Warum Volksverführer erfolgreich sind

Von Armin Pfahl-Traughber
11.10.2017 -

Die Tricks der Populisten im öffentlichen Diskurs – eine Aufklärung darüber mit ironischem Unterton.

Manipulationsmechanismen und Tricks der Populisten entlarven; (Screenshot, Verlagsseite)

Die Journalistin Nina Horaczek und der Kommunikationsexperte Walter Ötsch arbeiten in ihrem Buch „Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung“ mit ironischem Unterton die Tricks der Populisten im öffentlichen Diskurs heraus. Dabei gelingt es ihnen anschaulich, anhand von vielen Beispielen die jeweiligen Manipulationsmechanismen und Tricks der Populisten im besten aufklärerischen Sinne herauszuarbeiten

Warum ist Populismus erfolgreich? Über diese Frage wird angesichts der Ergebnisse einschlägiger Parteien bei Wahlen kontrovers diskutiert. Eine andere Frage lautet: Wie ist Populismus erfolgreich? Dabei geht es nicht um die Bedingungsfaktoren, sondern um die Methoden. Mit welchen Mitteln agitieren Populisten? Antworten auf diese Frage findet man in dem Buch „Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung“. Geschrieben haben es die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Nina Horaczek und der Kommunikationsexperte und Ökonom Walter Ötsch. 

„Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN“

Der Titel irritiert ein wenig. Er klingt so wie eine Hilfestellung für Populisten. Genau so ist das Buch auch mit ironischem Unterton aufgebaut. Nicht immer halten die Autoren diese Perspektive durch, aber sie hat dafür ihren besonderen Reiz. Indem sie scheinbar den angesprochenen Agitatoren verschiedene Tipps geben, entlarven sie deren Manipulationen und Tricks. Gleichzeitig arbeiten Horaczek und Ötsch die Besonderheiten des Kommunikationsmittels „Populismus“ heraus.

Gleich zu Beginn heißt es: „Dieses Buch fußt auf den Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte. Es zeigt auf, mit welchen Tricks die Demagogen unserer Zeit arbeiten und welches Welt- und Menschenbild dahintersteht. In diesem Buch lernen Sie, selbst zum Superdemagogen zu werden und Spaß daran zu haben, die demagogischen Codes zu entschlüsseln“ (S. 7). Dies geschieht anhand konkreter Beispiele, also Politikern von Erdogan und Gauland über Hofer und Le Pen, Orban und Petry bis zu Trump und Wilders. Deutlich wird dabei, dass die Genannten sich ideologisch unterscheiden mögen, kommunikativ aber ähnlich agieren. Nach einem Kurzportrait der Personen heißt es denn auch: „Die Politik von Rechtspopulisten beruht auf einem einzigen Grundgedanken, einem selbst gestrickten Bild der Gesellschaft. … Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN“. Entsprechend heißt das Muster: „Erfinden Sie eine Gesellschaft, die aus nur zwei Gruppen besteht: den WIR und den ANDEREN“ (S. 13). Häufig sind die konstruierten „Elite“ und „Volk“.

Populisten bemühen gerne Verschwörungsvorstellungen

Danach geht es um den Einsatz von Gefühlen, wollen die Demagogen doch Emotionen gegen Fakten stellen. Um hier erfolgreich sein zu können, bedarf es einer besonderen „Gefühls-“ beziehungsweise „Hasssprache“, die auch „Gewaltphantasien“ mit einschließt. Angesprochen wird auch die Notwendigkeit der Wiederholung. Je häufiger man eine Aussage vorträgt, desto häufiger wird sie von Gläubigen geglaubt. Damit ein Populist erfolgreich sein kann, muss er darüber hinaus eine organisatorische Struktur zur Unterstützung haben. Dass diese sektenähnlichen Charakter hat, wird von den Autoren als Notwendigkeit des gemeinten Politikverständnisses herausgearbeitet. Und dann geht es noch um das Führen mit kurzen Formulierungen und autoritärer Sprache. Außerdem bemühen Populisten gern Verschwörungsvorstellungen. Gegen Ende betonen Horaczek und Ötsch wie „gefährlich dieses Bild ist. Es führt zur Spaltung der Gesellschaft und kann die Demokratie gefährden“ (S. 193). Daher geben sie auch praktische Hinweise zu Strategien gegen die Demagogie.

Auch wenn der Ansatz des Buches ironisierend und polemisch ist, gelingt es den Autoren doch differenziert und klar Strukturprinzipien populistischer Propaganda herauszuarbeiten. Dabei dienen ihnen die erwähnten Politiker zur konkreten Veranschaulichung. Insofern hat man es mit einer aufklärerischen Arbeit im besten Sinne des Wortes zu tun. In den als „Muster“ genannten Tricks gibt es Zuspitzungen. Dazu gehören Aussagen wie „Ja keine Grautöne“, „Erfinden Sie Sündenböcke“, „Wiederholen, wiederholen, wiederholen“, „Verknüpfen Sie Dinge, die eigentlich nicht zusammengehören“, „Brechen Sie Tabus“ oder „Emotionalisieren Sie termingerecht“. Man kann mit dem Buch in der Hand sicherlich viele Talkshowauftritte der Höckes, Straches und Weidels mustergültig analysieren. Die Gegenmaßnahmen kommen nur im letzten Kapitel vor, wirken aber insgesamt doch etwas zu künstlich und rational.

Walter Ötsch/Nina Horaczek, Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung, Frankfurt/Main 2017 (Westend-Verlag), 256 Seiten, 18,-- Euro.

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