Aktionistische rechte Szene im Nordosten

Von Horst Freires
19.06.2020 -

Rechtsextremisten verschiedener Gruppierungen und Organisationen aus Mecklenburg-Vorpommern waren im vergangenen Jahr an zahlreichen Orten in dem Bundesland und auch überregional zugange.

Regelmäßiger Treffpunkt für rechtsextreme Aktivitäten, das „Thinghaus“ in Grevesmühlen; Photo (Archiv): A.R.

Ein entsprechendes Bewegungsprofil der rechten Szene geht aus einer langen Auflistung über diverse Aktivitäten hervor, welche die Landesregierung in Schwerin nun als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aus den Reihen der Linksfraktion präsentierte. Der Aktionsradius der Rechtsextremisten erstreckte sich dabei sogar grenzüberschreitend bis nach Ungarn („Tag der Ehre“ in Budapest) beziehungsweise Frankreich (Internationale „Hammerskin“-Zusammenkunft in Oberhaslach). Demnach gab es diverse konspirativ vorbereitete und veranstaltete Vorgänge, die nicht von der Polizei begleitet wurden oder die von der Polizei erst im Nachgang erfasst wurden. Andere Treffen oder Kundgebungen waren hingegen öffentlich bekannt.

Aus der kalendarischen Aufzählung geht hervor, dass bestimmte Örtlichkeiten regelmäßig frequentiert werden. Dazu gehört beispielsweise das so genannte „Thinghaus“ in Grevesmühlen, das sich im dortigen Gewerbegebiet im Besitz von Sven Krüger aus dem benachbarten Dorf Jamel befindet. 2019 stand es unter anderem zum Kampfsporttraining, für Vorträge oder Feierlichkeiten zur Verfügung. Jamel ist ein weiterer kontinuierlicher Treffpunkt für verschiedene Anlässe und feste Brauchtumstermine.

NPD in vielen Fällen involviert

Andere Rituale wie neonazistisches Heldengedenken im November, die Juli-Aktion „Schwarze Kreuze“, bei der pauschal von Ausländern an Deutschen begangene Gewalt einseitig szenewirksam mit Holzkreuzen an Straßen, Plätzen und Gebäuden dargestellt werden oder Brauchtumstreffen wie Sonnenwendfeiern finden seit Jahren parallel an verschiedenen Orten in Mecklenburg-Vorpommern statt. Ebenso zum Aktionsportfolio gehören Banneraktionen, Konzerte und Demonstrationen. In vielen Fällen ist dabei die NPD oder ihr Jugendverband Junge Nationalisten involviert. Seltener aktiv sind hingegen „Die Rechte“ oder „Der III. Weg“.

Der aktionistische Drang von Anhängern der „Identitären Bewegung“ ist indes zurückgegangen. Islamfeindlichen Demonstrations-Tourismus zeigten gleich mehrere Events der Bürgerbewegung „Pax Europa“ im Nordosten im Rahmen ihrer selbst ernannten „Deutschland-Tour“. Dauerhaft über das ganze Jahr mit Protest auf der Straße war auch der Personenzusammenschluss „Freiheitliches Güstrow“, selbst wenn dazu manchmal nicht mehr als eine Handvoll Teilnehmer mobilisiert wurden.

Bundestreffen von „Sons of Odin“ in Rostock

Den größten Personenzustrom gab es demnach im Juli und Oktober bei Rechtsrock-Konzerten in Salchow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) mit 250 bis 300 Teilnehmern, die zum Teil auch von weiter auswärts angereist waren. Aus der Liste der aufgeführten Aktivitäten geht hervor, dass es am 13. April 2019 ein Bundestreffen der Gruppierung „Sons of Odin“ in Rostock gab – inklusive einer Demonstration in der Stadt.

Die Teilnahme eines Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern bei einer Party der in Rechtsrock-Zusammenhängen involvierten „Turonen“ am 16. November im thüringischen Kirchheim unterstreicht, in welche überregionalen Vernetzungsstrukturen Angehörige der rechten Szene aus dem Nordosten eingebunden sind. Regelmäßige Anreisen aus Mecklenburg-Vorpommern zu Konzerten im sächsischen Mücka hat es vergangenes Jahr gleich dreimal gegeben: am 26. Januar, 23. März und am 14. September.

Gesondert aufgelistet ist in der Antwort der Landesregierung das „1. Flügelfest Mecklenburg-Vorpommern“ vom 23. November im Seebad Binz auf Rügen mit rund 120 Teilnehmern.