AfD-Anhänger mehr als andere in sozialen Medien aktiv

Von Horst Freires
24.08.2021 -

Die Universität Hohenheim aus Stuttgart und das Meinungsforschungsinstitut forsa haben den ersten Teil einer repräsentativen Studie zur Stimmung in der Bevölkerung vor der Bundestagswahl vorgelegt. Eine Betrachtung mit dem Fokus auf die AfD.

Das Hauptinteresse der wissenschaftlichen Begleitung in der Endphase des Wahlkampfes gilt der Frage, wie die sechs (CDU und CSU zusammengefasst) bisher im Bundestag vertretenen Parteien kommunizieren und was davon in der Wahlbevölkerung ankommt. Dafür wurden vom 16. Juli bis 1. August insgesamt 20.095 Wahlberechtigte befragt. Die Befragung wird Ende August erneut vorgenommen und in einem Schlussdurchgang dann noch einmal unmittelbar vor dem Wahltermin am 26. September. Unter den Befragten wurde auch jeweils nach einer Partei-Präferenz gefragt, sodass eine diesbezügliche Zuordnung der Antworten getrennt nach den Parteien möglich war.

„Eigener Informations-Kosmos“

Menschen mit AfD-Zuneigung behaupten von sich, überdurchschnittlich an Politik interessiert zu sein. Ihre Informationskanäle und -quellen über Politik unterscheiden sich gegenüber der parteipolitischen Konkurrenz. Statt der klassischen Massenmedien (Fernsehen, Radio, Zeitung) bevorzugen Anhänger der AfD die Nutzung von Webseiten, Social Media (insbesondere YouTube, Facebook und WhatsApp) sowie das persönliche Gespräch. „Viele AfD-Anhänger leben in ihrem eigenen Informations-Kosmos“, ordnet Kommunikationsforscher Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim die Erkenntnis ein. Das Vertrauen in Instagram ist im Nutzungsvergleich mit der Konkurrenz beim AfD-Umfeld am schlechtesten ausgeprägt.

Zeichnet sich angetrieben durch die Corona-Zeit ein überproportionaler Anteil an Briefwahlstimmen ab, gilt solch ein Trend nicht für Wahlberechtigte mit AfD-Vorliebe. Diese geben an, am 26. September überwiegend ein Wahllokal anzusteuern. Von den drei Kanzlerkandidaturen schneidet Annalena Baerbock (Grüne) im AfD-Umfeld nicht wirklich überraschend mit Abstand am schlechtesten ab.

Durchaus Sympathien für FDP und Lindner

Bei der Bewertung über die Arbeit der Parteien und ihres Spitzenpersonals schneidet unter allen Befragten die AfD am schlechtesten ab. Das gilt ebenfalls für Alice Weidel als Spitzenkandidatin. Männer bewerten die AfD dabei besser als Frauen. Bemerkenswert, dass sich FDP-Bundeschef Christian Lindner aus den AfD-Reihen einen Zufriedenheits- und Sympathiewert von 27 und seine FDP von 18 Prozent sicher sein darf.

In der Umfrage wurde auch nach Kompetenzvertrauen in verschiedene Themenfelder, nach empfundener Wirtschaftslage und Lebensqualität sowie nach Zufriedenheit mit der aktuellen Bundesregierung und nach Zufriedenheit mit der Demokratie gefragt. 28 Prozent der Befragten mit AfD-Präferenz waren mit der Lebensqualität zufrieden, nur 18 Prozent mit der Wirtschaftslage. Frank Brettschneider dazu: „Man könnte meinen, sie leben in einer anderen Welt.

Beinahe Null-Vertrauen in Demokratie-Zustand

Einen positiven Demokratie-Zustand sehen lediglich vier Prozent aus dem AfD-Spektrum, Regierungszufriedenheit drücken nur zwei Prozent aus. Bei der Abfrage von Kompetenzvertrauen ist die AfD mit zwei Ausnahmen jeweils weit abgeschlagen. Die Ausnahmen betreffen die innere und äußere Sicherheit. In diesen Politikfeldern liegen CDU/CSU (45 bzw. 47 Prozent) klar vorne, bei der äußeren Sicherheit folgt die SPD mit zwölf Prozent vor der AfD mit zehn Prozent. Bei der inneren Sicherheit liegen SPD und AfD mit je zwölf Prozent gleichauf.

Der erste Teil der Studie ist hier abrufbar.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen