Anschlagsserie auf Flüchtlingsunterkunft

Von Sebastian Lipp
03.04.2018 -

Vor einer Unterkunft für Asylsuchende wird zu Ostern ein Knallkörper gezündet. Erst im März war auf das Gebäude in Nußdorf ein Brandanschlag verübt, im Februar ein Hakenkreuz gesprüht worden.

Flüchtlingsunterkunft wurde innerhalb weniger Wochen zum dritten Mal attackiert; Photo (Symbol): Tobias Dietz / pixelio.de

In der Nacht auf Ostermontag zündeten bislang unbekannte Täter einen Knallkörper vor einer Unterkunft für Asylsuchende in Nußdorf am Inn, wie es in einer Pressemitteilung vom selben Tag heißt. Um welche Art von Knallkörper es sich handelt, will ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Anfrage von bnr.de aus ermittlungstaktischen Gründen vorläufig nicht erläutern.

Kurz nach Mitternacht seien einige der Bewohner der Unterkunft von einem lauten Knall geweckt worden. Ein Zeuge habe anschließend zwei Personen in südlicher Richtung weglaufen sehen. Eine sofort eingeleitete Fahndung mit einem Großaufgebot der Polizei verlief jedoch ergebnislos. Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Steinbach“ der Kriminalpolizei Rosenheim ermittle weiter auf Hochtouren. Das Kommissariat Staatsschutz ist in die Ermittlungen involviert.

Brand an der Außenfassade

Die Ermittlungsgruppe wurde gegründet, nachdem am 17. März ein Brandanschlag auf die Unterkunft für Asylsuchende verübt worden war. An diesem Samstagabend hatten gegen 22.00 Uhr Unbekannte einen Brandsatz gegen die Außenmauer des Gebäudes im Hochriesweg geworfen. Das mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Behältnis verursachte zunächst einen lauten Knall, dann entstand ein Brand an der Außenfassade. Eine Bewohnerin, die den Knall gehört und das Feuer entdeckte alarmierte die Feuerwehr. Das Feuer erlosch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte von selbst. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus.

Bereits im Februar kam es zu einem Vorfall an der Unterkunft. Mutmaßlich in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 3. Februar, sprühten Unbekannte dem „antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München“ (a.i.d.a.) zufolge mit schwarzer Farbe ein circa 40 Zentimeter großes Hakenkreuz an die von der Straße abgewandte Fassade.

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