„Bücher bis 1945“ im Angebot

Von Anton Maegerle
22.07.2019 -

Eisenach – Der „Zeitgenoss - Versandantiquariat für zeitgenössische Literatur“ im thüringischen Eisenach bietet unter anderem diverse Ausgaben von Hitlers „Mein Kampf“ an. Unter der Adresse des Versands firmiert das von der NPD genutzte „Flieder Volkshaus“.

Versandantiquariat hat „Mein Kampf" im Angebot; (Screenshot)

Käuflich erhältlich sind im „Netzladen“ mehrere „Volksausgaben“ von „Mein Kampf“ mit Original-Schutzumschlag und so genannte Hochzeitsausgaben. Die Preise für das braune Machwerk liegen zwischen 145 bis 250 Euro.

Der im Dezember 2014 gegründete rechtsextreme Vertrieb „Zeitgenoss – Versandantiquariat für zeitgenössische Literatur" wird von einem „bekannten Vertreter der rechtsextremistischen Szene Eisenachs betrieben“, so die Antwort des thüringischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Katharina König-Preuss (Die Linke).

Werke von Alfred Rosenberg und Erich Ludendorff

Zum Warenangebot zählen unter anderem „Bücher bis 1945“, das heißt Werke, „die eindeutig auch der Zeit des Nationalsozialismus zuzuordnen sind.“ Darunter sind unter anderem: „An die Dunkelmänner unserer Zeit“ von Alfred Rosenberg, Hauptbeschuldigter im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, „Tannenberg – zu dem 20. Jahrestag der Schlacht“ von Erich Ludendorff, Aktivist des Kapp-Putsches und des Hitler-Putsches, oder „1939 gegen England – Berichte und Bilder", herausgegeben vom Oberkommando der Wehrmacht.

Unter „Büchern nach 1945“ finden sich unter anderem auch mehrere Ausgaben des„Taschenkalenders des nationalen Widerstandes“ vom NPD-nahen Deutsche Stimme Verlag, „Die Hitler-Jugend und ihr Selbstverständnis im Spiegelihrer Aufgabengebiete“ von Jutta Rüdiger, Reichsreferentin des Bundes Deutscher Mädel (BDM), sowie „Wilhelm Petersen – Maler des Nordens“, mit herausgegeben von Alain de Benoist, einem Ideologen der Neuen Rechten.

David Wieschke als Ansprechpartner

Als Ansprechpartner von „Zeitgenoss – Versandantiquariat fürzeitgenössische Literatur“ wird auf der Homepage ein David Wieschke angegeben. Der Eisenacher NPD-Fraktionschef Patrick David Wieschke (Jg.1981), langjähriger NPD-Landeschef in Thüringen, ist einschlägig rechtskräftig verurteilter und knasterfahren. Zeitweilig war Wieschke auch NPD-Bundesvorstandsmitglied. Angeführt wurde von Wieschke einst auch das neonazistische „Nationale und Soziale Aktionsbündnis Westthüringen“ (NSAW). Das NSAW führte am 18. März 2006 in der Gaststätte "Zur Bergbahn" in Oberweißbach, Ortsteil Lichtenhain, dem Zweitwohnsitz der von den NSU-Rechtsterroristen ermordeten Polizeibeamtin Michele Kiesewetter, im Rahmen einer „Antikapitalismus“-Kampagne eine Versammlung durch.

Unter der angegebenen Adresse von „Zeitgenoss – Versandantiquariat fürzeitgenössische Literatur" firmiert das so genannte „Flieder Volkshaus“ in Eisenach. Die Immobilie wird durch den „Flieder Volkshaus e. V.“ betrieben und von der NPD unter anderem als Landesgeschäftsstelle genutzt. Das Haus ist regelmäßiger Veranstaltungsort für rechtsextreme Musik- und Redeveranstaltungen sowie für Feiern.