Pressemitteilung des Eva-Maria-Buch-Hauses wird von einem rechten Übergriff auf die Bibliothek gesprochen.

Angriffe des rechten Spektrums auf die Bibliothek

Der zuständige Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (CDU) stellte diese Bücherzerstörung im Gespräch mit dem Tagesspiegel in den Kontext verschiedener rechter Aktivitäten innd um die Stadtbibliothek. So sei es bereits seit Jahren zu Schmierereien in den Innenräumen der Bibliothek gekommen und Flyer aus dem rechten Spektrum seien dort ausgelegt worden.

Auch auf dem Gehweg vor dem Eva-Maria-Buch-Haus hätten Rechte öfter Schmierereien hinterlassen. Die noch unbekannten TäterInnen werden im Milieu der Reichsbürgerbewegung vermutet. Auch in anderen Berliner Bezirksbibliotheken wurden in der Vergangenheit öfter Schriften mit antisemitischen und rassistischen Inhalt ausgelegt.

Öfter wurden auch Artikel in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung durch Schmierereien unlesbar gemacht oder sie wurden mit antisemitischen Kommentaren versehen. Die Zerstörung antifaschistischer Literatur hat jetzt den Fokus auf rechte Angriffe auf die Stadtbibliotheken gerichtet. So hat der Berliner Landesbezirk der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in einer Erklärung die Lektüre der von den Rechten zerstörten Bücher besonders empfohlen.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen