Aktionistischer rechter Netzwerker

Von Michael Klarmann
09.11.2018 -

Der frühere „pro NRW“-Funktionär und HoGeSa-Mitgründer Dominik Roeseler will mit einem rechten Aufmarsch einen AfD-„Bürgerdialog“ in Mönchengladbach vor Gegenprotesten schützen beziehungsweise abschirmen.

Selbst ernannter AfD-Schützer Dominik Roeseler (hier: November 2015 auf einer asylfeindlichen Versammlung); Photo: M.K.

Die sich eher moderat gebende AfD in Mönchengladbach dürfte über die Ankündigung des Mitbegründers der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) nicht erfreut sein, zumal der für „pro NRW“ in den Stadtrat gewählte Selbstdarsteller Roeseler vor kurzem erst wieder Erfahrungen mit der Justiz sammeln durfte. (bnr.de berichtete) Die AfD hatte kürzlich die Raumnutzung im städtischen „Haus Erholung“ für einen „Bürgerdialog“ am 6. Februar 2019 beantragt. Solche „Bürgerdialoge“ organisiert die AfD bundesweit, dabei dienen Bundestags- und Landtagsabgeordnete als Referenten und informieren über ihre Arbeit als Parlamentarier. Oft besuchen überwiegend Parteifreunde solche Abende, ein Dialog mit parteifernen „Bürgern“ findet zumindest nicht insofern statt, wie es die AfD mit ihren Ankündigungen andeuten will.

Nachdem die AfD-Mietanfrage bekannt geworden war, meldeten lokale Gruppierungen beziehungsweise die Initiative „Mönchengladbach stellt sich quer“ umgehend Gegenproteste an. Unterdessen wurde durch Roeseler jedoch ebenso Protest angekündigt – und zwar gegen die Gegenproteste und um den AfD-Abend zu schützen. Roeseler selbst hat die Veranstaltung als Vorsitzender der rechtsextremen Initiative „Mönchengladbach steht auf“ angemeldet. Diese Initiative hatte sich ursprünglich vor Jahren „Pegida“-ähnlich bürgerlich präsentiert, war aber in Wahrheit durch eine Nähe zu „Reichsbürgern“ und rechtsextremen Verschwörungsideologen geprägt.

„Mönchengladbach steht auf“ als Verein

Nachdem diese Initiative, die überwiegend durch das Engagement der Rechtsextremistin Simone H. geprägt war, ihre Aktivitäten vor Monaten einstellen wollte, übernahmen andere das Ruder. Etwa der rechte Multifunktionär Roeseler, dem zufolge „Mönchengladbach steht auf“ unterdessen als Verein firmiert. Nachdem Roeseler und „pro NRW“ sich vor Jahren im Zuge heftiger Machtkämpfe und Schlammschlachte getrennt hatten, gehört dieser dem Stadtrat nun parteilos an. Er nimmt aber nur sehr selten an Ratssitzungen teil. Im Zuge der Umwandlungen von „Mönchengladbach steht auf“ begann der Netzwerker denn auch eher damit, Kooperationen zwischen rechtsradikalen bis rechtsextremen Protagonisten und Gruppe in Nordrhein-Westfalen zu schmieden.

Nach einem Treffen jener selbst ernannten „patriotischen Kräfte in NRW“ Mitte Oktober teilte Roeselers Verein mit, dass man „in den nächsten zwei bis drei Monaten eine gemeinsame Gegendemonstration gegen eine antideutsche Versammlung“ abhalten werde. Offenbar wollte man seinerzeit noch abwarten, wann sich dazu eine Gelegenheit bieten würde.

„Links-rot-grüne Demokratiefeinde angreifen“  

Diese scheint indes mit dem AfD-Abend erstmals gefunden worden zu sein. Denn Mitte Oktober hatte der Verein via Facebook auch angekündigt: „Wer permanent von links-rot-grüner Seite Versammlungen gegen vermeintlich ‚böse Rechte‘ organisiert, muss zukünftig in NRW damit rechnen, dass dieses Pendel zurückschlägt. Wer anderen die Versammlungs- und Meinungsfreiheit einschränkt, wird zukünftig die eigene Medizin schlucken.“

Der rechtslastige Aufmarsch gegen die AfD-Gegenproteste soll nach bnr.de-Recherchen unter dem Motto „Demokratie verteidigen – links-rot-grüne Demokratiefeinde angreifen (verbal)“ stattfinden. Roeseler will am 6. Februar rund um den AfD-Abend mit der eigenen Versammlung zwischen 10.00 Uhr am Morgen und 23.00 Uhr am Abend präsent sein und so die zu erwartenden Gegenproteste blockieren. Ob das gelingen kann, ist unklar. „Mönchengladbach stellt sich quer“ will nach eigenen Angaben entsprechende Anmeldungen seiner Proteste gegen die AfD-Veranstaltung noch vor Roeseler bei der Polizei eingereicht haben.

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