AfD: Flügelschläge auf Rügen

Von Rainer Roeser
25.10.2019 -

Zum Jahreswechsel hatte Björn Höcke angekündigt, sein „Flügel“ werde in diesem Jahr seine regionalen Aktivitäten ausweiten. Nun ist Mecklenburg-Vorpommern an der Reihe.

Der AfD-„Flügel“ festigt seine Strukturen, künftig auch in Mecklenburg-Vorpommern; (Screenshot)

Am 23. November, eine Woche vor dem Bundesparteitag der AfD, soll im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen ein „Flügelfest“ stattfinden. „Königsstuhltreffen“ nennen die Organisatoren ihre Veranstaltung, angelehnt an den Namen der bekannten Kreidefelsen im Nordosten der Insel.

Sprechen sollen unter anderem die beiden „Flügel“-Vorleute Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Neben den AfD-Landes- und -Fraktionschefs aus Thüringen und Brandenburg treten auch Vertreter der Parteirechtsaußen aus Mecklenburg-Vorpommern ans Mikrofon. Angekündigt sind Reden von Ralph Weber und Enrico Komning. René Kruschewski, einer der beiden AfD-Kreissprecher in Vorpommern-Rügen, soll das Publikum im „Arkona Strandhotel“ begrüßen.

Weber, zuvor Jura-Professor an der Universität Greifswald, ist seit 2016 Mitglied des Landtags in Schwerin. In seinem Wahlkreis Vorpommern-Greifswald III hatte er das Direktmandat gewonnen. In der Fraktion fungiert er als Parlamentarischer Geschäftsführer. Als Präsident leitet er das Schiedsgericht des AfD-Landesverbands.

Umstrittener Höcke-Fan

Komning, Chef einer Rechtsanwaltskanzlei in Neubrandenburg mit weiteren Standorten in Berlin, Hamburg, Bonn und Stettin, wechselte 2017 vom Landtag in den Bundestag. Ende letzten Monats rückte er als neuer Parlamentarischen Geschäftsführer in den elfköpfigen Vorstand der 91 AfD-Parlamentarier auf. Im November 2017 wurde er in den AfD-Landesvorstand gewählt. Unter seiner Mail-Adresse und in seinem Bundestagsbüro werden die Anmeldungen für die Veranstaltung in Binz angenommen.

Unumstritten ist der „Alte Herr“ der „Greifswalder Burschenschaft Rugia“ auch bei AfD-Rechtsaußen nicht. Ex-AfD-Landessprecher Dennis Augustin, dem die Partei im Sommer die Mitgliedschaft entzogen hatte, hat ihn zu einem seiner Lieblingsfeindbilder erkoren. Andere AfD-Rechte berichteten, dass Anwälte aus Komnings Kanzlei an Parteiausschluss- oder Ordnungsverfahren beteiligt gewesen seien. Rege wird zudem eine Bereitschaftserklärung verbreitet, mit der sich Komning 1988 zum dreijährigen Dienst beim „Wachregiment Feliks Dzierzynski“ verpflichtete. Das Wachregiment unterstand dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit.

„Flügel“ dehnt regionale Strukturen aus

Moderiert wird die Veranstaltung in Binz von Petra Federau. Sie gehört dem Stadtrat in Schwerin an. In der Landeshauptstadt steht sie zudem als Sprecherin an der Spitze des örtlichen AfD-Kreisverbands.In den vergangenen Monaten hatte der „Flügel“ neben seinem alljährlichen bundesweiten „Kyffhäusertreffen“ bereits regionale Veranstaltungen in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Süddeutschland (für die Landesverbände in Bayern und Baden-Württemberg) abgehalten. Nun kommt mit Mecklenburg-Vorpommern ein weiterer AfD-Landesverband hinzu, in dem der „Flügel“ seine Strukturen festigt.

Vorbereitet werden solche Treffen unter anderem von „Landesbeauftragten“ des „Flügels“. Sie gibt es auch in Bundesländern, die bislang (noch) keine größeren Treffen der AfD-Rechtsaußen erlebt haben, unter anderem in Hamburg und Hessen. Weitere „Flügelfeste“ sind also zu erwarten.