Anonymous kapert Kanäle und Seiten von Attila Hildmann

Von Michael Klarmann
13.09.2021 -

Große Teile der Internet-Seiten und Telegram-Kanäle des Antisemiten, Rechtsextremisten und Verschwörungsideologen Attila Hildmann sind aktuell offenbar nicht mehr in dessen Besitz. Das „Anonymous Kollektiv“ will diese übernommen haben.

Attila Hildmann steht nun ohne seine wichtigsten Medien dar.

Dies teilte besagtes „Kollektiv“ am frühen Morgen auf seiner Webseite „Anon Leaks“ mit und beschreibt ausführlich, wie es dazu kam. Besagtes „Kollektiv“ hat in der Vergangenheit mehrfach Daten über Personen und Netzwerke aus dem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum publiziert, die unter anderem durch Hacking sowie weitreichende Recherchen gewonnen wurden. Im Falle Hildmann, einst gefeierter veganer Kochbuchautor und Unternehmer, teilte „Anon Leaks“ nun überraschend mit, haben ein früherer Administrator der Online-Plattformen dem „Anonymous Kollektiv“ die Daten übergeben.

Ruft man derzeit die rund 20 demnach auf Hildmann registrierten Internet-Seiten und -Adressen auf, erscheint ein Hinweis, dass die Seiten im Zuge der „Operation Tinfoil“ beziehungsweise „Operation LonelyWolf“ von „Anonymous“-Aktivisten übernommen worden seien. In einem Video wird zudem mitgeteilt, dass eine frühere anti-antifaschistische „Kriegserklärung“ von Hildmann gegenüber dem Netzwerk nun abermals aufgegriffen wurde. Man habe viele Daten erbeutet. Ebenso habe man die endgültige, in anderen Fällen nur partielle Kontrolle über mehr als 20 Telegram-Kanäle oder -Chats übernommen.

Auch Telegram-Kanal von Ex-AfD-Mann betroffen

Unter den übernommenen Telegram-Kanälen und -Chats befinden sich solche, die Hildmann oder sein Administrator verwalteten und im eigenen Namen nutzten. Betroffen sind zugleich aber auch solche, die der Admin offenbar für andere Aktivisten und Bündnisse angelegt oder mit administriert hat, darunter auch ein Kanal des ehemaligen AfD-Politikers Heinrich Fiechtner. Anders als bei den Webseiten wurden die Telegram-Plattformen nicht gelöscht und überschrieben, sondern aktuell nur eine Stellungnahme und das Video des „Anonymous Kollektiv“ gepostet. Seitdem erscheinen dort keine neuen Nachrichten oder Userkommentare mehr.

Neben den Online-Auftritten will das Hackerkollektiv über 100.000 teils brisante E-Mails und Kontakte von Geschäftspartnern, Mitstreitern, Juristen und sogar Sexarbeiterinnen erbeutet haben. Hinzu kommen persönliche Daten von Hildmanns Followern und Kunden. Auch weist man im „Anon Leaks“-Text darauf hin, dass man nun Kenntnis darüber habe, wer seinerzeit in Berlin den Haftbefehl gegen den Antisemiten durchgestochen habe, so dass Hildmann sich ins Ausland absetzen konnte. Der Admin „Kai“ will ihn über Bulgarien in die Türkei begleitet haben.

Whistle Blower aus der früheren Filterblase

Laut Mitteilung von „Anon Leaks“ denke zwar auch „Kai“ verschwörungsideologisch, gleichermaßen sei er weder Antisemit noch Neonazi. Er habe zuerst noch zu Hildmann gehalten, sei zwischenzeitlich aber von dessen Radikalisierung entsetzt gewesen. Daraufhin habe er, heißt es in dem Bericht, den Vegankoch weiter getäuscht um dessen Vertrauen behalten zu können. Letztlich habe er dann große Datenmengen und Zugangsdaten an das „Anonymous Kollektiv“ übergeben, so dass diesem dann die Großaktion möglich wurde.

Das „Kollektiv“ kündigt an, die Inhalte weiter auswerten und Informationen publizieren zu wollen. Mitgeteilt wurde nun schon, dass aus einigen E-Mails hervorgehe, welche Unternehmen sich nach dessen Radikalisierung wirklich von Hildmann trennten und welche weiter zu ihm hielten. Gegebenenfalls will man Daten auch an Behörden und Medien weiterleiten. Bezüglich Ermittler schließt „Anon Leaks“ in der Stellungnahme konkret einige benannte Behörden als Empfänger der Daten gleichwohl aus. Diese hätten in der letzten Zeit bewiesen, dass sie technisch nicht in der Lage seien mit einem solchen Material zu arbeiten oder dies aus anderen Gründen nicht konkret genug tun würden.