Aus für die „Nordische Jugend“

Von Anton Maegerle
13.08.2019 -

Neustrukturierung in der schwedischen Neonazi-Szene. Die militante „Nordische Widerstandsbewegung“ bringt sich in Stellung.

Verbindungen zwischen schwedischen und deutschen Neonazis; (Screenshot)

Die identitär ausgerichtete rechtsextreme schwedische Gruppierung „Nordisk Ungdom" (NU, Nordische Jugend) hat sich nach zehn Jahren aufgelöst. Grund für diese Entscheidung, so eine von den NU-Führungsaktivisten Patrik Forsén und Fredrik Hagberg verantwortete Erklärung, sei „die Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch das System“. Schweden sei kein „Rechtsstaat“ und habe keine „funktionierende Demokratie“, heißt es in dem Statement. Stattdessen werde die „gegen das Regime gerichtete Opposition (..) mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft“.

In einer früheren Selbstdarstellung nannte „Nordisk Ungdom“ einst die Jungen Nationaldemokraten (heute: Junge Nationalisten; JN) als Vorbild. Die JN wiederum bezeichneten „Nordisk Ungdom“ als „Partnerorganisation“. In den letzten Jahren hatte sich „Nordisk Ungdom“ dann eher in Richtung „Identitäre“ positioniert. Statt platten Rassismus propagierte NU nun das Konzept des Ethnopluralismus. Ganz im Stil der „Identitären“ dokumentierte die „Nordische Jugend“ ihre Aktionen – wie das Einholen und Verbrennen von EU-Fahnen vor öffentlichen Gebäuden – und stellte die Filmchen auf YouTube und ihrer Homepage online.

Manuel Ochsenreiter als Referent bei „Identiarians Ideas“

Sowohl Forsén als auch Hagberg waren Redner bei neurechten Konferenzen, die unter dem Motto „Identiarians Ideas“ seit Jahren im schwedischen Stockholm stattfinden. Maßgeblicher Veranstalter ist das neurechte britisch-schwedische Verlagshaus Arktos um Daniel Friberg. Friberg trat im Oktober 2016 als Redner beim „Freedom Congress“ der rechtsextremen Stiftung „Europa Terra Nostra“ in Erscheinung.

Im Juni 2014 gehörte der rechtsextreme Publizist Manuel Ochsenreiter von der Monatszeitschrift „Zuerst!“ zu den Referenten der Konferenz „Identiarians Ideas“. Ochsenreiter lobte in seiner Rede („Geopolitical Warzones“) Russland: „Derzeit entwickelt sich Russland zur Schutzmacht für all jene Völker und Staaten, die sich vor diesem westlichen Einfluss schützen wollen und sich dagegen wehren.“ Ebenfalls 2014, am 22. März, nahm Haglund am „Europakongress“ der JN im thüringischen Kirchheim teil.

„Revolutionäre Organisation nationaler Sozialisten“

Nach dem erklärten Aus von „Nordisk Ungdom“ hat der Kopf der 1997 gegründeten militanten Neonazi-Truppe „Nordiska motståndsrörelsen“ (NMR, Nordische Widerstandsbewegung), Simon Lindberg, die nunmehr ehemaligen Aktivisten der „Nordischen Jugend“ eingeladen, ihren Kampf in der NMR weiter zu führen. In den Reihen der NMR tummeln sich zahlreiche verurteilte Straftäter, viele davon wegen Gewaltverbrechen und Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt.

Die NMR versteht sich als „eine revolutionäre Organisation nationaler Sozialisten“, die dem Panskandinavismus huldigt und folgerichtig nicht nur in Schweden, sondern auch in Norwegen und Finnland aktiv ist. Zu den Aktivitäten der Neonazi-Truppe zählen „Straßenpatrouillen“ und „Schutzwachen"“ in Schwimmbädern.

Beim „Trauermarsch“ des „III. Wegs“

Enge Verbindungen pflegt Lindberg zur Neonazi-Truppe „Der III. Weg“. So war der Schwede am 18. Februar 2017 Gastredner bei einem „Trauermarsch“ des „III. Wegs" im fränkischen Würzburg dabei. In seiner Rede forderte er zum „nationalen Freiheitskampf“ auf.

Am 9. Februar 2019 trat Lindberg als Kampfredner anlässlich des Waffen-SS-glorifizierenden „Tages der Ehre“ im ungarischen Budapest in Erscheinung. Vor dem Denkmal für gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs hielt er eine Rede, in der er die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit und Vernetzung betonte. Sein ideologisches Weltbild brachte Lindberg im Gespräch mit „Russia Today“ 2018 in einem Satz auf den Punkt. Demnach war Adolf Hitler „a very very good person”.