Alle Jahre wieder: Brauner „Trauermarsch“ in Demmin

Von Rike Schröder
10.05.2019 -

Erneut rief der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern zu seinem alljährlichen Trauermarsch in Demmin auf. Mit Konfettikanonen und Musik wurde der rechte Marsch von feiernden Gegendemonstranten entlang der Route empfangen.

 

Alljährliches braunes Ritual in Demmin; Photo: Ronny Wolff

An dem diesjährigen Pflichttermin der Neonazis in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern nahmen rund 200 NPD-Anhänger teil. Damit ist die Teilnehmerzahl seit Jahren stabil. Jährlich instrumentalisieren die Neonazis den selbst gewählten Freitod zahlreicher Demminer Bürger. Als 1945 die Rote Armee vor den Toren Demmins standen, wählten mehrere Hundert Einwohner mit einem Sprung in die Peene den Freitod. Anlässlich dieses Ereignisses veranstaltet die NPD seit Jahren einen Trauermarsch mit Trauerstunde und anschließender Kranzniederlegung.

Die Teilnehmer des braunen Aufzugs bestanden vorwiegend aus Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern. Unter ihnen waren Mitglieder der NPD sowie der Freien Kräfte, wie die „Freie Kameradschaft Güstrow“. Aus Westmecklenburg waren Angehörige der kameradschaftsähnlichen Struktur „Dorfgemeinschaft Jamel“ und deren Unterstützerkreis angereist. Der Berliner Sebastian Schmidtke, der bereits am 1. Mai den Landesverband der NPD in Wismar mit einer Rede unterstütze, war abermals in das Bundesland gekommen. Redner der Veranstaltung war der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz. Er thematisierte den selbst gewählten Freitod von 1945 und füllte das Ereignis mit rechter Ideologie.

Erneut kam es in Demmin zu Behinderung der Pressearbeit. Während der NPD-Kundgebung mit anschließender Kranzniederlegung am Hafen wollten etliche Jd Journalisten die Rede des NPD-Bundesvorsitzenden Franz dokumentieren. Dabei wurden diese von den Ordnern des Aufmarsches massiv bedrängt. Einzelne Polizeibeamten unterstützen das Vorhaben der Ordner, die Pressevertreter zurückzudrängen.

Befreiungs-Party auf der Strecke

Das erfolgreiche Konzept des Gegenprotest des Bündnisses „8. Mai Demmin“, bestehend aus Vereinen, Gewerkschaften und Parteien, aus dem vergangenen Jahr wurde auch zum diesjährigen  „Trauermarsch“ umgesetzt. Nachdem rund 650 Gegendemonstranten an einer Friedensdemo teilnahmen, verteilten sie sich auf die fünf Kundgebungen entlang der NPD-Route. Die erste kleine Aktion gegen den NPD-Aufmarsch mit großer Wirkung gab es bereits am Startpunkt. Eine rund zehnköpfige Gruppe Musiker aus unterschiedlichen Altersschichten platzierten sich mit ihren Instrumenten, Notenständer und Stühlen auf der Straße am Startpunkt der Neonazis. Sie sangen und musizierten gemeinsam.

Einige Einheiten der Polizei schienen sichtlich überfordert und nervös mit der Situation zu sein. Immer wieder wurde eine Räumung der friedlichen Musizierenden diskutiert. Schlussendlich wurde die NPD auf dem Bürgersteig an den Musikern vorbeigeführt, die so ihre Protestlieder direkt den Neonazis entgegenschmettern konnten. Das ganze Szenario sorgte für eine Verzögerung von rund 45 Minuten. Dementsprechend war die Stimmung unter den NPD-Anhängern bereits zu Beginn eher schlecht. Auch auf dem Rest der NPD-Route kam die gewollte Trauerstimmung nicht auf. Viele Gesichter der Aufmarsch-Teilnehmer wechselten von aufgesetzter, ernster Trauermiene zu einem wütenden, entsetzten Gesicht, als sie auf die Gegenkundgebungen trafen.

Mit Konfettikanonen, bunten Transparenten und lauter Musik feierten die Gegendemonstranten auf den Kundgebungen entlang der NPD-Route den 8. Mai. Auf einer Bühne am Markt sorgten mehrere Live-Bands für gute Stimmung unter den Gegendemonstranten. Als zusätzlich Bespaßung diente eine Hüpfburg, Eis und Popkorn. Die vorwiegend in gedeckten Farben gekleideten Trauermarschierer wurden mit buntem Konfetti, Glitzer und Partystimmung nur so überhäuft.