Anknüpfung an die NS-Ideologie

17.08.2017 -

Bielefeld – Der Kader der Neonazi-Minipartei „Die Rechte“ (DR), Sascha Krolzig, muss wegen eines Verbalangriffs gegen den Vorsitzenden einer jüdischen Gemeinde vor Gericht erscheinen.

Prozess gegen DR-Spitzenfunktionär im September; (Screenshot)

Der aus Hamm stammende Krolzig studierte in Bielefeld Jura und absolvierte sein erstes Staatsexamen. Allerdings stand nach verschiedenen rechtlichen Instanzen fest, dass der Diplom-Jurist wegen seiner einschlägigen Vorstrafen nicht Volljurist werden kann. Dass ihn seine Ausbildung nicht vor neuem Ärger mit den Strafverfolgungsbehörden schützt, zeigt ein Prozess vor dem Amtsgericht Bielefeld, der am 7. September beginnen soll. Vorgeworfen wird dem Neonazi, dass er den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Detmold/Herford, Matitjahu Kellig, Mitte 2016 als selbstgefälligen und „freche[n] Juden-Funktionär“ bezeichnet haben soll.

Der Verantwortliche für die Zeitschrift „N.S. Heute“ (bnr.de berichtete), Krolzig, ist daher wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt. Vor rund einem Jahr war bekannt geworden, dass der Landeschef der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) sich ebenso als Trauer- und Hochzeitsredner vermarktet. (bnr.de berichtete) Krolzig steht auch dem DR-Verband Ostwestfalen-Lippe vor. Die Äußerung gegenüber Matitjahu Kellig war auf der Website des DR-Verbandes erfolgt, für die Krolzig verantwortlich zeichnet. Anlass für die diffamierenden Sätze war Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft (DVG) aus Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke) und deren Verbreitung rechtsextremer Schriften.

Kellig hatte Krolzig angezeigt. Die Staatsanwaltschaft hatte laut Berichten in der Lokalpresse ursprünglich das Verfahren indes eingestellt. Erst Kelligs Anwalt setzte demnach durch, dass es wieder aufgenommen wurde. Er erinnerte daran, dass die Aussage nach Vorbild der Nationalsozialisten genutzt wurde und der Ausdruck „frecher Jude“ in Nazideutschland herablassend und beleidigend eingesetzt worden sei. Auch die Staatsanwaltschaft kommt nun zu dem Schluss, dass mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden sollte. Der Text ist bis heute auf der Homepage abrufbar. Krolzig gehört als Beisitzer auch dem DR-Bundesvorstand an. (mik)

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