SPD-Kandidat zeigt Courage

Von Robert Kiesel
16.08.2016 -

Er ist der Mann der Stunde in der Berliner SPD: Weil sich Alexander Freier-Winterwerb mit einem Plakat seiner Partei für Weltoffenheit gegen die rechtsextreme NPD stellte, wird er im Netz gefeiert.

Alexander Freier-Winterwerb positionierte sich mit dem SPD-Wahlplakat für Weltoffenheit direkt vor der NPD-Kundgebung; © Alexander Freier-Winterwerb

Die Aktion ist zwar schon einige Tage alt, in den sozialen Netzwerken zieht sie aber immer weitere Kreise. Hauptprotagonist ist Alexander Freier-Winterwerb. Zusammen mit einem Begleiter hatte er sich am vergangenen Samstag kurzerhand mit einem Wahlplakat der SPD-Berlin direkt vor eine kurzfristig angemeldete Kundgebung der rechtsextremen NPD im Stadtteil Treptow gestellt. Weil das Plakat die Parole „Berlin bleibt weltoffen“ trug, ließen die beiden die Ausländerfeinde der NPD sprichwörtlich alt aussehen.

Sympathiekundgebungen und Beleidigungen

Während die knapp einstündige Aktion vor Ort allerhand Sympathiebekundungen auslöste – eine türkischstämmige Frau umarmte die beiden jungen Männer sogar als Dank für ihren Einsatz – sorgte sie in den sozialen Netzwerken für unterschiedliche Reaktionen. Vor allem auf der offiziellen Facebook-Seite des SPD-Kandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 18. September gingen neben positiven Rückmeldungen auch Beleidigungen verärgerter NPD-Anhänger ein.

Selbst der Chef der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke, konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen. Schmidtke war laut einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten führendes Mitglied des als gewaltbereit eingestuften Neonazi-Netzwerks „Nationaler Widerstand Berlin“. Außerdem wurde er bereits mehrfach zu Bewährungsstrafen verurteilt, unter anderem wegen Volksverhetzung und wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz. Ein unter dem Namen „Hexogen“ im Berliner Stadtteil Schöneweide eröffneter Treffpunkt der rechtsextremen Szene lief bis zu seiner Schließung im Jahr 2014 ebenfalls auf seinen Namen.

„Als Sozialdemokrat muss man eine Haltung haben“

Die in den Kommentarspalten abgesonderten Beleidigungen lassen Freier-Winterwerb jedoch ebenso kalt wie die gegen ihn erhobenen Mittelfinger bei der Aktion am vergangenen Wochenende. „Als Sozialdemokrat muss man eine Haltung haben. Wir können nicht immer nur Courage von anderen fordern, wir müssen sie auch selbst an den Tag legen“, so der 29-Jährige im Gespräch mit vorwaerts.de.

Einschüchtern lassen wollen sich er und seine Mitstreiter jedenfalls nicht. Die in den Tagen vor der Kundgebung der NPD zerstörten SPD-Wahlplakate wurden mittlerweile neu aufgehängt. Nun prangen in der gesamten Straße die Plakate mit dem Spruch „Berlin bleibt weltoffen“. Die Anhänger der NPD dürfte dieser Dorn im Auge ganz besonders schmerzen.

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwärts.de

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