„Alternatives Wissen“ mit fragwürdigem Redner

Von Rainer Roeser
15.03.2017 -

Nordrhein-westfälische AfD-Funktionäre planen ihren dritten „Alternativen Wissenskongress“, Stargast soll ein Geschichtsrevisionist sein. Der parteiinternen Karriere sind derlei Einladungen offenbar nicht abträglich.

AfD-Funktionäre in NRW organisieren den dritten „Alternativen Wissenskongress“; Photo (Symbol): bnr.de/H.K.

Gerd Schultze-Rhonhof, Generalmajor a.D. und seit Veröffentlichung seines Buchs „1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“ ein weit rechtsaußen gern gesehener Gast, ist einer der Referenten des nächsten „Alternativen Wissenskongresses“ (AWK) am 30. April im „Großraum Dortmund“. Organisiert wird die Veranstaltung erneut von vier Funktionären der AfD: Udo Hemmelgarn und Ingo Schumacher, die Chefs der AfD-Bezirke in Ostwestfalen und am Mittelrhein, Sebastian Schulze, Vize-Sprecher im AfD-Bezirk Südwestfalen, sowie Nic Vogel, stellvertretender Sprecher der Düsseldorfer AfD.

Im einschlägigen Umfeld einen Namen gemacht

Erklären soll der mittlerweile 77-jährige Ex-Militär bei dem Kongress, dass und warum „die Völkerwanderungen nach Europa, die Euro-Krise und die NATO-Manöver in Polen und das Embargo gegen Russland“ nach Lesart der Veranstalter „Vorboten einer Eskalation“ sind, „die zu einem neuen Weltkrieg führen könnten“.

Schultze-Rhonhof hat sich mit diversen Auftritten und Publikationen im einschlägigen Umfeld einen zweifelhaften Namen gemacht. Er veröffentlichte im rechtsextremen Druffel & Vowinckel-Verlag, schrieb für die „Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie die „Deutsche Militärzeitschrift“, heimste Lob von der „National-Zeitung“ und der „Jungen Freiheit“ ein. Als Festredner war er beim Kameradschaftsverband des ehemaligen I. SS-Panzerkorps zu Gast und trat bei der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ auf.

Rechter Ritterschlag

Seinen eigenen Ritterschlag in der extremen Rechten erhielt Schultze-Rhonhof, als die „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) ihn im Mai 2014 mit ihrer höchsten Auszeichnung, der „Ulrich-von-Hutten-Medaille“, ehrte. Er unterziehe „das bundesdeutsche Geschichtsbild einer grundlegenden Revision und korrigiert den deutschen Schuldanteil stark nach unten“, heißt es anerkennend auf der Internetseite der GfP, die als größte „Kulturvereinigung“ der extremen Rechten gilt. Die Ehrung sei „eine Würdigung seines publizistischen und historischen Schaffens“, das „wider die vorherrschende, vergangenheitsbewältigende Geschichtsschreibung die von dieser ins Feld geführte deutsche Haupt- oder gar Alleinschuld an den Weltkriegen faktenreich und quellengestützt relativiert“.

Was Faktenreichtum und Quellenqualität anbelangt, waren freilich Zweifel stets angebracht. „Abstrus und „einseitig“ nannte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Schultze-Rhonhofs „Der Krieg, der viele Väter hatte“. Und „Die Welt“ ordnete das Buch dem „Stoff, aus dem die Mythen sind“, zu, da darin behauptet werde, „Hitler habe den Zweiten Weltkrieg nicht aus eigenem Willen begonnen, sondern sei gewissermaßen in den Krieg ‚gezwungen’ worden“. (bnr.de berichtete)

Auf dem Weg ins Parlament

Die „Gesellschaft für freie Publizistik“ wird in einer „Unvereinbarkeitsliste“ der AfD genannt. Wer ihr angehört, darf nicht Mitglied der AfD werden. Wer freilich „nur“ mit der höchsten Auszeichnung der GfP geehrt wird, kann offenbar an Veranstaltungen teilnehmen, ohne dass die Organisatoren aus den Reihen der AfD einen Karriereknick befürchten müssen. Im Gegenteil: Wenn Nordrhein-Westfalen im Mai einen neuen Landtag wählt, ist Nic Vogel ein Mandat so gut wie sicher. Er steht als Neunter auf der Landesliste. Udo Hemmelgarn, „Büroleiter“ des „Wissenskongresses“, zieht es in den Bundestag: Platz acht der Liste dürfte dafür ausreichen. Sebastian Schulze schaffte es immerhin noch auf Platz 18. In der Ära Lucke zogen die Vorkämpfer des „Alternativen Wissens“ noch Kritik auf sich. (bnr.de berichtete) Inzwischen gehören sie für die AfD zum vorzeigbaren Personal.

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