AfD-Berater mit brauner Vergangenheit

Von Annette Wagner
28.06.2017 -

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Montag berichtete, beschäftigt die baden-württembergische Landtagsfraktion der AfD seit Juni einen neuen Parlamentarischen Berater, der in einer wegen Verfassungsfeindlichkeit verbotenen Neonazi-Organisation aktiv war.

Der erst seit wenigen Tagen bei der AfD als Berater tätige Laurens N. war bis 2006, zuletzt als stellvertretender Bundesführer, bei der im März 2009 vom Bundesinnenministerium verbotenen braunen Erziehertruppe „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) engagiert. Die HDJ existierte bis zu ihrem Verbot rund ein Jahrzehnt und stand in der Tradition der „Heimattreuen Jugend e.V.“ (DHJ), einer radikale Abspaltung des „Bundes Heimattreuer Jugend – Der Freibund e.V.“. Personelle und ideologische Bezüge bestanden bei der HDJ auch zur 1994 verbotenen neonazistischen „Wiking-Jugend“ (WJ). Dem baden-württembergischen AfD-Fraktionsvorsitzenden und Ko-Bundeschef Jörg Meuthen ist, so die FAZ, nach Aussage seines Sprechers bekannt, dass der Rechtsanwalt Laurens N. früher bei der HDJ war. Sie wurde vor acht Jahren wegen Verfassungsfeindlichkeit und NS-Wesensverwandtschaft verboten.

Unter den persönlichen Mitarbeitern der 21 AfD-Landtagsabgeordneten und den Parlamentarischen Beratern der Landtagsfraktion im Südweststaat befinden sich weitere Personen mit Bezügen zu Organisationen der rechtsextremen Szene wie NPD, Junge Nationaldemokraten und „Identitäre Bewegung“ sowie zur neu-rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritiker werfen der AfD eine zunehmende Radikalisierung vor.

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