Aus für die „National-Zeitung“

Von Anton Maegerle
17.01.2020 -

Die „National-Zeitung“, das älteste Wochenblatt der rechtsextremen Szene, wurde mit Ende des 69. Jahrgangs im Dezember 2019 eingestellt.

Die einst auflagenstarke „National-Zeitung“ wurde jetzt eingestellt; (Screenshot)

Begründet wird dies vom herausgebenden Druckschriften-und Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag; München) mit dem „Medienwandel der letzten 15 Jahre“ und dem „damit einhergehenden geänderten Nutzerverhalten“: „Denn es ist Neues und gleichfalls Gutes herangewachsen, das – ebenso rechtstreu und verfassungstreu sowie am Wohl des deutschen Volkes orientiert – es auch verdient, gelesen und weitergegeben (oder ‘geteilt‘) zu werden.“

Über Jahrzehnte hinweg hatte die „National-Zeitung“ eine fast monopolartige Stellung inne und war das bedeutendste rechtsextreme Propagandamedium in der Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt fristete sie nur noch ein Nischendasein. Während die Auflage Mitte der 1970er Jahre über der 100.000er-Marke lag, dürfte sie in den letzten Jahren bei nur noch wenigen tausend Exemplaren gelegen haben.

Gerhard Frey alleiniger Herausgeber seit 1960

Die „National-Zeitung“ wurde 1950/51 als „Deutsche Soldaten-Zeitung“ ins Leben gerufen. Gründer des Blattes waren der ehemalige NS-Kreisleiter Helmut Damerau und Oberst a.D. Heinrich Detloff von Kalben – zu denen später Paul Steiner, ehemals General der Waffen-SS, dazu stieß.

1960 avancierte der Münchner Verleger Gerhard Frey (Jg. 1933) zum alleinigen Herausgeber der Zeitung. Im Laufe der Jahre formierte Frey um die NZ als Kopfblatt des DSZ-Verlags einen weitgefächerten, homogen und gewinnbringend operierenden Medienkonzern. 1971 gründete Frey ein zweites Verlagsunternehmen, den FZ Freiheitlichen Zeitungsverlag GmbH mit dem Versandhandel Deutscher Buchdienst und dem Reiseveranstalter Deutsche Reisen. Verlagszweck war der Versand einschlägiger Devotionalien (Bücher, Fahnen, Karten, Wimpel, Schallplatten et cetera) als auch die Organisation von Leserreisen. 1986 änderte Frey dann den Namen des Unternehmens in FZ Freiheitlicher Buch-und Zeitschriften-Verlag GmbH (FZ-Verlag).

Prominenter Staatsrechtler als Autor

Die „National-Zeitung“ verbreitete fremdenfeindliche, nationalistische, geschichts- und gebietsrevisionistische Argumentationsmuster. Das Blatt zeitweilig das inoffizielle Sprachrohr der rechtsextremen Partei Deutsche Volksunion (DVU). Frey, langjähriger Herausgeber der NZ und DVU-Bundesvorsitzender, starb 2013. Nach seinem Tod übernahm seine Ehefrau Regine die Geschäftsführung des DSZ-Verlags.

Anonyme Beiträge in der NZ publizierte über Jahre hinweg der 1993 verstorbene, prominente Staats- und Verfassungsrechtler Theodor Maunz – ein Mitautor des Grundgesetzes, späterer CSU-Politiker und bayerischer Kultusminister. Maunz' Tätigkeit für die NZ und auch als Rechtsberater von Gerhard Frey wurde erst nach seinem Tode bekannt.